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Test Xpress 10: Jede Menge Innovationen

24.07.2013 | 13:07 Uhr |

Mit neuer Oberfläche, Anpassung an Retina Displays und einer Xenon getauften Technologie zur optimalen Darstellung will Quark bei Xpress 10 die Anwender begeistern. Bei unserem Tester ist das jedenfalls gelungen

Kurz nach Vorstellung von Xpress 10 hat Niko Netzer, der das Programm seit vielen Jahren nutzt und kennt, einen ersten Test für Macwelt geschrieben. Jetzt, mit Erscheinen der finalen Version hat er ihn um eine Bewertung, einige Details und einen Geschwindigkeitsvergleich ergänzt.

Xpress nutzt in der 10. Version nun endlich konsequent moderne Technologien, die OS X zur Verfügung stellt. Bilddarstellung und -verarbeitung sind auf ein komplett neues System umgestellt. Neben Multiprozessor-Unterstützung setzt Quark Xpress auf die Vektor-Erweiterungen aktueller Intel-Prozessoren wie SSE3 und AVX , um Arbeitsprozesse noch mehr zu beschleunigen. Die Benutzeroberfläche wurde komplett auf Cocoa portiert und reagiert entsprechend flott. Die Spracheinstellungen des Programms folgen der eingestellten Systemsprache. Die Diktat-Funktion kann nun auch in Xpress aufgerufen werden. Die Liste der zuletzt aufgerufenen Objekte wird vom Betriebssystem dargestellt und erscheint im Kontext-Menü des Dock-Symbols. Mit dem Mauszeiger andockbare Paletten, Vollbild-Darstellung und eine erweiterte Maßpalette erleichtern das Layouten.

Neues Grafik-System

Layoutprogramme zeigen Bilder und Grafiken in einer Layoutdatei in sehr niedrigen Auflösungen, um die Arbeitsgeschwindigkeit zu erhöhen. Unerwünschter Nebeneffekt ist, dass die Genauigkeit beim Positionieren von Elementen leidet. Xpress 10 setzt auf ein neues, „Xenon“ getauftes Grafik-System mit adaptiver Bildauflösung. Es bewirkt, dass die Auflösung automatisch optimal gewsetzt ist, egal wie groß man die Bildschirmdarstellung wählt. Das führt zu einem ganz neuen Erlebnis beim Gestalten. Denn Quark XPress 10 optimiert mit dem neuen Grafik-System die Verarbeitung von Bitmap- und Vektorformaten wie PDF, AI, TIFF, JPG, PNG und PSD. In TIFF-Dateien lassen sich Ebenen, Kanäle und Beschneidungspfade über die neue Palette „Erweiterte Bildeinstellungen“ direkt bearbeiten. Verläufe und Farbabstufungen werden genauer dargestellt.

Im Dokument platzierte PDF-Dateien verarbeitet Xpress jetzt deutlich besser: Schriften, Vektoren, Farben und Verläufe werden direkt interpretiert – allerdings auf Kosten der Geschwindigkeit beim Scrollen und Zoomen von Dokumenten. Transparenzen im PDF werden bei der Ausgabe berücksichtigt und können auch mit Xpress-Objekten interagieren. Entsprechend strebt Quark die PDF/X-4 Zertifizierung an, die solche Transparenzen wie übrigens auch Opentype-Fonts erlaubt.

Überarbeitete Benutzerschnittstelle

Um die Vorteile hochauflösender Displays zu nutzen, haben die Entwickler alle Elemente von Xpress optimiert. Zur Beschleunigung der Arbeitsabläufe hat Quark Dialoge wie „Modifizieren“ komplett gestrichen und die Optionen als eigene Reiter in die Maßpalette verlagert. Die Bereiche innerhalb der Maßpalette können über Tastaturkürzel aufgerufen werden. Alle Paletten des Programms lassen sich nun per Drag-and-Drop aneinander andocken oder umgruppieren. Gruppierte Paletteninhalte verdrängen sich nicht mehr gegenseitig oder klappen unvorhergesehen zusammen. Man kann auch durch die aufgeklappten Paletteninhalte scrollen, wenn die Inhalte über den auf dem Bildschirm darstellbaren Bereich hinausgehen. Die Neuorganisation der Paletten erlaubt die Vollbild-Darstellung des Programms und die Nutzung eines separaten Bildschirms unter Mission Control . Mit einem Mausklick auf das Vollbild-Symbol in der rechten oberen Ecke des Dokumentfenster belegt das Programm den Bildschirm. Dann werden transparente Bereiche anthrazit hinterlegt und das sichtbare Dokumentfenster zwischen Werkzeugen und Paletten eingepasst. Für eine übersichtliche Dokumentdarstellung lassen sich alle Paletten ausblenden und ähnlich wie das Dock vom Bildschirmrand aus bei Mausberührung einfahren. Das ist vorbildlich programmiert.

