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Das war die Woche: Aber Halo!

04.07.2008 | 14:22 Uhr |

Noch eine Woche, dann kommt das iPhone 3G in den Handel. Apple verdient dann zwar nicht mehr bei Gesprächsgebühren mit, iPhones werden aber weltweit ihren Glanz auf dei Marke Apple abstrahlen.

Es soll ja einige iPod- oder iPhone-Besitzer geben, die ganz erstaunt sind, wenn sie erfahren, dass Apple auch Computer baut. Zwar hat der Mac-Hersteller im Januar 2007 das "Computer" aus seinem Firmennamen gestrichen und heißt seither offiziell nur noch "Apple Inc.", das Geschäft mit Macs hat Apple aber nicht aufgegeben - ganz im Gegenteil. Über zwei Millionen Desktops und Notebooks verkauft Apple pro Quartal, fast so viel wie in den schlechten Jahren um die Jahrhundertwende im gesamten Geschäftsjahr. Der von Marktbeobachtern prognostizierte Halo-Effekt ist eingetreten: Viele zufriedene iPod-Käufer haben, geleitet durch den "Glorienschein" (Halo) ihres MP3-Players, bei der Neuanschaffung eines Rechners an die Marke mit dem Apfel gedacht. Apples Umstieg auf Intel-Prozessoren hat den Trend gar noch verstärkt: Wer auf einige Windows-Programme nicht verzichten kann oder will oder die Neuanschaffung der Mac-Pendants scheut, kann sich ohne weiteres Windows auf seinen Mac installieren.

Der Halo-Effekt wirkt sich deutlich auf den Marktanteil des Mac aus, schon jeder zwölfte an das Web angeschlossene Computer soll eine Maschine aus Cupertino sein, haben die Experten von Net Applications ermittelt. Vor allem der Zuwachs ist rasant: Gegenüber dem Vorjahr registrierten die Marktforscher fast 40 Prozent mehr Macs. Windows bleibt in all seinen unübersichtlichen Varianten unangefochtener Marktführer, doch die 90-Prozent-Marke wackelt und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis man Microsoft nicht mehr als Quasimonopolisten im Betriebssystemmarkt bezeichnen kann.

Das iPhone 3G gibt Apple nun ab nächster Woche mehr Schub. Es ist zwar nicht anzunehmen, dass die von Analysten geschätzten acht Millionen Käufer in diesem und 19,5 Millionen Käufer im nächsten Jahr sich dann auch gleich einen Mac zulegen so sie noch keinen haben, aber das iPhone könnte noch stärker auf den Mac abstrahlen. Wer sich solch ein Telefon leistet, dem ist auch das Vorurteil "Macs sind teurer als Windows-PCs" reichlich schnurz.

Teuer kommt hingegen das Apple-Handy, was aber nicht unbedingt an Apple liegt. Die Preisspannen sind enorm, zwar ist weltweit in der Tat das 8-GB-iPhone mit Vertrag selten teurer als die von Steve Jobs im Juni versprochenen 200 US-Dollar, bei den Gebühren zeigen sch aber krasse Unterschiede. Während in Deutschland T-Mobile einerseits für Neukunden recht moderate Preise verlangt - 90 Euro monatlich und dafür das Telefon nur für einen Euro sind für Vieltelefonierer und -Surfer ein attraktives Angebot, vergrätzt der rosa Riese seine Bestandskunden mit horrenden Ablöseforderungen. Immerhin soll es dieser Tage in der Bonner Konzernzentrale Diskussionen über kulantere Konditionen geben, noch hat die Telekom eine Woche Zeit.

In den Niederlanden bietet der Provider für ähnliche Preise deutlich mehr Leistung. Wer nun im niederrheinischen oder niedersächsischen Grenzgebiet wohnt, sollte aber vor dem Schnäppchenkauf im Nachbarland noch über die Roaminggebühren nachdenken, welche die EU zwar in diesem Sommer senken lässt, die das Telefonieren und Surfen mit einem holländischen iPhone in Deutschland aber deutlich verteuern.

Ganz könnten das Schweden und Norweger sehen, bei den dort verlangten Gebühren und dafür gegebenen Leistungen würde sich ein Abstecher in die Niederland unter Umständen schon bald amortisiert haben. Die Schweden sind halt keine Holländer, aber auch Telia Sonera hat auf Kunden gehört und will nun mehr Optionen bei den Tarifen einräumen.

Wettbewerb unter Mobilfunkprovidern erleben die Schweizer, die zwischen den Angeboten von Swisscom und Orange auswählen können. Die Tarife ähneln sich, doch wenn zwei Provider das Telefon führen, müssen weniger Interessenten ihren Anbieter wechseln.

Apple tat gut daran, sein bisheriges Modell zu ändern und von exklusiven Partnern keine Beteiligung an den Einnahmen zu fordern. Stattdessen läuft es mit dem iPhone wie mit jedem anderen Handy: Der Hersteller verkauft es zu einem höheren Preis als dem Kundenendpreis an den Mobilfunkanbieter, der seinerseits die Subventionen über teils langfristige Verträge amortisiert. Diese Rechnung geht für Apple doppelt auf, der niedrigere Anschaffungspreis und die Präsenz in über 70 Ländern schraubt die Verkaufszahlen nach oben. Je mehr iPhones in Gebrauch sind, desto mehr Software wird Apple über den App Store an die Anwender bringen. Ob das iPhone also Auswirkungen auf die Geschäfte Apples haben wird? Aber Halo!

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