988572

Das war die Woche: Angriff von zwei Seiten

14.03.2008 | 15:52 Uhr |

Genug ist nicht genug: Ein weiterer Konkurrent will die iPod-Vormacht brechen, eine weitere Patenklage ist gegen Apple eingereicht. Groß ist die Gefahr für den Mac-Hersteller zwischen den Fronten jedoch nicht.

Sansa Fuze
Vergrößern Sansa Fuze

Wiederholungen gefallen nicht (immer): Schon wieder versucht ein Hersteller einen Konkurrenten für den iPod Nano auf den Markt zu bringen. Die Zahl der Gescheiterten ist mittlerweile Legion, obwohl Microsoft nicht zugeben will, dass der Zune ein Flop ist. Creative hat seine Patentstreitigkeiten mit Apple eingestellt und versucht nicht mehr ernsthaft den selbst erklärten „Krieg der MP3-Player“ zu gewinnen, anders lässt sich ein MP3-Player mit integriertem Lautsprecher, wie es Creatives Zen Stone ist, kaum erklären. Creative entwickelt iPod-Zubehör, das sich wohl weit besser verkauft als die eigenen Player. Nun versucht es also Sandisk mit dem Sansa Fuze , der aber nur auf den ersten Blick dem iPod Nano ähnelt.

Apple darf sich auf seiner Marktführerschaft im MP3-Player-Markt nicht ausruhen, es wäre nicht das erste Mal, dass ein satt gewordener Platzhirsch von einem jungen, innovativen Rivalen seines Reviers beraubt würde. Im konkreten Fall sollte aber keine Gefahr bestehen, zu einfallslos ist Sandisks Versuch, den iPod Nano auszubremsen. Es fängt bei der Farbgebung an. Nicht jedem gefallen die aktuellen Kolorierungen des iPod Nano, gegenüber denen des Sandisk Sansa Fuze wirken die dezenten iPod-Farben aber wie ein Lovis Corinth gegen das Gekleckse erfolgloser Landschaftsmaler. Einfallslos ist zudem die Marketingstrategie, bestimmte Farben nur für bestimmte Kapazitäten anzubieten. Den Einschub für Micro-SD-Karten kann man noch für halbwegs sinnvoll halten, wenn man schon eine Kamera und einen Kartenleser in Betrieb hat, die das Speicherformat schlucken. Das Radio hingegen braucht niemand. Der Erfolg des iPod beruht nicht zuletzt auf dem Gedanken, sein eigener Radio-Programmdirektor zu sein. Morgens noch ein paar Podcasts aus dem Web geholt und in die Playlist mit den Lieblingssongs gezogen, schon setzt die Morning-Show selbst in der U-Bahn oder im Straßentunnel nicht aus. Allzu hartnäckig hat der Markt nach einem UKW-Empfänger nicht nachgefragt, sonst hätte Apple seine Radio-Remote nicht heimlich still und leise mit dem Umstieg auf iPod Nano und iPod 5G eingestellt.

Die iPhone-Galxie im iTunes-Universum

Der Hauptgrund aber, der gegen den Sansa Fuze spricht, ist die fehlende Anbindung an das iTunes-Universum. Apple hat mit seinem Online-Musikdienst ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Der iPod-Hersteller wird diese Goldgrube zu verteidigen wissen und die in dieser Woche eingereichte Klage wegen Patentverletzungen ernst nehmen. Was zunächst nach einem der Auswüchse aussah, die das US-Patentrecht ermöglichen, entpuppt sich laut Spiegel Online als tragische Geschichte. Der Kläger Zap Media hatte schon im Jahr 2000 ein System auf den Markt gebracht, das aus heutiger Sicht fatal an Apple TV und iTunes erinnert. Im Zentrum stand die Zap Station, die digitale Inhalte verwaltet und verteilt und Musik und Filme aus dem Internet bezieht. Gescheitert ist das Konzept seinerzeit an den hohen Kosten – 1.500 US-Dollar sollte einer der Medienserver kosten – und am Mangel an Breitband-Internetverbindungen. Bevor sich die Idee am Markt durchsetzen konnte, platzte die Dotcom-Börse, Zap Media ging pleite und fast aller Werte verlustig – bis auf die Patente. Ob Apples Angriff auf die Wohnzimmer der letztendlich Erfolgreiche sein wird, ist noch nicht raus, das Scheitern der ersten Apple-TV-Fassung klingelt noch in den Ohren. Eine ernsthafte Bedrohung ist der von Zap Media angestrengte Prozess auch nicht – der Streit mit Creative , den Apple vor 19 Monaten beilegen konnte, ging eher an die Substanz. Nicht ausgeschlossen, dass Zap Media für einen Bruchteil der 100 Millionen Dollar, die von Cupertino nach Singapur geflossen waren, seine Patente Apple lizenziert oder verkauft. Dieser Ball liegt nun bei den Anwälten, während Apple weiter nach Munition für die Schlacht um die Wohnzimmer sucht.

Das iTunes-Universum mit seinen Galaxien iPhone und Apple TV ist technisch sicher ein ausreichend starkes Angebot, um Bill Gates Prophezeiung von der Verschmelzung von TV und Internet wahr werden zu lassen. Es kommt aber auf die Inhalte an. Und da hängt Apple hinter den eigenen Erwartungen zurück, die 1.000 Filme, die man bis Ende Februar in den iTunes Store einspeisen wollte, sind längst nicht erreicht. In Europa werden sich die Verhandlungen noch eine Weile hinziehen, mit IPTV-Anbietern wie der Telekom hat Apple es zudem mit harter Konkurrenz zu tun. Auch dem Musikangebot fehlt noch ein Kernstück: Paul McCartney soll zwar den Beatles-Katalog freigegeben haben, Sgt. Pepper suchen wir im iTunes Store aber weiter vergeblich. Immerhin: Die Chancen werden immer besser, bald die Musik der Fab Four auch digital beziehen zu können. Eine iPod-Sonderausgabe wäre da das mindeste, vielleicht ein iPod Classic 80 GB im Look dieser bei Amazon gefundenen Tasche ? Abwarten, schließlich: Nächste Woche ist auch ein Dienstag...

0 Kommentare zu diesem Artikel
988572