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Das jüngste Gerücht

16.07.2001 | 00:00 Uhr |

Je näher eine Jobs-Keynote rückt, desto mehr Spekulationen über neue Produkte schießen ins Kraut. Einige Auguren wissen Abenteuerliches zu berichten, andere könnten mit ihren Vermutungen nahe an der Wahrheit sein.

Steve Jobs dürfte zur Eröffnung der Macworld Expo am Mittwoch um 9 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) viel zu erzählen haben. Bis auf das am 1. Mai vorgestellte iBook sind alle von Apple angebotenen Rechner rund ein halbes Jahr alt - eine Erneuerung im Rahmen des ganz normalen Produktzyklus drängt sich geradezu auf.
Dabei besteht für das Powerbook G4 wohl der geringste Renovierungsbedarf. Im Januar in San Francisco vorgestellt, hat sich das "Titanium" als großer Verkaufserfolg erwiesen. Nicht nur Analysten lobten das mutige Design, den Monitor im Breitwandformat und die Ausstattung mit langlebiger Batterie, DVD-Laufwerk, großer Festplatte und G4-Prozessor (400 MHz und 500 MHz). Was Apples professionellen Mobilrechnern jedoch noch fehlt, ist die im Januar vollmundig vorgestellte "Power to burn". So dürfte Steve Jobs am Mittwoch mindestens ein Powerbook mit CD-RW/DVD-Kombilaufwerk aus dem Hut zaubern, das kleinere Powerbook könnte jedoch auch lediglich mit einem CD-Brenner ausgestattet kommen. Apple gibt derzeit Käufern von Powerbooks G4 kostenlos einen Firewire-Brenner von VST dazu. Offenbar will man Kunden nicht vergraulen, die vor der Expo kaufen und dann feststellen, dass sie nur kurze Zeit später zum selben Preis einen "brennenden" Portablen hätten haben können.

Schneller, höher, weiter


Für Aufregung hatten letzter Woche angeblich authentische Bilder von "Apple-nahen Quellen" gesorgt, auf denen erstmals das Gehäuse des neuen Powermac G4 zu sehen gewesen sein soll. Diese würden etwas schlanker ausfallen als bisher, der Farbton erinnerte ein wenig an das Bronze der Lombard- und Pismo-Tastaturen. Auch vom Innenleben gaben die Bilder ein wenig preis: Serienmäßig sollten die neuen Modelle mit Zip-250-Laufwerken kommen, auf die Programmiertaste verzichten und Lautsprecher von Harman-Kardon verwenden. Nur wenige Stunden waren die Bilder auf der Website von MacOSX.org zu sehen, dann forderten Apples Rechtsanwälte den Sitebetreiber auf, die Schnappschüsse zu entfernen.
Mittlerweile hat der Urheber der Bilder der Website Go2Mac.com gegenüber bestätigt, dass die Fotos mit Hilfe von Photoshop entstanden sind. Apples rasche und harte Reaktion - andere "Designstudien" lassen sich weiterhin auf diversen Gerüchte-Sites bewundern - lässt zwei Schlüsse zu. Entweder kam der Künstler mit seiner Vision der Wahrheit beängstigend nahe oder "Apple-nahe Kreise" haben bewusst eine falsche Fährte gelegt.

Neue G4s dürften ohne Zweifel auf der Macworld Expo Premiere feiern, relevanter als eine neue Verpackung sind jedoch neue innere Werte. Motorolas Power-PC-7450-Prozessor läuft nun in ausreichenden Stückzahlen vom Band, so dass Apple seine High-End-Reihe komplett mit "V'Gers" ausstatten wird. Selbst das kleinste Modell könnte zwei Prozessoren mit je 667 MHz Taktrate an Bord haben, ist die erhöhte Leistungsfähigkeit von Mac-OS X auf Multiprozessor-Rechnern doch ein schlagkräftiges Argument für den Umstieg. Ob die neuen Spitzenmodelle im erfolgreichen "Ttanium"-Design daherkommen, wird man sehen.

