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Das war 2014: Juli

01.01.2015 | 00:00 Uhr |

Apple und IBM: Aus Feinden werden Partner +++ Apple verbessert Retina-Macbooks +++ Und zum Dritten: Apple legt bei Umsatz und Gewinn zu +++ Studie wirft Apple absichtliches Ausbremsen mittels iOS-Update vor +++ Apple-Händler mStore schließt fast alle Filialen

Apple und IBM: Aus Feinden werden Partner

Apple und IBM wollen in Sachen Business-Apps für Mobilgeräte kooperieren und geben im Juli eine Partnerschaft bekannt. Eine erste Welle von Business-Apps für iOS wird Unternehmen und Behörden im Dezember erreichen.

Apple, das im Firmenumfeld traditionell schwach ist, hat in den letzten Jahren in den Unternehmenswelt dank iPhone und iPad immer mehr Aufmerksamkeit erhalten und mit IBM einen etablierten Partner für weiteres Wachstum gewonnen. "Zum ersten Mal überhaupt bringen wir IBMs renommierte Big-Data-Nalayse auf die Fingerspitzen von iOS," freut sich Apple-CEO Tim Cook in der Pressemeldung zur Kooperation, "das ist ein radikaler Schritt für Unternehmen und etwas, das nur Apple und IBM leisten können."

Die Vereinbarung von Apple und IBM umfasst vier Hauptpunkte. Zunächst verpflichten sich die Partner, gemeinsam iOS-Apps für spezielle Businesszwecke zu entwickeln. Dabei fokussiere man auf Wirtschaftsbranchen wie das Gesundheitswesen, den Handel, Banken, Versicherungen oder das Transportwesen.  Erste Apps unter der IBM-Marke Mobile First würden noch im Herbst 2014 erscheinen, im Jahr 2015 folgen weitere. IBM werde seine Service-Expertise einsetzen, um Cloud-Lösungen für die meisten Unternehmensbedürfnisse anbieten zu können. Auch beim Support werde man kooperieren, Apple Care wird Unternehmen und Privatpersonen 24 Stunden am Tag in sieben Tagen in der Woche zur Verfügung stehen. IBM werde schließlich auch Komplettlösungen inklusive iPhones und iPads an Firmen verkaufen.

Die Kooperation von IBM und Apple könnte für beide gewinnbringend sein, seit dem Verkauf seiner PC-Sparte an Lenovo im Jahr 2005 konzentriert sich "Big Blue" auf Dienstleistungen für Unternehmen. Apple hingegen bekommt dank der Partnerschaft mehr Zug in sein Firmengeschäft, ohne jenes mit Endverbrauchern vernachlässigen zu müssen. IBM und Apple waren in den frühen Jahren der Computer-Ära Konkurrenten im PC-Markt, den Apple zwar mit dem Apple I und Apple II erst definierte, IBM mit seinem Personal Computer genannten Rechner im Jahr 1981 einen Namen gab. Später arbeiteten beide Unternehmen gemeinsam an der Power-PC-Plattform und gründeten ein letztlich erfolgloses Joint-Venture namens Taligent, das ein modernes Betriebssystem entwickeln sollte.

Die gemeinsam Geschichte von Apple und IBM ist recht wechselhaft. Als Apple Mitte der Siebziger im Silicon Valley auf den Plan trat, war das als "International Business Machines" im Jahr 1911 im Bundesstaat New York gegründete Unternehmen längst etabliert. Die Welt kannte seinerzeit den Computer als Großrechner, der Schränke, ja, ganze Hallen füllte und an den Terminals angeschlossen waren, über die ausgebildete Fachleute mit ihm arbeiteten. Apple stellte mit dem Apple I im Jahre 1976 und dem kommerziell weit erfolgreicheren Apple II im Jahr darauf die Welt völlig auf den Kopf: Der Computer wurde persönlich, von (fast) jedermann zu bedienen und abseits von großen Firmenarchitekturen zu betreiben. IBM fühlte sich herausgefordert und brachte im Jahr 1981 selbst eine entsprechende Lösung heraus, den Personal Computer oder PC. Dank der Kooperation mit dem jungen Unternehmen Microsoft und der Offenlegung der Architektur übernahmen rasch "IBM-kompatible" Rechner den noch jungen Markt. Mit Apple und IBM hatten sich Rivalen für's Leben gefunden.

