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Das war die Woche: Bilanzen, Turbulenzen und ein Ostergruß

25.01.2008 | 12:08 Uhr |

Wer Ende 2007 viel Geld in Apple-Aktien investiert hat, sah sein Vermögen in den letzten Wochen starker Erosion ausgesetzt. Aber eigentlich ist gar nichts passiert – im Gegenteil könnte jetzt die Gelegenheit zum Einstieg sein.

iPod Nano 3G pink
Vergrößern iPod Nano 3G pink

Von einem „schwarzen Montag“ sprachen einige Börsenexperten, als anfangs der Woche die Kurse weltweit purzelten. Der „schlimmste Handelstag seit 9/11“ sei dieser 21. Januar gewesen, in Asien und Europa. Nur nicht in Amerika, am Gedenktag für Martin Luther King jr. blieben die Börsen geschlossen. Gleichwohl, der Abwärtstrend setzte sich am Dienstag in den USA fort, jedoch etwas gebremst. Die Aktienmärkte sind jenseits des Atlantiks schon seit dem Sommer auf Talfahrt, ausgelöst durch die Hypothekenkrise. Ein Papier hatte dem hartnäckig getrotzt und noch in den letzten Tagen des Jahres 2007 ein Allzeithoch erklommen: AAPL. In den ersten drei Wochen 2008 präsentierte Apple nicht nur vom Markt erwartete und geforderte Produkte und Dienstleistungen, sondern legte eine Rekordbilanz vor. Zum dritten Mal in Folge war es dem Mac-Hersteller gelungen, in einem Quartal so viele Rechner wie noch nie zuvor in einem Dreimonatsabschnitt zu verkaufen, Gewinn- und Umsatzwachstum sind beeindruckend. Selbst die iPod-Sparte, in der Apple nur fünf Prozent mehr Geräte als ein Jahr zuvor verkaufen konnte, glänzt aufgrund höher Durchschnittspreise mit soliden Umsatzzuwächsen. Die Folge: Der Aktienkurs verfällt rapide. Ende 2007 noch 200 US-Dollar wert, wechseln gut drei Wochen später Anteilsscheine des Mac-Herstellers für Preise unter 140 US-Dollar die Besitzer. Paradox, oder?

André Kostolany , in den von „Volksaktien“ ehemaliger Staatsunternehmen bewegten Zeiten der Endneunziger zu spätem Ruhm als „Börsenguru“gelangt, hat ein treffendes Bild vom Verhältnis von Wirtschaft zu Börse gemalt. Man solle sich einen Mann vorstellen, der mit seinem Hund spazieren geht. Während der Mann stetig dahin schreitet und ab und an Stöckchen wirft, tobt der Hund um ihn herum, ist mal einige Schritte voraus, hinkt dann wieder hinterher, um anschließend mit einem Zwischenspurt zu seinem Herrchen aufzuschließen und ihn erneut zu überholen. Der schreitende Mann sei die Wirtschaft, der hyperaktive Hund die Börse. Wenn also Apple neue Produkte oder Rekordbilanzen vorstellt, ist der Börsenhund längst woanders. Das Herrchen hatte im August, September und Oktober Stöckchen in Form von iMacs, iPods und Mac-OS X 10.5 ausgeworfen, der gierige Hund war diesen nachgerannt in Hoffnung auf Belohnung. Als nun Hund und Herr in den ersten Januartagen 2008 bildlich gesprochen wieder zusammen kamen, regnete auf Investoren die Belohnung in Form von Gewinnmitnahmen ab. Das Herrchen geht nun stetig wieder ein paar Schritte weiter, während sich der Hund in seine Knochen verbeißt und auf das nächste Stöckchen wartet. Es ist bisher gar nichts passiert, außer denjenigen, die zu spät in den Wert AAPL eingestiegen und in Panik zu früh ausgestiegen sind. Deren Geld wurde aber keineswegs vernichtet, das haben nun andere, die keine Angst vor wild gewordenen Hunden haben. Und nur so zur Erinnerung: Ende dieser Woche stand der Kurs der Apple-Aktie keineswegs auf dem niedrigen Niveau des Jahres 2001, sondern auf einem zuletzt Anfang September erreichten Wert.

Das Jahr 2007 war phänomenal für Anleger, die Apple vertrauten, wer vor Jahresfrist eingestiegen ist, kann sich nach wir vor über einen satten Gewinn freuen. Die Zeichen in den USA stehen jedoch auf Rezession, gerade Elektronikhersteller haben mit sinkenden Umsätzen in solchen Zeiten zu kämpfen.

Die Zukunft ist rosig

Ob es Apple derart hart trifft, dass nur noch vor sieben Jahren eingestiegene Anleger sich über Gewinne freuen können, darüber sind sich Analysten uneins. Die Financial Times Deutschland berichtet von einem entschiedenen „Vielleicht“ aus der Finanzwelt: Während die einen Apple in eine Handelskrise schliddern sehen, meinen die anderen, der Kultstatus der Marke werde den Mac-Hersteller über schlechte Zeiten hinweghelfen. Apple habe allenfalls im iPod-Geschäft mit Schwierigkeiten zu rechnen. Der Mac-Markt hingegen boomt und Apple kann selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gutes Geld verdienen. Warum also nicht jetzt in Apple investieren , fragt sich etwa der Needham-Analyst Charles Wolf.

Apples nähere Zukunft ist nicht golden, aber immerhin rosig. Weltweit werden Mac-Fans nervös, wenn der Apple-Store seine Pforten schließt, um neue Produkte einzubauen. Wenn dann nur ein iPod Nano in einer Frühlingsfarbe dabei herauskommt, ist die Enttäuschung zunächst einmal groß. So übel ist der pinke Nano nicht, generell wirken die Farben der aktuellen Generation wesentlich angenehmer, sieht man die Dinger in Natura. Nicht nur Frauen werden die Farbe lieben, sondern auch der Osterhase. Das Fest mit den gut versteckten kleinen Geschenken kommt heuer recht früh, Wiesen werden noch matschig, Büsche noch kahl sein, umso mehr wirkt der fröhliche Farbtupfer eines pinken iPod Nano im Osternest.

Warum wir darauf kommen? Weihnachten ist kaum vorbei, schon dreht der Konsumkreislauf eine neue Runde. Dass wir uns eine Woche nach der Macworld Expo schon mit Ostern befassen, haben wir einem Multimediaverlag zu verdanken, der uns per Pressemitteilung seine CDs mit Ostermotiven in allerlei bunten Farben und Auflösungen anpreist. Den Brief muss aber schon vor Wochen auf die Reise gegangen sein, sonst wäre er nicht schon bei uns eingetrudelt. Denn der Brief ging an „Macwelt – Magazin für Apple Macintosh und Power PC“ (den Claim hatten wir Ende der Neunziger abgeschafft, der Power PC ist nun auch schon Geschichte...) an unsere alte Postanschrift in der „Leopardenstraße 252b“. Die gemeinte Ausfallstraße, die München mit Schwabing verbindet und sich weiter nach Ingolstadt windet, heißt aber auf Höhe unseres vor zweieinhalb Jahren verlassenen Bürogebäudes „Leopoldstraße“. Dass wir von der Macwelt in der „Leopardenstraße“ residieren sollten, erfreut uns für den Rest der Woche, Rezession hin oder her.

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