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Das war 2014: August

02.01.2015 | 00:00 Uhr |

Apple und Samsung lassen Patentklagen außerhalb der USA fallen +++ Apple feiert Vielfalt seiner Angestellten +++ Russische Hacker erbeuten 1,2 Milliarden Passwörter +++ Sam Sung versteigert seine Apple-Visitenkarte für einen guten Zweck +++ Kill-Switch-Gesetz in Kalifornien verabschiedet

Apple und Samsung lassen Patentklagen außerhalb der USA fallen

Ein erster Schritt, mehr nicht: Apple und Samsung lassen alle Patentklagen in Australien, Japan, Südkorea, Deutschland, Niederlanden, UK, Frankreich und Italien fallen und streiten sich sich fortan nur noch in den USA. Insbesondere führen beide Unternehmen die in Nordkalifornien anhängigen Prozesse fort, in denen Samsung der Patentverletzung schuldig gesprochen und zu einer Zahlung in Milliardenhöhe verurteilt worden war. "Samsung und Apple haben gemeinsam beschlossen, alle Patentklagen außerhalb der USA fallen zu lassen," heißt es in einer heute Früh von Samsung veröffentlichten Mitteilung. Die Vereinbarung bedeute aber keine gegenseitige Lizenzierung und die Prozesse in den USA würden weiter verfolgt, heißt es zudem.

Samsung ist weltweit der größte Smartphone-Hersteller mit einem Anteil von rund 25 Prozent. Im zweiten Quartal des Kalenderjahres hat der koreanische Konzern rund 74,5 Millionen Smartphones in allen Preisklassen weltweit verkauft, besagt eine Marktuntersuchung von Strategy Analytics. Apple, das nur im höheren Preisbereich unterwegs ist, verkaufte als weltweite Nummer zwei 35,2 Millionen iPhones. Beim Gewinn liegt Apple aber weit vorne, rund 70 Prozent aller im Markt erzielten Gewinne gehen laut einer Canalys-Studie nach Cupertino , Samsung fährt etwa 40 Prozent ein, alle anderen Hersteller machen keine Gewinne oder gar Verluste.

Der Patentstreit gegen Samsung ist der letzte, in den Apple noch verwickelt ist. Im Jahr 2012 konnte sich Cupertino etwa mit dem chinesischen Hersteller HTC auf gegenseitige Lizenzvereinbarung und Ende der Klagen einigen, auch mit Motorola/Google ist seit diesem Frühjahr der Streit beendet. Gegen die in Kalifornien ergangenen Urteile hat Samsung Berufung eingelegt, die bis in den Dezember verhandelt wurde.

Apple feiert Vielfalt seiner Angestellten

Apple hat auf seiner Website eine Imagekampagne gestartet, welche die Vielfalt und Inklusion innerhalb der Belegschaft feiert . Neben einem Video, das einzelne Mitarbeiter und ihre Aufgaben vorstellt, veröffentlicht Apple auch demographische Daten zu den rund 95.000 Angestellten in den USA. Begleitet wird die Kampagne von einem Brief Tim Cooks, der Apples Philosophie der Vielfalt und Inklusion beschreibt. Darin heißt es unter anderem: "Unsere Definition von Vielfalt geht weit über traditionelle Kategorien wie Rasse, Geschlecht oder Ethnie hinaus. Dazu gehören auch persönliche Eigenschaften, die sonst nicht bewertet werden, wie sexuelle Orientierung, Alter und Erfahrung sowie Behinderungen. Wer wie sind, woher wir kommen und was wir erlebt haben, beeinflusst unsere Wahrnehmung und Lösung von Problemen. Wir glauben daran, diese Vielfalt zu feiern und sie zu unterstützen." Gleichwohl bleibe noch viel zu tun, räumt Cook ein. So seien etwa nur 30 Prozent der Angestellten weiblich, nur 20 Prozent in technischen Berufen und nur 28 Prozent in Führungspositionen. Immerhin hat Tim Cook zuletzt drei Frauen in Führungspositionen angestellt: Angela Ahrendts, Lisa Jackson und Denise Young-Smith. Hinzu kommt noch die neue Aufsichtsrätin Sue Wagner.