Die Zeiten, die Personen und die Unternehmen haben sich geändert. IBM-CEO Ginni Rometty im Gespräch.
Vergrößern Die Zeiten, die Personen und die Unternehmen haben sich geändert. IBM-CEO Ginni Rometty im Gespräch.
© Paul Sakuma / Apple

Ausdruck der gegenseitigen "Wertschätzung" war nicht zuletzt der legendäre TV-Spot zur Einführung des Macintosh im Jahre 1984 . Mit "Big Brother" war niemand anders als "Big Blue" gemeint - IBMs Spitzname. Der Hammerwurf der Athletin war nicht anders gemeint als ein Schlag in IBMs Gesicht. Aber trotz aller Bemühungen Apples, auch in Unternehmen Fuß zu fassen, hatte IBM einen großen Vorsprung in Corporate America. Nach und nach ersetzten in den Büros großer Unternehmen die persönlichen Computer den Großrechner, meist griffen CIOs aber zu den IBM-kompatiblen Rechnern, die längst nicht mehr alle von Big Blue stammten, aber alle unter MS-DOS und später Windows liefen. IBM selbst etablierte sich mit seiner Hardware vor allem im Server-Bereich.

Steve Jobs soll IBM mehr als einmal als "Todfeind" bezeichnet haben. Es ist einer der zentralen Geschichten des Films " Die Silicon Valley Story ", dass Jobs sich so sehr auf IBM als Erzrivalen konzentriert, dass er Bill Gates und Microsoft dabei völlig unterschätzt. Weit nüchterner gingen Apple und IBM während Jobs' Auszeit miteinander um. So war IBM von 1994 bis 2005 Lieferant von Prozessoren für Macs. Zusammen mit Motorola/Freescale gründeten Apple und IBM im Jahr 1991 das PowerPC-Konsortium, die daraus entstandenen Chips trieben Desktop-Rechner über fünf Generationen hinweg, Laptops immerhin über vier. Den G5-Prozessor produzierte IBM schließlich exklusiv für Apple, als der G5-Prozessor nicht laptoptauglich wurde, endete die Zusammenarbeit. Apple fand in Intel – zwischenzeitlich neuer "Staatsfeind Nummer Eins" – einen alternativen Zulieferer, mit dessen Chips erst die heute bekannten Macs möglich waren.

Steve Jobs im Jahre 1983 vor dem IBM-Hauptquartier. Die Beziehung des jungen Unternehmens zum Traditionsbetrieb war nicht die beste. Das sollte sich aber noch mehrmals ändern
Vergrößern Steve Jobs im Jahre 1983 vor dem IBM-Hauptquartier. Die Beziehung des jungen Unternehmens zum Traditionsbetrieb war nicht die beste. Das sollte sich aber noch mehrmals ändern
© Andy Hertzfeld/Apple

Auch auf Ebene des Betriebssystems kooperierten Apple und IBM in den Neunzigern, das Joint Venture Taligent brachte aber keinen modernen Nachfolger für das System 7 zustande. Und während IBMs Geschäfte mit Blade-Servern oder dem Think Pad florierten, geriet Apple immer mehr in die Krise. Zeitweise war IBM einer der Kandidaten für eine Übernahme des zurecht gestutzten Emporkömmlings, doch dann kam Steve Jobs zum Unternehmen zurück. Und mit ihm ein modernes Betriebssystem, das sich schon seinerzeit auf die rivalisierende Intel-Architektur verstand. Die erneute Abkehr von IBM war also nur eine Frage der Zeit.

Im Jahr 2005 erkannte IBM schließlich, dass die eigene PC-Sparte nicht mehr lukrativ war. Der Markt schien gesättigt, Desktops liefen zwar nach wie vor glänzend, doch ging der Trend schon vor zehn Jahren zum Mobilen. Das Think Pad war als hochpreisiges Notebook auch eher für Unternehmenskunden und nicht für den Consumer-Markt konzipiert. IBM stieß die gesamte Sparte samt der Markenrechten an den chinesischen Hersteller Lenovo ab und konzentrierte sich darauf, Dienstleister für Unternehmen zu sein. Anfang 2014 trat IBM auch noch seine Server-Sparte an Lenovo ab.

