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Das unsichtbare Netz

26.06.2013 | 12:53 Uhr |

Der Aufschrei war groß, als große US- und UK-Medien berichtet haben, der Geheimdienst NSA zapfe Daten bei den großen Online-Anbietern in den USA ab. Die Liste der Beteiligten liest sich dabei wie ein „Who is Who“ des Silicon Valley. ­

Facebook ist dabei, Google sowieso, selbst Apple liefert offenbar Nutzerdaten an die National Security Agency (kurz: NSA). Die Sprecher der US-Bundesbehörde rechtfertigen sich kritischen Nachfragen gegenüber mit dem Totschlag-Argument, es ginge um die „nationale Sicherheit“. Denn: Durch Spähprogramme wie Prism oder das britische Pendant Tempora soll es deutlich leichter sein, Terror-Anschläge zu verhindern – zumindest, wenn es nach der Logik der Geheimdienste geht.

Doch wenn man das Ganze noch einmal durchdenkt, wird einem klar, dass die NSA schlicht in der falschen Ecke des Internets sucht. Hoffen etwa die Agenten, dass  eine Terrorzelle eine Facebook-Gruppe „Die besten Tipps und Tricks zum Bombenbau“ gründet? Und dann noch die vereinbarten Anschlag-Termine über ein iCloud-Kalender miteinander teilt? Jeder Nutzer mit gesunden Menschenverstand und etwas Lesefähigkeit weiß, dass Google Gmail-Nachrichten scannt , um Werbung besser auszuliefern, dass Skype eine Hintertür zur Nachverfolgung von Gesprächen eingebaut hat, dass Apple die Siri-Konversationen zwei Jahre lang auf eigenenServern speichert und so weiter.

Wer sich also in einer nicht gesetzkonformen Tätigkeit versuchen will, muss von Anfang an auf andere Kommunikationsmittel als die allgemein bekannten und häufig benutzen Dienste setzen. Es wäre blauäugig zu leugnen, dass auch solche Dienste im Netz gibt; nur verschicken die Betreiber keine Pressemitteilungen an die großen Medien, wenn eine neue Funktion zur Verfügung steht. Suchmaschinen sind da ausgesperrt, selbst neue Nutzer werden bei der Anmeldung noch rausgefiltert. Es gibt beispielsweise Profi-Foren, die eine Anmeldung nur nach den richtigen Antworten auf dort gestellte technische Fragen gewähren. So schützen sie sich gegen Dilettantismus und unqualifizierte Kommentare.

Man kann sich in etwa ausmalen, welche Sicherheitsmaßnahmen und Geheimhaltung die richtig bösen Kerle im Netz betreiben, für die mehr auf dem Spiel steht als nur die Aussprerrung von Trollen und Jugendlichen mit zu viel Freizeit. Wenn der NSA wirklich etwas an der nationalen Sicherheit und nicht nur an einer Totalüberwachung liegt, müssen die Agenten eben solche Ecken im Netz durchleuchten. In den Facebook-Konten der Normalnutzer haben sie aber nichts verloren.

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