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Das war die Woche: Bilanzen und Finanzen

25.04.2008 | 12:01 Uhr |

Das alte Spiel: Apple bilanziert Rekorde, die Börse straft das Unternehmen dennoch ab. Nur, weil in Cupertino beim Blick in die Glaskugel Zurückhaltung regiert.

Aufmacher Apple Bilanz
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Nachdem die Apple-Aktie um den Jahreswechsel herum erstmals die 200-US-Dollar-Marke geknackt hatte, fiel der Kurs rapide. Ende Februar lag AAPL kurz unter 120 US-Dollar, erst in den letzten Wochen erholte sich der Kurs ein wenig. Gründe für den Verlust gibt es viele, Anleger nahmen gerne die in den letzten Jahren erzielten Gewinne mit, die Finanzkrise drückte viele Werte und Analysten beklagten sich über die zurückhaltenden Aussichten, die Apple auf das zweite Quartal 2007/2008 gab. Trotz des Rekordergebnisses, das Apple am 22. Januar bilanzierte , sackten Anteilsscheine des Mac-Herstellers im nachbörslichen Handel um zehn Prozent ab. Peter Oppenheimer, der Finanzchef des Unternehmens, hatte für das zweite Quartal des Geschäftsjahres einen Umsatz von 6,8 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 94 Cent pro Aktie vorhergesagt. Die Finanzexperten der Wall Street hätten aber gerne eine Vorhersage über 6,98 Milliarden US-Dollar bei einem Gewinn von 1,04 US-Dollar pro Aktie gesehen und straften Apple ab.

Das Spiel hat sich diese Woche wiederholt. Apple bilanziert ein Rekordquartal, gibt zurückhaltende Aussichten für den nächsten Dreimonatsabschnitt und Wall Street zeigt sich enttäuscht. Der Umsatz in Q2 07/08 lag nun gar bei 7,51 Milliarden US-Dollar und der Gewinn erreichte den Rekordwert von 1,16 US-Dollar pro Aktie, so gut fiel noch nie ein zweites Quartal für Apple aus. Aber die Aussichten sind trübe, meint Wall Street: Mickrige 7,2 Milliarden US-Dollar will Apple im angelaufenen dritten Quartal einnehmen und dabei einen Gewinn von gerade einmal einem läppischen Dollar pro Aktie erzielen. Schlimm das, denn im Juli-Quartal 2007 wies Apple bei einem Umsatz von 5,4 Milliarden US-Dollar einen Überschuss von 92 Cent pro Aktie aus.

Immerhin fällt dieser Tage die Panikreaktion an den Börsen aus. Nach Veröffentlichung der Bilanz hat die Apple-Aktie im nachbörslichen Handel zwar leicht verloren, am Tag darauf aber rund vier Prozent zugelegt. Bei Anlegern und Brokern spricht sich wohl allmählich herum, dass Cupertino sich bei der Prognose gerne etwas zurückhält. Selbst wenn Apple nur die eigenen Erwartungen träfe, wäre ein Umsatzplus von 33 Prozent bei einsetzender Rezession ein sensationelles Ergebnis. Als Hersteller höherwertiger Konsumgüter , der noch dazu in einem annähernd gesättigten Markt agiert, müsste Apple normalerweise eines der ersten Opfer des wirtschaftlichen Abschwungs sein. Doch Cupertino scheint gut gerüstet, während im iPod-Segment in der Tat nicht noch mehr herauszuholen ist, zumindest bis im Herbst neue Modelle kommen, und das iPhone vor der erwarteten Premiere einer zweiten Gerätegeneration schwächeln könnte, legt Apple in seinem traditionellen Geschäftsfeld stark zu. Bis zu sieben Prozent beträgt der Marktanteil in den USA, Tendenz steigend. Dabei profitiert Apple keineswegs von der Schwäche der anderen, sondern agiert aus einer Position der Stärke und verkauft pro Quartal mehr als zwei Millionen Macs. Noch vor wenigen Jahren hatte Apple im Gesamtjahr so viele Rechner verkauft. Man könnte beinahe die Rückbenennung in "Apple Computer" vorschlagen, solche Dynamik zeigt die Firma im PC-Markt. Freilich profitiert Apple auch davon, dass die US-Rezession noch nicht in anderen Teilen der Welt angekommen ist, gerade in Europa und Asien wachsen die Verkäufe noch stark, insgesamt 44 Prozent seiner Umsätze tätigt Apple außerhalb der USA.

Sollte man also Apple-Aktien kaufen, nachdem Wall Street deren Wert enttäuscht gedrückt hat und rechtzeitig vor der nächsten Bilanzpressekonferenz mit Gewinn wieder verkaufen? Wer kein Risiko scheut, sollte das tun, aber: Nichts genaues weiß man nicht. Kommen wir also in einer kühnen Assoziationskette von Karl Valentin, dem Urheber des Zitats über die Unschärfe des Seins über Heisenberg und Bohr, den Begründern der "Kopenhagener Interpretation", welche die Unschärfe der Quantenwelt in Formeln beschreibt hin zu Max Planck, der just am Tage der Apple-Bilanzpressekonferenz seinen 150sten Geburtstag gefeiert hätte und mit seiner Strahlenformel im Jahr 1900 die Quantenphysik begründete. Dieser soll nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks im nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel tatsächlich Karl Ernst Ludwig Marx Planck, Rufname Marx geheißen haben. Gut, dass die Max-Planck-Gesellschaft kein börsennotiertes Unternehmen ist, Wall Street könnte über die drohenden Kosten der Umbenennung sich enttäuscht zeigen und den Kurs ins bodenlose stürzen lassen…

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