Die Zeiten, die Personen und die Unternehmen haben sich geändert. IBM-CEO Ginni Rometty im Gespräch.
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© Paul Sakuma / Apple

Auch Apple hat sich extrem gewandelt. Computer werden immer mobiler und kleiner, immer mehr klassische PC-Aufgaben können mittlerweile Smartphones und Tablets übernehmen. Apple hat seit Jahren auch das Unternehmensgeschäft im Visier. Und obwohl immer mehr Firmen sich für iPhone und iPad interessieren, fehlt es Apple noch an den letzten Schritten. Und hier kommt wieder IBM ins Spiel, das genau weiß, welche Services und welche Software Unternehmen benötigen. Seit 2013 will sich auch IBM verstärkt als Unternehmen für mobile Lösungen definieren, als es die neue Geschäftseinheit " Mobile First " gründete. Insbesondere sind aber die Vertriebskontakte IBMs ein entscheidender Faktor bei der anstehenden Kooperation. Besonders Microsoft dürfte von der Entwicklung nicht begeistert sein.

Apple verbessert Retina-Macbooks

Apple stellt Ende Juli  neue Macbook-Pro-Modelle mit Retina-Displays vor. Sie werden etwas schneller und bekommen mehr Arbeitsspeicher. Teilweise senkt Apple auch die Preise.Viel hat Apple nicht verändert. Alle Retina-Modelle bekommen schnellere CPUs. 200 Megahertz legt der Hersteller drauf. Das 13-Zoll-Modell gibt es nun also mit 2,6- und 2,8-GHz-Dual-Core-CPU. Alle 13-Zöller sind jetzt mit 8 GB RAM ausgestattet. Vorher musste man beim Einsteiger-Modell noch mit 4 GB auskommen.

Die 15-Zöller profitieren ebenfalls. Auch hier gibt es 200 MHz mehr Taktfrequenz, es sind nun 2,2- und 2,5-GHz-Quadcore-CPUs verbaut. Außerdem ist das 15-Zoll-Einstiegsmodell nun ab Werk mit 16 GB RAM ausgestattet (vorher 8 GB). Einen neuen, schnelleren Grafikchip im Top-Modell gibt es leider nicht.

Die Preise bleiben weitgehend unverändert. Lediglich das 15-Zoll-Top-Modell ist um 100 Euro günstiger geworden. Es kostet nun 2500 Euro. Das 13 Zoll Macbook Pro ohne Retina-Display (mit optischem Laufwerk) bleibt weiterhin im Programm. Die technischen Daten bleiben unverändert aber den Preis hat Apple um 100 Euro gesenkt. Es kostet jetzt 1100 Euro.

Und zum Dritten: Apple legt bei Umsatz und Gewinn zu

Auch für das Juni-Quartal weist Apple einen höheren Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr aus. Der Umsatz stieg auf 37,4 Milliarden US-Dollar und der Gewinn auf 7,7 Milliarden US-Dollar, höher waren die Zahlen im Juni-Quartal nie. Vor einem Jahr hatte Apple 35,3 Milliarden US-Dollar eingenommen und dabei einen Überschuss von 6,9 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet.

Pro verwässerter Aktie ergibt das einen Gewinn von 1,28 US-Dollar, im Vorjahr waren es noch 1,07 US-Dollar gewesen. An Aktionäre zahlt Apple 47 Cent pro Aktie an Dividende aus. Während der Umsatz etwas unter der Schätzung der Wall Street in Höhe von 37,99 Milliarden US-Dollar lag, hatten die Finanzexperten mit einem Gewinn pro Aktie von 1,23 US-Dollar gerechnet.

Weiterhin ist das iPhone Apples größter Umsatzbringer. Im Berichtszeitraum verkaufte das Unternehmen 35 Millionen Geräte, vor einem Jahr waren es 31,2 Millionen Stück gewesen. 19,75 Milliarden US-Dollar des Umsatzes entfallen auf die Smartphone-Sparte, im Vorjahr waren es 18,1 Milliarden US-Dollar. Apple-CEO Tim Cook betonte in der Bilanzpressekonferenz, Apple habe Wachstum sowohl in der unteren, der mittleren und der höheren Preiskategorie feststellen können – das iPhone 5C ist also wohl nicht der Flop, für den viele es halten. Gegenüber dem zweiten Quartal hat Apple jedoch einen Umsatzrückgang zu vermelden, von Januar bis März waren noch 43 Millionen iPhones für 26 Milliarden US-Dollar an die Kunden gegangen. der Rückgang ist jedoch dem Produktzyklus des iPhone geschuldet, viele potentielle Käufer warten auf die Vorstellung eines neuen Gerätes, die für Anfang September wahrscheinlich ist.