Russische Hacker erbeuten 1,2 Milliarden Passwörter

Die New York Times berichtet von dem größten Passwort-Diebstahl aller Zeiten. Demnach sollen russische Hacker 1,2 Milliarden Kombinationen aus Benutzernamen (in vielen Fällen handelt es sich dabei um eine Mailadresse) und den dazu gehörigen Passwörtern gestohlen haben. In diesem Zusammenhang sollen mehr als 500 Millionen Mailadressen erbeutet worden sein.

Die New York Times beruft sich dabei auf die US-Sicherheits-Firma Hold Security, die den Riesen-Daten-Diebstahl aufgedeckt haben will. Hold Security ist in der Sicherheitsszene für das Aufdecken von Datendiebstählen durchaus bekannt, das Unternehmen hat seinerzeit den Datendiebstahl bei Adobe mit aufgedeckt.

Hold Security hat der russischen Bande den Namen CyberVor gegeben . Abgeleitet von “vor” ("вор"), dem russischen Wort für Dieb.

Die Hacker hätten die Daten bei rund 420.000 Webseiten und FTP-Servern erbeutet, wie Hold Security erläutert. Die Datensätze wurden vor allem durch Botnetze gesammelt, die SQL-Schwachstellen auf den Webseiten systematisch aufgespürt und ausgenutzt hätten, unter anderem durch die bekannte Angriffstechnik SQL Injections.

Unter den betroffenen Webseiten würden sich nicht nur die Webportale großer Unternehmen, sondern auch die Webauftritte von kleinen Firmen und sogar von Privatpersonen befinden. Insgesamt würde die russische Bande sogar 4,5 Milliarden Datensätze horten. Unter den gestohlenen Mailadressen würden sich aber auch solche befinden, die nicht mehr genutzt werden würden.

Derzeit liegen der Öffentlichkeit aber keine Informationen darüber vor, wessen Daten gestohlen wurden und von wo sie gestohlen wurden. Hold Security räumte lediglich ein, dass sich einige große Firmen unter den Betroffenen befinden würden und dass einige Datenlecks immer noch offen stünden. Nicht nur US-Firmen sollen Opfer des Angriffs sein.

Die Angreifer benutzten die erbeuteten Daten bisher für Spam-Mails und für den Versand von Schadprogrammen. Laut Hold Security denken die Diebe aber wohl auch über den Verkauf ihrer Beute nach.

Laut Hold Security sitzen die Angreifer vermutlich im Süden von Zentralrussland mit Servern in Russland. Es soll sich um rund ein Dutzend Männer handeln, die alle zwischen 20 und 30 Jahre alt seien und die eine klare Arbeitsteilung zwischen Programmierern und Datendieben pflegen würden. Hold Security konnte bisher keine Verbindung zwischen diesen Datendieben und russischen Regierungsstellen feststellen. Anfang 2014 habe die Gruppe ihre Aktivitäten ausgeweitet. Möglicherweise nachdem sie sich mit anderen Gangstern zusammengeschlossen habe.

Hold-Security-Gründer Alex Holden ordnet das Verbrechen folgendermaßen ein: Die Cybergangster haben nichts wirklich Neues oder Originelles gemacht. Sondern sie haben es einfach nur besser und in einem viel größeren Ausmaß als bisher gemacht.

Hold Security wieder die gängige Empfehlung nie ein- und dieselbe Kombination aus Zugangsname, Mailadresse und Passwort für mehrere Dienste oder Konten zu verwenden. Zudem solle man immer, wo es möglich sei, die Zweifaktor-Authentifizierung verwenden, beispielsweise per Smartphone. Ideal wäre aber eine Anmeldung über biometrische Zugangskontrolle. Zumindest im Internet ist das aber derzeit noch nicht möglich.

Sam Sung versteigert seine Apple-Visitenkarte für einen guten Zweck

Bis Ende 2013 beschäftigte Apple in seinem Pacific Centre im kanadischen Vancouver einen Mitarbeiter namens Sam Sung. Dieser hat nach eigenen Angaben erst kürzlich eine seiner alten Visitenkarten gefunden und diese im August zur Versteigerung bei E-Bay eingestellt. "Sam Sung. Specialist", recht viel mehr steht auf der Karte unter dem Apple Logo nicht. Sung will den erzielten Auktionspreis abzüglich der E-Bay-Gebühren an die Wohltätigkeitsorganisation Children’s Wish, BC & Yukon spenden, die kranken Kindern Wünsche erfüllt.