Die neue Grafik Engine stellt Vektor und Bitmap-Darstellungen immer hochauflösend dar. Der Unterschied zur Vorversion (links) ist deutlich. Hier im Bild: Eine Vektor-Grafik.
Vergrößern Die neue Grafik Engine stellt Vektor und Bitmap-Darstellungen immer hochauflösend dar. Der Unterschied zur Vorversion (links) ist deutlich. Hier im Bild: Eine Vektor-Grafik.

Die Reiter mit den Layouts eines Projekts lassen sich mit dem Mauszeiger umsortieren. Zusätzlich hat Quark den Seitennavigator aufgebohrt, der einen raschen Wechsel durch angezeigte Seiten ermöglicht. Er soll langfristig die Seitenlayoutpalette überflüssig machen. Quark Xpress 10 ist die erste Version, in der die Seitenlayoutpalette nicht standardmäßig dargestellt wird. Sollen Layouts gedruckt werden, kann der Anwender mit Hilfe des überarbeiteten Drucken-Dialogs eine aussagekräftige, farbige Vorschau des Dokumentes ansehen.

Quark Xpress 10

· Benutzerschnittstelle auf Cocoa umgestellt

· Unterstützung für Retina-Displays

· Mit dem Mauszeiger aneinander andockbare Paletten, Vollbildansicht

· Xenon Grafiksystem für die native Verarbeitung von Bitmap- und PDF-Dateien

· PDF-Transparenz im Dokument und in der Ausgabe

· Farbige Darstellung fehlender Schriften im Layout

· Verbesserte Bezier-Zeichenwerkzeuge

· Erstellung von QR-Codes

· Funktionen für ostasiatischer Typografie eingebaut

· Verbesserte Word-Intergration mit Bild-Import

· Erweiterter Drucken-Dialog

Typografische Verbesserungen

Anwender ostasiatischer Typografie, wie Chinesisch, Japanisch oder Koreanisch, mussten bisher zur Quark Xpress Plus Edition greifen. Dieser Schritt entfällt mit der neuen Version 10, denn sie enthält alle Funktionen der Plus Edition. In den Voreinstellungen von Xpress werden diese Funktionen eingeschaltet. Damit werden weitere Opentype -Einstellungen aktiv. Auch sind dann vertikale Texte, gruppierte Zeichen sowie die Darstellung eines Schriftenrasters mit Zeichenzählung sowie von rechts nach links verlaufende Lineale möglich. Für die Herstellung von Dokumenten in portugiesischer Sprache verfügt Quark Xpress über eine neue Rechtschreibprüfung und Silbentrennung.

Die neue Grafik Engine stellt Vektor und Bitmap-Darstellungen immer hochauflösend dar. Der Unterschied zur Vorversion (links) ist deutlich. Hier im Bild: Eine Pixel-Grafik.
Vergrößern Die neue Grafik Engine stellt Vektor und Bitmap-Darstellungen immer hochauflösend dar. Der Unterschied zur Vorversion (links) ist deutlich. Hier im Bild: Eine Pixel-Grafik.

Bisher konnten Ebenen nur auf Dokumentseiten angelegt werden. Das ändert sich mit der neuen Version. Dann lassen sich auf Musterseiten Ebenen anlegen, die sich auf die dazugehörigen Dokumentseiten vererben. Bei Elementen, die kopiert und wieder eingefügt werden, merkt sich Quark die Ebene und platziert die Elemente entsprechend. Um Quark Xpress Projekte auf der Festplatte besser unterscheiden zu können, kann die Dateierweiterung dargestellt werden. Um Objekte besser aneinander auszurichten, besteht nun die Möglichkeit, ein Referenzobjekt auszuwählen, anhand dessen sich die anderen auszurichtenden Objekte orientieren. Dabei gilt immer das zuerst ausgewählte Objekt als Referenz. Besonders hilfreich ist, dass Quark Xpress fehlende Schriften im Layout farbig hervorhebt. Damit ist gewährleistet, dass Anwender Dokumente einfacher analysieren können und die Position fehlender Schriften schneller identifizieren. Wer Farben im RGB-System anlegen muss, konnte die Kanäle bisher nur in Prozentwerten einstellen. Hinzugekommen ist die Möglichkeit, RGB-Werte in 256 Stufen einzustellen. Das Fenster für Farbauswahl und -bearbeitung lässt sich bildschirmfüllend aufziehen.