Erfreulicherweise legt das Geschäft mit dem Mac trotz eines schwierigen Gesamtmarktes wieder deutlich zu, Apple verkaufte mit 4,4 Millionen Macs im Juni-Quartal 18 Prozent mehr als die 3,7 Millionen Stück aus dem Vorjahr. Vor allem das Macbook Air habe stark dazu beigetragen, genaue Zahlen nennt Apple jedoch nicht. Der Umsatz des Mac stieg von 4,9 Milliarden US-Dollar um 13 Prozent auf 5,5 Milliarden US-Dollar. In nunmehr 32 der letzten 33 Quartale hat Apple mit dem Mac Marktanteile im PC-Markt dazu gewonnen. Gegenüber dem Vorquartal hat Apple sieben Prozent mehr Rechner verkauft und damit 13 Prozent mehr Umsatz gemacht.

Das iPad hat jedoch verloren, sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch dem Vorquartal. Im Juni-Quartal 2013 verkaufte Apple 14,6 Millionen Stück und im März-Quartal dieses Jahres 16,3 Millionen, im dritten Quartal 2013/2014 waren es nur noch 13,3 Millionen. gegenüber dem Vorjahr ging der Umsatz um acht Prozent von 6,4 Milliarden US-Dollar auf 5,9 Milliarden US-Dollar zurück. "Die Verkäufe des iPad trafen unsere Erwartungen, obwohl ich weiß, dass sie die Ihren nicht trafen," wandte sich Tim Cook an die Finanzanalysten, die der Telefonkonferenz zugeschaltet waren. Die Kategorie sei noch jung und warte auf Innovationen, Apple habe genau das für das iPad vor. Mehr als die Hälfte aller iPads verkauft Apple an Leute, die erstmals sich einen Tablet-Computer zulegen.

Cook zeigt sich optimistisch, dass die in der letzten Woche angekündigte Partnerschaft mit IBM das Wachstum des iPad wieder treiben werde. Im Unternehmensbereich habe Apple lediglich einen Tablet-Marktanteil von 20 Prozent, mit Hilfe von IBMs Expertise in Unternehmenssoftware und Cloud-Services könne dieser mittelfristig auf 60 Prozent steigen. Der Apple-CEO glaubt zudem an die Prognose der Marktforscher von Gartner, die damit rechnen, der Tablet-Markt werde den für klassische PCs bis zum Jahr 2018 überflügeln. Da Apple und IBM heute keine Konkurrenten sind, ergebe die Kooperation Sinn, erklärt Cook.

Studie wirft Apple absichtliches Ausbremsen mittels iOS-Update vor

Kaum ist das neue iOS-Update installiert, wirkt das alte iPhone träge und langsam – meinen viele User bereits beobachtet zu haben. Das scheint nun eine Studie, die die Wirtschafts-Doktorandin Laura Trucco an der Harvard-Universität durchgeführt hat, zu belegen: Die Wissenschaftlerin fand heraus, dass mit jedem iOS-Release die Google-Suchanfragen nach dem Begriff “iPhone slow” explodieren. Trucco leitet daraus ab, dass die Beobachtung vieler User stimmt. Indirekt wirft Sie Apple damit geplante Obsoleszenz vor.

Im Rahmen ihrer Studie untersuchte Trucco die These, dass Menschen, die mit der Leistung ihres Smartphones unzufrieden sind, bei Google nach einer Lösung suchen. Deshalb untersuchte Sie Daten, die Google zum Suchbegriff “iPhone slow” liefert und fand dabei eine interessante Koinzidenz: Immer, wenn ein neues iOS-System (und damit auch ein neues iPhone) herauskam, nahm die Anzahl der Suchanfragen zu diesem Begriff bei Google massiv zu. Für einen Vergleichswert wertete sie auch die Suchanfragen “Samsung Galaxy slow” aus – hier kam es zu keinem derartigen Ergebnis. Vorhandene iPhone-Hardware, so scheint es, wird regelmäßig langsamer, sobald ein überarbeitetes iOS-System installiert wird.

