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Das iPhone 2014

08.01.2014 | 10:04 Uhr |

Kaum wird das iPhone 5S ausgeliefert, machen wir uns Gedanken über den Nachfolger. Wann kommt das iPhone 6, welche Technologien hat Apple in der Entwicklung.

Alle zwei Jahre bringt Apple ein komplett runderneuertes iPhone-Modell. Nach dem iPhone 5S wird also im Spätsommer oder Herbst das iPhone 6 kommen. Bei den S-Modellen findet sich meist optisch kaum ein Unterschied zum Vorgänger, hier liegen die Neuerungen eher im Detail. Im Folgejahr, also aktuell 2014, verpasst Apple dem iPhone neben technischen Neuerungen auch eine neue Optik. Allerdings wird Apple auch beim iPhone 6 behutsam vorgehen. Auf Experimente wie gebogenes Glas, ein größeres Display oder andere Spielereien werden Benutzer vergeblich warten. Wir vermuten, dass Apple beim gleichen Formfaktor des Displays ein abgerundetes Design wie bei den gerade vorgestellten iPad-Modellen wählt. Damit würde das Unternehmen wieder zur Urform zurückkehren, das seit dem Wechsel vom iPhone 3GS zum Modell iPhone 4 gewählte „kantige“ Design hat sich nicht so großer Beliebtheit erfreut – der „Handschmeichler-Effekt“ war verloren gegangen. Das Premium-Modell wird preislich im Bereich des iPhone 5S liegen und auch unter der Haube aufrüsten, um mit der Android-Konkurrenz mitzuhalten.

iPhone-Trends 2014

Wahrscheinlich:

+ Neues Design

+ Kamera-Innovationen

+ Weiterhin hochpreisig

Unwahrscheinlich:

– Billig-iPhone

– Riesenbildschirm

Neue Technik

Auf ein Billig-iPhone warten Beobachter der Szene seit Jahren. Ob es je kommen wird, ist fraglich. Auch mit einem iPhone 6 adressiert Apple sowohl preislich als auch technisch den Premium-Bereich. Dafür muss es nicht nur weiter elegant aussehen, sondern auch mit möglichst vielen technischen Neuerungen glänzen und sich abheben von den Premium-Modellen im Android- und Windows-Phone-Bereich. Schaut man sich die Zukäufe an Unternehmen und Technologien durch Apple sowie die aktuell gewährten Patente an, ist klar, dass Apple aus einem breiten Fundus schöpfen wird. In seiner von Walter Isaacson verfassten Biografie hat der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs mit der Aussage, „Bücher, Fernsehen und Fotografieren“ neu erfinden zu wollen, im Nachhinein für Aufregung gesorgt: Seitdem halten sich Gerüchte um einen Fernseher von Apple. Mit dem iBookstore für iOS und OS X hat Apple den Buchkonsum revolutioniert, unserer Meinung nach ist das Fotografieren als nächs­tes dran.

Auch 2014 dürfte Apple daran festhalten, ein Premium- und ein etwas güns­tigeres iPhone zu bringen.
Vergrößern Auch 2014 dürfte Apple daran festhalten, ein Premium- und ein etwas güns­tigeres iPhone zu bringen.

Die Kamera im iPhone 5S wird – ebenso wie der Touch-ID-Knopf – von Saphir-Glas geschützt, einer Glaskristallform, die wesentlich härter und kratzfester ist, als das bisher eingesetzte Gorilla-Glas 3. Nachteil ist, dass Saphir-Glas im Vergleich zum flexiblen Gorilla-Glas bei harten Schlägen eher zu Brüchen neigt. In Arizona baut Apple gerade Fabriken für die Herstellung von Rechnern (Mac Pro) und Bauteilen in den USA. Besonders interessant ist die Apple-Kooperation im Wert von rund einer halben Milliarde US-Dollar mit GT Advanced Technologies, dem Hersteller von Saphir-Glas.

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Noch hat Saphir-Glas im Vergleich zur aktuellen Version von Gorilla-Glas den vierfachen Preis, der dürfte aber bei einer Massenproduktion für das iPhone 6 deutlich sinken. Das nächste iPhone wird das härtere, dünnere und weniger reflektierende Glas nach unserer Meinung auch für das Display nutzen. Neben der Optik, Kamera und Display arbeitet Apple an der nächsten Version der CPU für seine iOS-Geräte. Im iPhone 6 wird der Nachfolger der ersten 64-Bit-CPU A7 arbeiten und auf den Namen A8 hören. Im Vergleich zum A6 bietet der A7 nicht nur 64- statt 32-Bit-Breite, sondern auch doppelt so viele Register. Theoretisch lässt sich damit bei sehr rechenintensiven Operationen eine vierfache Geschwindigkeit realisieren. Wir erwarten, dass Apple nicht auf Quadcore-Prozessoren umsteigt aber zwei Gigabyte Arbeitsspeicher verbaut.