Neue Funktionen

Für die Herstellung von QR-Code s hat Quark ein Modul in die neue Version eingebaut. Damit entstehen QR-Codes, die aus Quark-Vektorelementen bestehen. Für Internetadressen, E-Mail, Telefonnummern oder SMS Kontakte stehen die passenden Einstellmöglichkeiten zur Verfügung. Selbst die Übermittlung von Kontaktinformationen in Form von Vcards per QR-Code ist möglich. Word-Anwender erhalten die volle Unterstützung des DOCX-Formates. Sind in ein Word-Dokument Bilder eingebettet, erkennt sie Quark Xpress und platziert neben dem enthaltenen Text auch alle Bilder des Dokuments oder stellt bei referenzierten Bildern automatisch die Verknüpfung zum Originalbild her. Sind im Word-Dokument Hyperlinks enthalten, werden sie interpretiert und als solche im Quark Xpress-Dokument angelegt. Für Nutzer der Bezier-Zeichenwerkzeuge gibt es erfreuliche Neuerungen. Das Bezier-Stiftwerkzeug erlaubt es jetzt einen deaktivierten Pfad nachträglich weiter zu zeichnen. Offene Pfade lassen sich schließen und es ist möglich, separate Pfade miteinander zu verbinden. Pfade lassen jetzt auch spiegeln. Das gilt nicht nur für Pfade. Auch andere Objekte lassen sich spiegeln. Um die Funktionen aktueller Apple Betriebsystem-Versionen optimal auszunutzen, musste Quark sich von einigen Altlasten befreien. Auf der Strecke geblieben ist die Unterstützung von OS X Leopard und Snow Leopard. Zusätzlich müssen Käufer bedenken, dass Quark Xpress 10 keine Dokumente der Versionen 3, 4, 5 und 6 öffnet. Ebenfalls herausgeflogen sind die Möglichkeiten, Dokumente für den Blio-Reader auszugeben, die Herstellung von Flash-basierenden Animationen und die Unterstützung von HTML 4 – Quark setzt konsequent nur noch auf HTML 5 . Anwender der Vistas-Extension für Bildbearbeitung und -effekte müssen ebenfalls auf die Funktionen verzichten. Quark hat daher die Möglichkeit gestrichen, im Dokument platzierte Bilder auf das jeweilige Rahmenformat zugeschnitten auf die Festplatte zu exportieren.

Fazit zu Quark Xpress 10

Mit der Version 10 von Quark Xpress bietet der Hersteller eine Menge Innovationen. Die Anpassung an Retina-Displays und die Überarbeitung der Benutzerschnittstelle lassen das Programm besser aussehen und erleichtern den Arbeitsablauf. Das neue Xenon-Grafiksystem bietet Layoutern und Designern echten Mehrwert bei der Gestaltung. Jetzt gehören Vorschaubilder im Dokument der Vergangenheit an und Gestaltung in bisher nicht gekannter Präzision wird möglich. Einzig die Darstellungsgeschwindigkeit muss der Hersteller noch verbessern, denn bildlastige Dokumente leiden noch unter zähflüssigem Bildaufbau. Auch die Geschwindigkeit beim Import von Dokumenten aus der Vorversion muss Quark steigern. Dennoch: Der Hersteller liefert ein würdiges 10er-Update und verspricht das Programm auch ohne Abonnement weiterhin als Einzelprodukt zu vertreiben.

Quark Xpress 10

Hersteller: Quark

Preise:

Vollversion: € 1400, CHF 1732

Upgrade € 450, CHF 557 von Version 9, von Version 8 bis 31.12.2013

Note: 1,8 gut

Leistung (40%)          2,0

Ausstattung (30%)    2,0

Handhabung (20%)    1,4

Dokumentation (10%)           1,4

Vorzüge: Anpassung an die modernen Funktionen des MacOS, komplett renovierteBenutzeroberfläche 

Nachteile : Viele Funktionen weggefallen, Vistas-Extension für Bildbearbeitung und Effekte nicht mehr mitgeliefert, teilweise zähflüssiger Bildaufbau

Alternative : Adobe Creative Suite CC, Apple Pages

Systemanforderungen: Ab OS X 10.7, Intel-Prozessor, Unterstützung für Maverics kurz nach Veröffentlichung.

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