Wir können die suggerierten Ergebnisse der Studie im Test allerdings nicht bestätigen: In unserem Performance-Check zum iOS 7-Release konnten wir selbst auf den ältesten noch von iOS 7 unterstützten Gerät, dem iPhone 4, nur einen minimalen Performance-Verlust feststellen. Und nicht nur das: Tatsächlich waren manche Anwendungen wie etwa Safari mit dem neuen Betriebssystem auf der alten Hardware sogar schneller geworden. Zudem sperrt Apple grundsätzlich gar zu alte Hardware für neue Updates – das iPhone 3GS ist nicht mehr für iOS 7 geeignet – eine Vorgehensweise, die in der Technologiebranche gang und gäbe ist.

Suchen nach iPhone slow häufen sich nach Veröffentlichung neuer iOS-Versionen. Die Antworten sind aber meist banal. So sollte man nach Installation einer neuen Betriebssystemfassung deren Performance erst dann beurteilen, wenn sich die Caches wieder aufgebaut haben.
Vergrößern Suchen nach iPhone slow häufen sich nach Veröffentlichung neuer iOS-Versionen. Die Antworten sind aber meist banal. So sollte man nach Installation einer neuen Betriebssystemfassung deren Performance erst dann beurteilen, wenn sich die Caches wieder aufgebaut haben.

Trotzdem: Der Vorwurf geplanter Obsoleszenz wiegt natürlich schwer, suggeriert er neben der Geldmacherei auch unnötige Umweltbelastung. Apple nimmt als größter Geheimniskrämer der Technologiebranche zu derartigen Vorwürfen traditionell nicht Stellung, kursierende Verschwörungstheorien werden durch die legendäre Verschwiegenheit des Unternehmens aber verstärkt.

Doch wie kommt es zu den gesteigerten Suchanfragen? Professor Sendhil Mullainathan, Doktorvater von Laura Trucco, schreibt in einem Artikel in der Online-Ausgabe der New York Times , dass die von Trucco erhobenen Daten ausschließlich Korrelationen enthielte, aber keine Schlussfolgerungen zuließen. Stattdessen gäbe es nur zwei Erklärungen: Eine großangelegte Verschwörung durch Apple – oder harmloser technologischer Fortschritt. “Korrelationen motivieren uns allerdings, weiter zu forschen”, so der Professor, nimmt aber gleichzeitig allen Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln: “Es gibt zwei einfache Gründe, warum geplante Obsoleszenz nicht den Profit maximiert: Einerseits das juristische Risiko. Andererseits der Wettbewerb und die Vernunft der Verbraucher, die eine solche Strategie vereiteln würden.”

Apple-Händler mStore schließt fast alle Filialen

mStore bestätigt am 9. Juli offiziell in einer Pressemeldung , dass ein Großteil der Filialen des Mac-Händlers schließen wird. Nur der Onlineshop und die Ladengeschäfte in Hamburg und Berlin bleiben bis auf Weiteres geöffnet. Geschäftsführer Martin Willmann: "Ich bin sehr enttäuscht vom Ausgang des Verfahrens. Unsere Mitarbeiter haben das Unternehmen bis zum letzten Tag unterstützt und im Sinne der Kunden agiert. Dass wir nun voraussichtlich nach 25 Jahren Tätigkeit alle Läden schließen müssen und damit Arbeitsplätze vernichten, ist für mich ein schwerer Schritt."

Nachdem der Apple Premium Reseller mStore im März 2014 Insolvenz angemeldet hatte, zeichnet sich immer deutlicher das Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme ab, unter denen die Kette gegenwärtig leidet.

Nach Angaben vom mStore war 2013 mit einem Jahresumsatz von 75 Millionen Euro das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte. Allerdings hätten die geringe Marge auf Apple-Produkte und Rabattaktionen die Kette seit 2013 in die roten Zahlen getrieben. Zunächst hatte mStore versucht, die wirtschaftliche Schieflage durch eine sogenannte Insolvenz in vorläufiger Eigenverwaltung zu korrigieren. Ziel war es, das Unternehmen mit seinen damals knapp 20 Ladengeschäften selbständig über den Zeitraum eines halben Jahres zu sanieren. Ein strategischer Investor, der Interesse an einem Engagement bekundet hatte, konnte sich mit den zuständigen Personen nicht einigen.

