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Das glitzernde Wunderkind im Test

27.06.2007 | 17:24 Uhr |

Walt Mossberg, David Pogue, Edward C. Baig und Steven Levy haben eines gemeinsam: Die vier Technik-Autoren namhafter US-Medien durften bereits zwei Wochen lang Apples iPhone testen. In der Nacht zu heute haben sie ihre Einschätzungen zum "glitzernden Wunderkind" veröffentlicht. Einigkeit herrscht darüber: Der Hype ums iPhone wird Apples neuestem Produkt gerecht. Aber es gibt auch Schwächen - eine von ihnen heißt: AT&T.

Ob das nun so eine gute Entscheidung war, auf AT&T als Exklusiv-Provider in den USA zu setzen - und dem iPhone keine UMTS-Unterstützung zu gönnen? Die Frage stellten sich auch die Tester und haben sie durchweg verneint. David Pogue von der New York Times kann Kundenbefragungen zu der Qualität der Handynetze nur bestätigen: Danach liegt AT&T fast immer auf dem letzten Platz, auch die Tester haben mit dem AT&T-Netz zu kämpfen. Sie erlebten Gesprächsabbrüche und beklagen sich allesamt über den lahmen Datendurchsatz im EDGE-Netzwerk. Wenn kein WLAN in der Nähe ist, dann dauert das Laden von Web-Seiten und YouTube-Videos unerfreulich lange. Sobald ein bekanntes oder freies WLAN vom iPhone aber gefunden wird, schaltet es automatisch diesen Kommunikationsweg frei - danach ist das "Erlebnis mobiles Internet" epochemachend, so das Urteil - wenngleich die Unterstützung von Flash fehlt.  

Vom Blackberry bitte nicht umsteigen

Nicht in allen Feinheiten hat die Bildschirmtastatur überzeugt, die Blackberry-typische Bedienung mit zwei Daumen ist noch verbesserungswürdig, die Eingabe mit den Fingern funktioniert deutlich besser. Walt Mossberg vom Wall Street Journal hätte deswegen nach drei Tagen das iPhone am liebsten weggeschmissen, zwei Tage später, so räumt er ein, hatte er allerdings keine Probleme mehr. Dafür sorgen auch die intelligenten Korrekturhilfen beim Tippen. Geschäftsleute, die mit dem iPhone ihren Blackberry ersetzen wollen, stehen vor einem weiteren Problem: An den Microsoft Exchange-Servern, die in vielen Unternehmen für die E-Mail-Kommunikation genutzt werden, müssen Administratoren kleiner Einstellungen vornehmen, damit auch das iPhone Push-Emails empfangen kann. Bei USA Today zeigten die Admins dem iPhone-Tester Edward C. Baig die kalte Schulter und äußerten Sicherheitsbedenken.  

Mehr Puste als erwartet

Mit der Leistungsfähigkeit des Akkus zeigen sich die vier Tester rundum zufrieden: Die von Apple genannten Werte können sie zwar nicht ganz erreichen, aber einen Tag hält der Stromspender durch. Dabei haben die Journalisten selten das WLAN-Modul abgeschaltet oder das Telefon in den Schlafmodus geschickt, stattdessen viel Musik und Videos genossen und fleißig die Internet-Fähigkeiten des iPhone getestet. Dass der Akku nicht vom Besitzer selbst zu wechseln ist, das merken alle vier Kollegen kritisch an. Über das bisher vorhandene iPod-Zubehör lässt sich auch das iPhone mit Strom auftanken, andere Funktionen von Zusatzgeräten, etwa die Integration in Auto-Audio-Systeme, funktioniert meist nicht. Hier will Apple angeblich mit einem Software-Update für Abhilfe sorgen, neue Zusatzgeräte sollen auch den Hinweis "Made for iPhone" erhalten.  

Die Koppelung an iTunes

Positiv fällt jedem der Tester auf, dass die iPhone-Kunden nicht gleich im Laden sich für ein Tarifmodell entscheiden müssen, sondern dies in aller Ruhe von zu Hause aus machen können - via iTunes. dieses Modell findet uneingeschränkt Zustimmung, zumal auch über denselben Weg Apple Software-Updates auf das iPhone aufspielen kann, um weitere Funktionen zu implementieren. Das habe der Hersteller, so die Tester, jedenfalls vor und sehen darin einen großen Vorteil gegenüber den Aktualisierungen bei anderen Handys. Über denselben Weg funktioniert auch das Bestücken mit Media-Dateien und den persönlichen Daten wie Adressen, Telefonnummern, Lesezeichen, E-Mail-einstellungen und Kalendereinträgen - die Kommunikation unter Windows Vista sei auch kein Problem, so das Wall Street Journal. Warum aber (noch) nicht die Möglichkeit besteht, im iTunes Store einzukaufen oder andere Klingeltöne auf das iPhone zu laden, verstehen die Tester nicht. Und was sie ärgert: Die Klinkenbuchse für Kopfhörer nimmt längst nicht jeden Kopfhörer auf.  

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