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Das war 2014: Januar

26.12.2014 | 00:00 Uhr |

Tim Cook: US-Regierung hat keinen Zugang zu Apple-Servern +++ Apple steigert Umsatz und macht 13,1 Milliarden US-Dollar Gewinn +++ Google verkauft Motorola an Lenovo für 3 Milliarden US-Dollar +++ In-App-Käufe: Apple schließt Vergleich mit FTC +++ Loewe hat neuen Eigner +++ Amazon will Paket verschicken, bevor Sie bestellen

Tim Cook: US-Regierung hat keinen Zugang zu Apple-Servern

Apple-CEO Tim Cook hat im Januar in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC bekräftigt, dass es in Apples Diensten keine Hintertür gebe, über die Geheimdienste wie die NSA auf Kundendaten zugreifen könnten.

"Vieles, was gesagt wurde, ist nicht wahr", erklärt Cook. "Es gibt keine Hintertür. Die Regierung hat keinen Zugang zu unseren Servern." So etwas sei mit der Apple-Führung auch nicht zu machen: "Sie müssten uns dafür in einer Kiste rausfahren - und das wird einfach nicht passieren."

Er werde im US-Kongress auf mehr Transparenz bei den Überwachungsmaßnahmen dringen, kündigte Cook an. Die amerikanische Internet-Branche befürchtet einen Vertrauensverlust bei den Kunden durch die Enthüllungen über ausufernde Schnüffelei des US-Geheimdiensts NSA.

Apple hatte zwar wiederholt betont, dass der Konzern im Gegensatz zu anderen Unternehmen wie Google oder Facebook seinen Gewinn vor allem mit dem Verkauf von Geräten statt mit Datendiensten mache. Allerdings nimmt auch Apple laut den vom Informanten Edward Snowden veröffentlichten NSA-Unterlagen an dem Programm Prism teil, über das der US-Geheimdienst per Gerichtsbeschluss auf Nutzer-Daten zugreifen kann.

Apple steigert Umsatz und macht 13,1 Milliarden US-Dollar Gewinn

Apple legt am 27. Januar die Bilanz für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2013/2014 vorg. Demnach hat der Mac-Hersteller bei einem Umsatz von 57,6 Milliarden US-Dollar einen Gewinn von 13,1 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Gegenüber dem Vorjahr ist der Umsatz dabei leicht gestiegen, von 54,5 Milliarden US-Dollar, der Gewinn in etwa gleich geblieben, im Vorjahr lag er sechs Millionen US-Dollar höher. Der Gewinn pro Aktie ist jedoch um fünf Prozent auf 14,50 US-Dollar gestiegen, Wall Street hatte im Vorfeld mit 14,09 US-Dollar Gewinn pro verwässerter Aktie gerechnet.

Umsatz und Gewinn
Vergrößern Umsatz und Gewinn

Verkaufsrekorde

Bei den Verkäufen von iPhone und iPad setzte Apple jeweils neue Quartalsrekorde, 51 Millionen iPhones gingen über die Ladentische und 26 Millionen iPads. Die Mac-Verkäufe legten vor allem dank Macbook Pro und Macbook Air um 19 Prozent zu, der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar. Der PC-Markt hat weltweit im gleichen Zeitraum sechs Prozent verloren - der Mac hat in 30 der letzten 31 Quartale Marktanteile gewonnen. Lediglich vor einem Jahr war der Rückgang des Mac stärker als der weltweite Durchschnitt.

Vom iPhone konnte Apple gegenüber dem ersten Quartal 2012/2013 sieben Prozent mehr Geräte verkaufen, im Berichtszeitraum waren iPhone 5S und iPhone 5C neu auf dem Markt. Der Umsatz stieg jedoch nur um sechs Prozent auf 32,59 Milliarden US-Dollar. Das iPhone bringt Apple 56 Prozent seiner Umsätze ein. Der Apple-CEO nennt Touch ID als einen wesentlichen Grund, warum Kunden verstärkt zum etwas teureren Modelle iPhone 5S greifen. Das iPhone 5C habe sich aber vor allem bei neuen iPhone-Kunden als begehrt erwiesen, erklärt Cook.