iMac: Mit oder ohne


Die meisten Gerüchte, Meinungen oder auch Nachrichten im Vorfeld der Keynote drehen sich um den neuen iMac. Die einen behaupten, Apples All-in-one-Rechner hätte in seiner derzeitigen Erscheinungsform ausgedient und Apple wolle ihn durch ein Modell mit LCD-Monitor ablösen ( macwelt.de berichtete ), andere wollen von den berühmten "Apple-nahen Quellen" erfahren haben, dass beim iMac vorerst alles beim alten bleiben soll. Lediglich die Farben "Flower Power" und "Blue Dalmatian" wolle man ersetzen.
Für die erste These sprechen mehrere Indizien: Apple hat den Bau von CRT-Monitoren aufgegeben und bietet selbst nur noch TFT-Displays mit Bildschirm-Diagonalen von 15 Zoll, 17 Zoll und 22 Zoll an. Der iMac-Nachfolger müsste im Prinzip nur aus einem kompakten Kästchen bestehen, in das die Ingenieure alle notwendigen Komponenten eingebaut hätten. Wahlweise mit 15-Zoll-TFT, 17-Zoll-TFT oder "blank" erhältlich, wäre der iMac skalierbar - den seit drei Jahren verwendeten 15-Zöller mit der maximalen Auflösung von 1024 x 768 Pixel hatten immer mehr Anwender bemängelt. Zu dieser Theorie passt die Meldung, dass Apple die in den iMacs verbauten Bildröhren gar nicht mehr kaufen soll. Dabei mag es sich aber auch nur um eines der zahlreichen "on dits" handeln, die derzeit durch das Web geistern, ohne dass man ihre genaue Quelle lokalisieren könnte. Recht nebulös äußerten sich auch die Kollegen der britischen Mac User, die von neuen iMacs mit Röhrenmonitoren und anderen Farben zu wissen behaupten. Dennoch könnte es für Apple vernünftig sein, weiterhin auf die traditionelle iMac-Architektur zu setzen: Ein TFT-iMac dürfte kaum für unter 3000 Mark zu haben sein, was manchen Einsteiger abschrecken könnte.

What is the matrix?


Erstmals ordnete Steve Jobs auf der Macworld Expo 2000 in San Francisco die Hardware seiner Firma in ein 2 x 2 -Schema ein: für Einsteiger und für Profis gab es je einen Mobil- und einen Desktop-Rechner. Der Produkt-Matrix fügte Jobs vor einem Jahr mit dem Cube ein fünftes Element hinzu, das die Lücke zwischen iMac und Power Mac G4 hätte schließen sollen. Der Cube ist Geschichte, der leere sechste Platz in der auf 2 x 3 Elemente erweiterten Palette bleibt Gegenstand der Spekulationen. Dass Apple einen Nachfolger für den legendären Newton in Arbeit habe und wie ein "iPalm" aussehen könnte, ist seit etwa zwei Jahren vor jeder Keynote auf den einschlägigen Websites zu lesen. Das neueste "Konzept" für den "Newton 2001" sieht diesen mit Airport und Infrarot ausgestattet und dank eines reduzierten "Pocket Mac-OS X" internetfähig. Wie man Mac-OS X mit seinem kompakten Mach-Kernel jedoch auf die wohl notwendige Größe von rund einem Megabyte herunterskalieren könnte, bleibt Geheimnis des "Entwicklers". Viel wahrscheinlicher dürfte für den Mac als "digitalen Hub" jedoch eine Software a la iTunes sein, mit der sich bequem PDA-Daten verwalten und tauschen ließen ( macwelt.de berichtete ).
Im Zuge der Strategie, den Mac mit kostenloser Software zur attraktiven Hardware für den digitalen Lifestyle zu machen, wartet die Macianer-Gemeinde auch auf eine Software namens iPhoto. Doch entweder halten die "Apple-nahen Quellen" diesbezüglich einmal dicht, oder in der Gerüchteküche stehen schon zu viele Leckereien, als dass man darauf Gedanken verschwenden würde.

Am Mittwoch sind wir alle spätestens gegen 17.00 Uhr MESZ schlauer. Und nur, wenn man alle im Web kursierenden Kolportagen Glauben schenkt, dürfte man von dem tatsächlichen Verlauf des New Yorker Spektakels enttäuscht sein. Ab 14.45 Uhr übertragen wir am 18. Juli die Jobs-Keynote im bewährten "Text-Streaming-Verfahren" live auf macwelt.de
Peter Müller

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