Anfang Juni wurden die Ladengeschäfte richterlich aus der Eigenverwaltung herausgenommen und in eine Regelinsolvenz überführt. Kurz darauf wurden die mStore-Filialen in Essen, Leuna / Günthersdorf (zwischen Leipzig und Halle) und Berlin-Spandau geschlossen. Als Gründe verweist mStore vorrangig auf externe Faktoren wie Besucherrückgang, steigende Mieten oder anstehende Umbaumaßnahmen. Während dieser laufenden Regelinsolvenz entscheidet nicht mehr die Geschäftsführung darüber, welche Filialen geschlossen werden, erklärte Unternehmenssprecherin Erdmann.

Microsoft streicht bis zu 18.000 Stellen

Microsoft will im Zuge seiner Neuaufstellung im kommenden Geschäftsjahr bis zu 18.000 Stellen streichen. Dafür wird der Softwarekonzern nach eigenen Angaben eine Sonderbelastung von 1,1 bis 1,6 Milliarden Dollar verbuchen, davon etwa die Hälfte für Abfindungen. Den Großteil des Stellenabbaus will Microsoft bereits bis Ende dieses Jahres über die Bühne bringen. Am stärksten betroffen ist wenig überraschend das zugekaufte Geräte- und Services-Geschäft von Nokia, wo durch Synergien und strategisches Alignment rund 12.500 Arbeitsplätze wegfallen.

Microsoft-Chef Satya Nadella baut kräftig um. Am härtesten betroffen ist das zugekaufte Nokia-Business.
Vergrößern Microsoft-Chef Satya Nadella baut kräftig um. Am härtesten betroffen ist das zugekaufte Nokia-Business.
© Microsoft

Microsoft hatte mit Nokia rund 30.000 Mitarbeiter übernommen und beschäftigt aktuell rund 127.000 Mitarbeiter weltweit. Konzernchef Satya Nadella hatte kürzlich bereits angedeutet , dass es dabei im Zuge der Neuausrichtung in Richtung Mobile und Cloud nicht bleiben könne. Seither hatten sich die Gerüchte um einen bevorstehenden Kahlschlag immer mehr verdichtet.

Microsoft werde zwar einerseits Stellen abbauen, erklärte Nadella in einer neuen E-Mail an die Microsoft-Belegschaft , gleichzeitig aber in anderen Bereichen auch strategisch einstellen. Die Entlassungen sollten außerdem so glimpflich wie möglich über die Bühne gehen; jeder betroffene Mitarbeiter könne erwarten, mit dem Respekt behandelt zu werden, der ihm für seinen Beitrag zum Unternehmen gebühre.

Insgesamt strebt der neue Microsoft-CEO flachere und weniger Hierarchien sowie schlankere und effizientere Geschäftsprozesse an, um das Unternehmen produktiver zu machen. Intern sollen bereits heute weitere Details der geplanten Restrukturierung mitgeteilt werden; im Earnings Call mit Finanzanalysten am 22. Juli will Nadella diese dann auch öffentlicher machen.

E-Book-Prozess: Apple akzeptiert Strafe von 450 Millionen US-Dollar


Apple vergleicht  sich im Prozess um überhöhte Preise für E-Books mit 33 US-Bundesstaaten und Territorien, sofern das vor einem Jahr ergangene Urteil rechtskräftig wird. 400 Millionen US-Dollar will Apple an Käufer von E-Books ausschütten, diese Auszahlung ist aber an Bedingungen geknüpft. Die Staaten und Territorien hatten eine Sammelklage gegen Apple eingereicht, nachdem bereits das US-Justizministerium Apple und fünf Buchverlage der Kartellbildung zum Zwecke der Preiserhöhung verklagt hatte. In jenem Fall erging im letzten Jahr ein Urteil gegen Apple, das unter anderem vorsah, einen Aufseher zu installieren und Apple für mehrere Jahre verbot, mit den Buchverlagen neu zu verhandeln. Apple hat gegen das Urteil Berufung eingelegt und vom Ausgang der Berufungsverhandlung hängt schließlich ab, ob der Mac-Hersteller die 450 Millionen US-Dollar an Kunden und den Staat wirklich bezahlen muss. Denn dies geschieht nur im Fall der Bestätigung des Urteils. Sollte das Berufungsgericht beschließen, dass der Fall neu verhandelt werden müsse, werde Apple nur 50 Millionen US-Dollar an Entschädigungen zahlen, sollte gar ein Freispruch erfolgen, zahlt Apple gar nichts.

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