Apples Verkäufe von Macs, iPods, iPads und iPhones in Stückzahlen seit 2010
Vergrößern Apples Verkäufe von Macs, iPods, iPads und iPhones in Stückzahlen seit 2010

Während Apple zehn Prozent mehr iPads als vor einem Jahr verkaufen konnte, stieg der Umsatz nur um sieben Prozent auf 11,47 Milliarden US-Dollar. Tim Cook betont vor allem Apples Erfolg in Unternehmen: In 98 Prozent der Firmen auf der Fortune-500-Liste seien iPads im Einsatz. Neun von zehn Tablets, die in Unternehmen genutzt werden, stammen von Apple. Während Apple jedoch im Laufe des Kalenderjahres die iPhone-Erfolgswelle weiter reitet und sich der Mac glänzend verkauft, verliert das iPad an Boden. In den drei folgenden Quartalen verliert das Tablet jeweils gegenüber Vorjahr an Umsätzen.

Nur noch mehr wenig Freude in absoluten Zahlen macht der iPod, den Apple im vergangenen Jahr aber auch nicht mehr weiter aktualisiert hatte. Die Verkäufe in Stückzahlen gingen um 52 Prozent auf 6,05 Milliarden US-Dollar zurück, die Umsätze fielen um 54 Prozent auf 973 Millionen US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal verzeichnet die Bilanz jedoch ein deutliches Plus - als Weihnachtsgeschenke sind iPods nach wie vor begehrt. Der einstige Kassenschlager trägt aber nur noch zwei Prozent zu Apples Umsätzen bei. Im gesamten Jahr 2014 sollte es beim iPod keine Renovierungen geben – im Gegenteil nimmt Apple den iPod Classic aus dem Angebot.

Google verkauft Motorola an Lenovo für 3 Milliarden US-Dollar

Nach drei Jahren trennt sich Google überraschend wieder von Motorolas Mobilfunksparte und verkauft es an das chinesische Unternehmen Lenovo für 2,91 Milliarden US-Dollar.

Google hatte Motorola im Jahr 2011 für insgesamt 12,5 Milliarden US-Dollar inklusive aller Produkte und Patente übernommen und dann kurze Zeit später die Sparte Motorola Home für 2,35 Milliarden Dollar veräußert. Für Google war damals vor allem die Übernahme der von Motorola gehaltenen Patente wichtig. Motorola sollte sich auf die Entwicklung von Android-Smartphones konzentrieren und somit auch zum Wachstum von Android beitragen. Zu den jüngsten Produkten von Motorola gehören das Moto X und Moto G.

In einem Blog-Eintrag über den Verkauf von Motorola an Lenovo weist Google-Chef Larry Page darauf hin, dass auf dem Smartphone-Markt ein großer Wettbewerb herrsche und es damit hilfreich sei, wenn man sich voll der Entwicklung von Smartphones widme. Hier könne Lenovo besser Motorola dienen. Google wolle sich stattdessen verstärkt darauf konzentrieren, die Innovation im Android-Ökosystem voranzutreiben. Außerdem kündigt Google neue Produkte in den stark wachsenden Bereichen der Wearables und Intelligentes Wohnen an.

In-App-Käufe: Apple schließt Vergleich mit FTC

Apple hat einem Vergleich mit der US-Handelsbehörde Fair Trade Commission (FTC) zugestimmt, der unter anderem eine Rückzahlung in Höhe von 32,5 Millionen US-Dollar an Eltern vorsieht, deren Kinder In-App-Käufe ohne ihre Zustimmung tätigen konnten.

Erste Beschwerden gegen Apple wurden bereits im Jahr 2010 eingereicht, Kindern konnten seinerzeit hunderte oder gar tausende US-Dollar für In-App-Käufe ausgeben. Apple hatte seinerzeit im App Store die Funktion, dass nach einem Kauf innerhalb der nächsten 15 Minuten keine erneute Passworteingabe gefordert war - was so manches iTunes-Konto weit stärker als erwartet belastete. Apple hat zwar dieses Feature schon im März 2011 deaktiviert, der Vergleich mit der FTC schreibt dem Anbieter jedoch nun vor, das System der In-App-Käufe zu überarbeiten. Apple müsse seine Praktiken zur Rechnungsstellung klarer beschreiben und Informationen über alle In-App-Käufe besser ausweisen. Kunden können auch jederzeit ihre Zustimmund zu In-App-Käufen zurückziehen. Zudem verpflichtet sich Apple, geschädigten Eltern in den USA 32,5 Millionen US-Dollar oder mehr zurück zu zahlen, die betroffenen Kunden wird Apple bis Ende März informieren.

Loewe soll neuen Eigner bekommen

Der insolvente TV-Hersteller Loewe sollte im Januar einen neuen Eigner erhalten. Mit einem ehemaligen Apple-Manager und dem Know-how von Bang  & Olufsen wollte das Traditionsunternehmen neu durchstarten.