Die Auktion ging am 5. August 2014 mit 99 Cent los. Drei Tage vor ihrem Ende steht die Auktion (bei 110 Geboten) bei 80.200 US-Dollar. Unter den Bietern waren allerdings leider sehr viele sogenannte Spaß-Bieter, die schlussendlich überhaupt kein Interesse hatten, wirklich Geld für die einzigartige Apple-Visitenkarte auszugeben.

Es gehen zwar keine 80.000 US-Dollar an Children’s Wish, aber immerhin noch 2.653 US-Dollar.

Kill-Switch-Gesetz in Kalifornien verabschiedet

Das Gesetz könnte Auswirkungen auf Smartphones weltweit haben: Kalifornien hat im August ein Gesetz verabschiedet, das einen "Kill-Switch" für alle im US-Bundesstaat verkaufte Smartphones zwingend vorschreibt. Die Funktion soll es ermöglichen, gestohlene oder verloren gegangen Smartphones aus der Ferne zu löschen und zu sperren und sie damit effektiv unbrauchbar zu machen. Hat sich die Existenz eines solchen Schalters herumgesprochen, sollen sich Diebstähle nicht mehr lohnen, so die Theorie von US-Staatsanwälten . Verpflichtend wird die Regelung für alle ab dem 1. Juli 2015 in Umlauf gebrachte Smartphones. Mit der Aktivierungssperre von "Mein iPhone suchen" hat Apple in iOS 7 und höher eine entsprechende Funktion eingebaut, diese muss der Anwender aber erst Aktivieren. Ab dem kommenden Jahr muss sie zumindest in Kalifornien ab Werk eingeschaltet sein, Anwender müssen sie auf Wunsch aber deaktivieren können. Das Gesetz schreibt zudem vor, dass der "Kill-Switch" eine Neuinstallation effektiv verhindere, für ist die Kenntnis des iCloud-Passwortes für die Neuinstallation vorausgesetzt. Die Polizei soll ebenfalls die Fernsperre nutzen können dafür ist aber außer im Fall von Gefahr im Verzug eine richterliche Anordnung notwendig. Wie genau das System funktionieren soll und was mit den derart gesicherten Daten geschieht, schreibt das Gesetz nicht vor, hier haben die Hersteller alle Optionen. Vor Kalifornien hat bereits Minnesota ein Kill-Switch-Gesetz erlassen, das aber nicht die Aktivierung ab Werk vorschreibt. Microsoft und Google haben bereits angekündigt, in künftige Versionen ihrer Smartphone-Betriebssysteme Aktivierungssperren und Optionen für die Fernlöschung zu integrieren. Gut möglich, das ab kommenden Jahr nicht nur in Kalifornien Smartphones mit eingeschalteter Aktivierungssperre zur Auslieferung gelangen.

Die Theorie der Strafverfolger, die mit ihrer "Kill-Switch"-Initiative das Gesetz erzwangen, scheint indes aufzugehen. Laut Statistiken sind iPhone-Diebstähle in den USA bereits deutlich zurück gegangen , seit iOS 7 eine Aktivierungssperre bietet. Diese hat auch unseren ehemaligen Kollegen Clemens Fetzer vor dem Verlust seines iPhones bewahrt , dass er eine Weile unbeaufsichtigt auf einem Bartresen hatte liegen lassen. Der nicht ganz so ehrliche Finder hat sich davon überzeugen lassen, das iPhone nicht knacken und sein "Fundstück" somit nicht zu Geld machen zu können.

Apple verbannt Benzol und n-Hexan aus der Produktion

Apple verzichtet bei der Endfertigung von iPhones und iPads auf die beiden gesundheitsgefährdenden Chemikalien Benzol und n-Hexan. Der im August angekündigten Entscheidung war fünf Monaten zuvor eine Petition der Arbeitsschutzorganisation China Labor Watch vorangegangen, die den Einsatz der Stoffe kritisierte. In einer vier Monate andauernden Untersuchung hat Apple laut eigenen Angaben keinerlei Hinweise gefunden, dass Benzol und n-Hexan die rund 500.000 Arbeiter in den 22 mit der Fertigung beschäftigten Fabriken gefährden würde. Dennoch habe man sich entschlossen, den Einsatz der Chemikalien zu verbieten. Benzol steht im Verdacht, Leukämie auszulösen, n-Hexan ist für Nervenschädigungen verantwortlich zu machen.

