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Das war die Woche: Android gegen iPhone, My Space gegen iTunes

26.09.2008 | 14:25 Uhr |

Keine gute Woche für Apple, mit gleich zwei schweren Angriffen: Google und T-Mobile bringen das erste Android-Handy heraus und der Medienmogul Rupert Murdoch fordert mit My Space Music den Platzhirschen iTunes heraus.

Das Akronym NDA steht eigentlich für Non Disclosure Agreement, als Verschwiegenheitsvereinbarung, frech wie unser Kollege Dan Moren von Macworld jedoch ist, hat er eine andere Bedeutung gefunden: Never Develop Apps . Schweren Unmut aus der Entwicklergemeinde hat sich Apple mit seiner Politik für den App Store zugezogen. Programmierer beklagen, mit ihrer Software keine Aufnahme in den illustren und Umsatz versprechenden App Store zu finden und Apples offizielle Begründungen, die ihnen fadenscheinig klingen. Podcaster dopple die Funktion von iTunes, Mail Wrangler jene von Apple Mail, hieß es offiziell. Klingt nicht gerade so, als würde sich Apple gerne dem Wettbewerb stellen, sondern eher danach, als würde das Unternehmen sein Eigentum am Distributionskanal für seine Zwecke nutzen. Damit dieser Eindruck sich nicht weiter verfestigt, hat Apple auf die öffentlich vorgetragenen Beschwerden reagiert. Und nicht etwa den App Store etwas transparenter gestaltet, sondern per NDA Entwicklern verboten, über die Gründe der Ablehnung zu sprechen. NDA könnten die Betroffenen nun in der Tat als eine Aufforderung verstehen, nicht mehr für das iPhone zu entwickeln. Hier liegt die größte Gefahr für die Plattform, denn schmucke Handys mit Touchscreen können auch andere bauen. Über das langfristige Wohl und Wehe des iPhone werde die Software entscheiden, so einfach ist das. Dabei kommt es nicht nur auf das Betriebssystem und seine Fähigkeiten an, sondern auch auf die für die Plattform erhältliche Software. Apple hatte einen großartigen Start, die mehr als 3.000 iPhone-Anwendungen im App Store lassen kaum zu wünschen übrig. Über etliche Doppler in Name und Funktion der Programme kann man als Kunde auch dann darüber hinweg sehen, wenn Apple bei seiner eigenen Software genauer hinschaut.

It’s the Software, stupid

Google Android sollte den Verantwortlichen in Cupertino zu denen geben. Das HTC Dream G1 , das auch noch Apples deutscher Mobilfunkpartner T-Mobile vertreibt, sehen viele Experten schon als ernsthafte Konkurrenz zum iPhone. Das Gerät ist schlank und elegant, die Software zumindest passabel und die vollständige Tastatur ein bewusster Kontrapunkt zur totalen Virtualisierung des iPhone. Dass es sich bei Google Android jedoch um eine offene Plattform handelt, ist die wichtigere Nachricht. Sicher, Apple behält die Qualitätskontrolle und es ist nicht ausgeschlossen, dass die abgewiesenen Programme andere Mängel aufwiesen als den Umstand, Apple-Software zu ähneln. Dass Open Source aber zu schlechterer Software führt, behauptet nun nicht einmal mehr Microsoft. Apple selbst profitiert mit seinem Betriebssystem-Kernel, Webkit und Dutzender Komponenten in Mac-OS X von der freien Entwicklung. Der Android Market soll sich selbst regulieren, nicht ausgeschlossen, dass zahlreiche von Apples strengen Türstehern vergraulte Entwickler mit ihren Programmen zur Attraktivität der Plattform beitragen. Welche Software nun genau den Kampf der proprietären iPhone-Plattform gegen den offenen Android-Markt entscheidet, sei dahingestellt. Der Zeichner von Joy of Tech hätte da aber schon eine Idee ...

Freiheit für die Musik

Wiederholt sich in der Causa App Store der alte Vorwurf, Apple würde seine Anwender gängeln? iPod und iTunes sind weiterhin starr aneinander gebunden, DRM freie Songs verkaufen nur unabhängige Labels und der britische Riese EMI. Musik ganz ohne Beschränkungen will nun die Community-Site My Space anbieten. Kostenlos hören ist zwar nur im Streamingverfahren unter Ertragen von Werbung möglich, wer den ein oder anderen Song aus dem neuartigen Angebot aber kaufen will, erhält ihn als MP3, frei von allen Kopierbeschränkungen. Nicht nur Indies und EMI sind dabei, sondern auch die drei anderen Großen Time Warner, Universal und Sony BMG, um die sich Apple für iTunes Plus bislang vergeblich bemüht hat. My Space Music ist nicht der erste Angriff gegen Apples iTunes Sore, womöglich aber der erste, der trifft und dem Platzhirschen wesentliche Marktanteil abknappsen kann.

Umweltzerstörer und Krankmacher?

Null zu zwei gegen Apple in dieser Woche. Und über die Mitte trägt Greenpeace gleich den nächsten Angriff vor: Im vierteljährlichen Umweltranking "Guide to Greener Electronics" der Organisation ist Apple auf den 13ten Platz zurückgefallen, mit einer Wertung von 4,1 von 10 möglichen Punkten. Die Vorwürfe sind nicht neu: Apple bekommt zwar Pluspunkte, da der Mac-Hersteller bei der Produktion auf PVC und bromhaltige Flammenhemmer verzichtet, das Unternehmen äußert sich jedoch nicht zu den CO2-Footprints der Produkte und bekennt sich nicht zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen. Zudem verwende Apple zu wenige Recycling-Materialien. Wenn sich aber auch noch die Berichte um krebserregende Ausdünstungen des Mac Pro bestätigen sollten, bekommt Apple ein massives Problem, gegen das das Gezänk mit iPhone-Entwicklern wie ein Kaffeekränzchen wirkt.

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