Wie das Unternehmen im Januar bekannt gibt, übernimmt die Panthera GmbH wesentliche Teile des Unternehmens und führt das Geschäft fort. Hinter der Investorengruppe Panthera stecken zwei Münchener Familienunternehmen und eine Gruppe von ehemaligen Managern von Aple und Bang & Olufsen um Jan Gesmar-Larsen.

Die strategische Neuausrichtung soll Gesmar-Larsen als Beiratsvorsitzender zusammen mit dem bisherigen Loewe-Chef Matthias Harsch verantworten. Mit "Designqualität, Benutzerfreundlichkeit und Technologie" wolle man die Kunden überzeugen und sich mit "hochwertigen und wireless-vernetzten TV- und Sound-Geräte" breiter aufstellen, erklären die Verantwortlichen.

Die Montage in Kronach bleibe "zur Qualitätssicherung erhalten", die meisten Mitarbeiter der insolventen Loewe AG sollen übernommen werden. Markenrechte, Softwareentwicklungen und Lagerbestände gehen im Zuge der Übernahme an die Panthera GmbH und deren Tochterunternehmen Loewe GmbH über.

Im Februar erfolgt jedoch die Rolle rückwärts und das Geschäft platzt nach dem Rückzug der Investorengruppe. Diesen begrüdet Panthera damit, dass vertraglich vereinbarte Vollzugsbedingungen nicht rechtzeitig erfüllt worden seien. Daher habe die Investorengruppe das operative Geschäft nicht aufnehmen können.

Das Kronacher Unternehmen Loewe dagegen führt als Begründung für die bisher gescheiterte Übernahme an, dass die Investorengruppe das Geld für den Kauf nicht zusammen bekommen habe, was Panthera wiederum bestreitet.

Im März geht Loewe schließlich doch noch an einen neuen Eigner, die Investorengruppe Stargate übernimmt die Firma für einen einstelligen Millionenbetrag und führt die Geschäfte am Standort Kronach fort.

Im Frühjahr 2012 hatte es erstmals Gerüchte gegeben, Apple wolle den angeschlagenen Hersteller übernehmen und dessen Know-how für seinen eigenen Fernsehapparat nutzen. Sowohl Loewe als auch später Apple dementierten. Im Oktober 2013 musste Loewe schließlich Insolvenz anmelden.

Amazon will Paket verschicken, bevor Sie bestellen

Amazon weiß, was seine Kunden wünschen. Oft schon vor diesen. Das aus "Big Data" generierte Wissen macht Amazon zu einem ungewöhnlichen Service.

Dem Business Insider zufolge reicht Amazon im Januar ein Patent namens "anticipatory shipping" eingereicht und will damit die Auslieferung zum Kunden beschleunigen. "Anticipatory shipping" lässt sich mit "vorausschauendes Versenden" übersetzen und bedeutet im konkreten Fall von Amazon, dass der Versandriese automatisiert berechnen will, was der Kunde wohl als nächstes kaufen wird. Die Berechnung soll anhand der bislang bestellten Produkte, der eingetippten Suchen, der anderen Produkte im Einkaufskorb und der Verweildauer auf den einzelnen Amazon-Seiten erfolgen.

Das Ergebnis der Berechnung soll dann verschickt werden, bevor der Kunde auf den Kaufen-Button klickt und dadurch deutlich schneller bei ihm eintreffen. Doch was passiert, wenn die Berechnung fehlerhaft war? Schließlich bedeutet auch eine hohe Wahrscheinlichkeit nicht, dass der Fall eintritt und sich der Kunde bei Amazon für das gedachte Produkt entscheidet. Werden wir in Zukunft Päckchen erhalten, die wir gar nicht bestellt haben? Das Amazon-Patent sieht vor, dass die Päckchen bis zur tatsächlich erfolgten Bestellung in einer Sammelstelle oder in den Lieferwägen zurückgehalten werden sollen. Entscheidet sich der Kunde wie von Amazon vermutet für ein bestimmtes Produkt, wäre es also schon auf halben Weg zu ihm. Versehentlich ausgelieferte Pakete sollten damit vermieden werden. Fehlerhafte Berechnungen sorgen aber für zusätzliche Kosten - schließlich wurde das Paket vergeblich geschnürt und muss wieder zurückbefördert werden. Ob das System aber wirklich kommt, steht auch Ende 2014  nicht fest.

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