Apple will bessere Arbeitsbedingungen bei Zulieferern

Wenn es um die Arbeitsbedingungen von Zulieferern geht, will Apple diese verbessern. Häufig kommt es zur Kritik seitens der Fair Labor Association, Apple ergreift im August Maßnahmen. Im Detail geht es um zwei Fabriken, die sich in Shanghai und Changshu befinden. Die beiden Quanta-Fabriken fertigen Produkte für Apple, sollen allerdings einige unschöne Rekrutierungs-Methoden anwenden. Der Fair Labor Association zufolge kommt es hier neben den illegalen Rekrutierungs-Maßnahmen außerdem zu einer Gefährdung im Bereich Mitarbeiter-Sicherheit und damit zu gesundheitlichen Risiken. Ein weiterer Punkt sind die maximal möglichen Arbeitszeiten, die Minderjährige in den Fabriken verbringen dürfen – auch hier schaut die Fair Labor Association den beiden Fabriken derzeit ganz genau auf die Finger.

Apple hat sich nun zu den Vorwürfen gegen die Quanta-Fabriken geäußert. Das Unternehmen aus Cupertino betont nun nochmals, dass Zulieferer nur von Apple beauftragt werden, wenn sie entsprechend hohe und sehr strikte Standards erfüllen. Apple kommuniziert derzeit bereits mit Quanta, damit die Arbeitsbedingungen in den Fabriken verbessert werden können. Apple drängt beispielsweise darauf, dass die horrenden Arbeitszeiten von 60 Stunden pro Woche und mehr in Zukunft unterbunden werden.

Gatekeeper-Änderungen angeblich Folge von Einbruch im Entwickler-Portal

Mit OS X 10.9.5 führt Apple Änderungen in Gatekeeper ein , lassen Entwickler ihre Apps nicht neu signieren, könnte die Systemkomponente Apps am Starten hindern. Apple nennt keine Gründe für die Maßnahme genannt, ein Twitter-Nutzer, der sich den Anonymus "Somebody Somewhere" gegeben hat, behauptet jedoch, der Einbruch in Apples Entwicklerportal im Sommer 2013 sei der Hintergrund. Dabei seien unter anderem die Schlüssel für Gatekeeper gestohlen worden, behauptet l aut TUAW der anonyme Twitterer, auch an weitere vertrauliche Informationen seien die Angreifer gekommen. Apple habe die Meldung weder bestätigt noch dementiert, kommentiert der Sicherheitsexperte Ben Doernberg den Vorfall. Somebody Somewhere will seine Informationen direkt von den Einbrechern bekommen haben, die ihm direkt nach dem Einbruch die Gatekeeper-Schlüssel zum Kauf angeboten hätten. TUAW will von dem Vorfall auch aus einer zweiten unabhängigen Quelle erfahren haben, nennt hierzu aber keine Details.

Design des Fifth-Avenue-Store ist jetzt patentiert

Der Glaswürfel an der Fifth Avenue in Manhattan markiert den Eingang des bekanntesten Apple Stores. Im August hat Apple ein Designpatent vom US-Patentamt für das Aussehen des Stores zugesprochen bekommen. 2006 hatte Apple den Store eröffnet und 2012 das Patent beantragt. Steve Jobs ist im Patentantrag als einer der sieben Urheber genannt. In Deutschland gibt es derartige Designpatente nicht in dieser Form, Designs sind urheberrechtlich geschützt und können beim Patentamt eingetragen werden.

2011 hat Apple den Würfel komplett erneuert und die rund 90 Glasscheiben gegen 15 riesige Glasflächen ausgetauscht. Die Renovierung soll 6,6 Millionen Dollar gekostet haben. Der Würfel sollte dadurch noch klarer und nahtloser wirken. Der Store hat jeden Tag im Jahr rund die Uhr geöffnet und ist einer der meistfotografierten Touristenattraktionen in New York. Jedes Jahr besuchen mehr als eine Million Menschen den Store.

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