Das iPhone 5 (4 Zoll) wirkt klein im Vergleich zum Sony Xperia Z (5 Zoll).
Vergrößern Das iPhone 5 (4 Zoll) wirkt klein im Vergleich zum Sony Xperia Z (5 Zoll).

Kein Billig-iPhone in Sicht

Schon seit geraumer Zeit fordern viele Analysten, Apple möge ein Billig-iPhone auf den Markt bringen, um abseits der Premium-Kundschaft an Boden zu gewinnen. Auch mit dem parallel zum iPhone 5S vorgestellten iPhone 5C hat Apple aber seine Strategie nicht geändert: Neben dem aktuellen Top-Modell hat man das Vorjahresmodell zu einem geringfügig reduzierten Preis im Angebot. Schließlich handelt es sich beim iPhone 5C technisch um das iPhone 5, wenn auch mit etwas veränderter Technik und einfacher zu produzierender Plastikschale. Mit dem iPhone 5C spart Apple sich die aufwendige Produktion mit Fräsen, Poliermaschinen und Laserbohrern, die für das iPhone 5 und 5S nötig sind. Für 2014 könnte Apple die aktuelle Strategie fortsetzen: beispielsweise ein neues iPhone 6 und dazu ein iPhone 6C, das auf dem iPhone 5S basiert.

Schwerpunkt Kamera

Verfolgt man Apples Patentanträge, fällt auf, wie viele davon sich um Fototechnik drehen. Kurz vor seinem Tod hatte sich Jobs mit Ren Ng, dem Chef von Lytro getroffen und eine Demonstration der Lichtfeldkamera Lytro erhalten. Lichtfeldkameras bieten eine einmalige Option: Durch eine spezielle Technologie lassen sich die Fotos nach der Aufnahme scharf stellen. Damit lassen sich auch für Laien bemerkenswerte Tiefeneffekte bei Bildern erzeugen. Ende November hat Apple vom US-Patentamt ein Patent für eine eigene digitale Lichtfeldkamera zugesprochen bekommen, die auch normale Fotos machen kann. Sehr viele Apple-Patente beziehen sich auf Kameratechnik. Das Unternehmen scheint schon lange an der Technologie zu arbeiten, sie sollte bis zum Herbst ausgereift genug sein. Ob Apple die Auflösung der 8-Megapixel-Kamera weiter aufstocken muss, ist fraglich, wir tippen auf eine Verbesserung auf 10 bis 12 Megapixel.

Kein Billig-iPhone

Um im Billig-Segment Fuß zu fassen, müsste Apple ein iPhone zum Preis von 200 bis 250 US-Dollar anbieten – diverse Android-Smartphones gibt es preiswerter, wenn auch wenig schick sowie technisch und beim verwendeten Android-OS veraltet. Wenig spricht dafür, dass Apple von seiner Politik abweicht, neben dem aktuellen Modell ein preiswerter angebotenes Vorjahresmodell im Angebot zu behalten.

Um einen Preis im genannten Bereich zu erzielen, müsste Apple ein Modell wie das iPhone 4 anbieten – weltweit. Das wird aber – wie auch das iPhone 4S – unter dem kommenden iOS 8 nicht mehr arbeiten. Apple hat es bislang zu verhindern gewusst, dass eine erhebliche Fragmentierung der Betriebssysteme wie unter Android auftritt. Weder Apple noch App-Entwickler haben Interesse daran, Support, Apps und mehr für verschiedene iOS-Versionen entwickeln zu müssen. Ein Billig-iPhone wird es unserer Meinung nach auch 2014 nicht geben.

Auch bei der Diskussion um ein iPhone-Modell mit einem größeren Display scheiden sich die Geister. In der Android-Welt überbieten sich die verschiedenen Hersteller fast im Monats-Rhythmus mit Smartphones, die eine Größe zwischen Smartphone und Tablet-PC haben, daher auch der Name „Phablet“. Das iPhone 5S bietet eine Bildschirmdiagonale von vier Zoll, das iPad Mini Retina kommt mit acht Zoll. Theoretisch würde ein iPhone mit 4,5- oder 5-Zoll-Diagonale gut dazwischen passen – unter Android gibt es solche Lösungen.

Für ein iPhone mit größerer Diagonale spricht mehr Spaß beim Gaming, Mail und beim Surfen. Dagegen sprechen Handhabung, Transport und die Optik. Apple beobachtet nach eigenem Bekunden den Markt. Zwar hatte Steve Jobs zu Lebzeiten gesagt, es bestehe kein Bedarf für ein kleines iPad – das iPad Mini kam dann trotzdem. Auch beim iPhone halten wir das nicht für unmöglich, allerdings nicht im Jahr 2014

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