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Das war die Woche: Ausverkauft

18.07.2008 | 13:52 Uhr |

Geduld muss haben, wer ein iPhone kaufen will. Schon die erste große Nachfragewelle spülte die Regale leer, Nachschub kommt erst langsam. Die Erwartungen an Apple steigen schon jetzt.

Das neue iPhone 3G
Vergrößern Das neue iPhone 3G

Am Montag jubelt Apple: "Eine Million iPhones 3G verkauft!" Am Dienstag meldet sich Chefskeptiker Gene Munster zu Wort: "Nicht wirklich verkauft, sondern nur an den Handel geliefert." Am Donnerstag muss der Analyst der Investmentbank Piper Jaffray jedoch einräumen, dass man von echten Verkäufen sprechen könne. Gerade einmal ein Viertel der Apple Stores in den USA habe noch Geräte vorrätig, vor allem das schwarze iPhone mit 16 GB Kapazität sei kaum noch zu bekommen. Bis zu vier Wochen werde es dauern, bis Apple die Kanäle wieder füllen könne. Schuld daran seien die Ausländer, denn wenn das originale iPhone bei seinem Marktstart vor einem Jahr stark nachgefragt war, führe nun der Verkauf in den 21 Ländern außerhalb der USA zu einer nachhaltigen Angebotsknappheit.

Das ist das Problem mit der Wall Street, den dort versammelten Analysten kann man es nie recht machen. Zehn Millionen iPhones im Jahr 2008 zu verkaufen, war von Anfang an Apples selbst gesetztes Ziel. Unmöglich, jammerten die Finanzexperten noch im Frühjahr. Dann öffnete Apple zunächst Entwicklern die Plattform und kündigte das iPhone 3G zu einem niedrigeren Preis in mehr Ländern an, schon schnellten die Spekulationen der Investmentexperten hoch, bis zu 18 Millionen Telefone pro Jahr geisterten in den Aktienempfehlungen herum. Im Zweifelsfall lässt sich Apple lieber von zu starker Nachfrage überraschen, als auf einem zu hohen Angebot sitzen zu bleiben; die iPhone-Knappheit hat der Hersteller allenfalls billigend in Kauf genommen, aber wohl kaum so geplant.

Kommenden Montag nach Handelsschluss an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq wird Apple gegen 22 Uhr MESZ die Bilanz für das dritte Quartal seines Geschäftsjahres veröffentlichen. Auch bei den Zahlen schraubt Apple die Erwartungen gerne zurück, vor drei Monaten stellte der Finanzchef des Unternehmens Peter Oppenheimer einen Umsatz von 7,2 Milliarden US-Dollar bei einem Gewinn von rund 900 Millionen US-Dollar in Aussicht. Es fällt nicht schwer, schon heute die Schlagzeilen für Montag Abend zu konzipieren, Apple wird erneut die Erwartungen übertreffen und zugleich mit dem Ausblick enttäuschen. Das Mac-Geschäft brummt, die Marktanteile Apples legen zu. In den USA hat der Mac-Hersteller Acer überholt und ist hinter HP und Dell nun die Nummer drei unter den PC-Herstellern. Das iPod-Geschäft zeigt keine Verschleißerscheinungen, zwar ist das Wachstum nicht mehr so stark, bei rund 20 Millionen verkauften Einheiten pro Quartal wäre das aber Jammern auf höchstem Niveau. Das iPhone schließlich bringt Langzeiteffekte in die Bilanzen ein: Anders als Macs oder iPods wird beim Verkauf eines Gerätes nicht sofort der gesamte Betrag fällig, Apple verbucht jedes iPhone über zwei Jahre hinweg. Die "warmen Semmeln" des letzten Wochenendes sind also noch in der Bilanz für das vierte Quartal 2010 spürbar. Wenn am Montag das Unternehmen für das gerade angelaufene Quartal eine zurückhaltende Prognose gibt, sollten die Finanzexperten nicht allzu enttäuscht sein.

Googles Probleme sind eher nachvollziehbar. Der Internetkonzern hat zwar seinen Gewinn um 35 Prozent auf 1,25 Milliarden Dollar und den Umsatz um 39 Prozent auf 5,37 Milliarden Dollar gesteigert, dabei aber Sorgen über das künftige Wachstum ausgelöst. Dieses werde nach Ansicht der Anleger nicht mehr so stark ausfallen, weswegen die Google-Aktie auf einen Schlag zehn Prozent ihres Wertes verlor. Auch Microsoft konnte trotz gestiegener Umsätze und Gewinne die kritischen Börsianer nicht zufriedenstellen, mit fünf Prozent Minus reagierte der Handel. Dafür erhöhen sich die Chancen Microsofts, doch noch Yahoo übernehmen zu können. Für 33 US-Dollar pro Aktie sei man bereit zur Übernahme, hat Yahoo diese Woche signalisiert . Jetzt muss Microsoft eigentlich nur noch zugreifen.

Noch eine interessante Zahl wurde diese Woche bekannt: Apple will seit 1994 drei Milliarden US-Dollar für die Markenpflege investiert haben, da könne es nicht angehen, dass eine dubiose Klitsche wie Psystar mit seinem Mac-Klon aus Billigteilen den Ruf ruiniere. In seiner Klageschrift gegen das Unternehmen, das mal hier und mal da in Floridas größter Stadt Miami postalisch gemeldet ist, hat Apple Beweise auf 19 Seiten gesammelt. Nachdem monatelang kein Wort von Apple zum Thema Open Computer zu hören war, haben sich die Bastler in Florida wohl ein wenig zu sicher gefühlt. Zu beweisen, dass sie von den Lizenzbestimmungen wussten, fällt nicht schwer, hatten sie diese doch wiederholt als nicht rechtens gebrandmarkt. Dass Psystar seinen Kunden nun auch noch einen Patch für Mac-OS X 10.5.4 anbietet, mag die Beweisaufnahme für Apple abgeschlossen haben. Man möchte fast wünschen, das Gericht entschiede in der Tat nach Apples Willen und ordnete einen Rückruf aller bisher verkauften Open Computer an. So könnte man die genaue Stückzahl erfahren und genauer darüber urteilen, ob die paar Rechner Schaden an der Drei-Milliarden-Dollar-Marke angerichtet haben.

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