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Das war die Woche: Der Apple fällt weit vom Stamm

11.04.2008 | 15:25 Uhr |

Apples Ruf leidet derzeit. Ein lächerlicher Prozess um das Logo einer New Yorker Öko-Kampagne, fragwürdige Softwaredistribution und ein Quasimonopol bei Musikdownloads: Wird Apple das nächste Microsoft?

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In unseren Meldungen wäre es beinahe untergegangen: Apple streitet mit der Stadt New York um ein Apfel-Logo . In die Unendlichkeit reicht das grüne Symbol, das die New Yorker darin erinnern soll, nur Gast der Natur zu sein und sie künftigen Generationen zuliebe entsprechend zu behandeln. New Yorks Symbol trägt also eine ganz andere Intention als der angebissene Apfel, der in seinem Zusammenhang mit Newtons Erkenntnis zur Himmelsmechanik daran mahnt, dass alles einem Mittelpunkt entgegenstrebe. Gewiss gab es diese Woche weit Wichtigeres zu berichten, wenn auch der obligatorische Dienstagsausfall des Apple Store lediglich das längst angekündigte Final Cut Server brachte. Adobe veröffentlichte mit der ersten Version des Media-Players eine Software, die, sagen wir es höflich, enormes Verbesserungspotential hat, Apple warf gerade zu mit Firmware um sich und das Tauziehen um Yahoo eskaliert derart, dass man kaum noch weiß, an welchen Strängen jetzt Microsoft, Google, News Corp., AOL und Yahoo mit- oder gegeneinander ziehen. Da blieb wenig Zeit, sich dem jüngsten Markenstreit Cupertinos zu widmen. Dank Apples Kultstatus nehmen Maistreammedien die Geschichte gerne auf. Die Süddeutsche Zeitung erklärte am Mittwoch etwa in einem launigen Stück nicht nur die Hintergründe von Streitigkeiten um Apfelsymbole, sondern auch, woher New Yorks Spitzname „Big Apple“ denn stamme. Nun, das hat mit süßen Früchtchen zu tun, von denen Mann sich gerne mal ein Bisschen gönnt, mehr soll hier nicht verraten sein. Der alten Legende, wonach es sich beim mythologischen „Baum der Erkenntnis“ um einen Apfelbaum gehandelt habe, sind aber auch die geschätzten Kollegen aufgesessen. In der Bibel steht kein Wort von Äpfeln, das hat sich erst das Mittelalter erdichtet, wohl der Ähnlichkeit der Worte malus (Apfelbaum) und malum (das Böse) wegen, vermutet Wikipedia.

Womit wir beim Thema wären, Apple ist böse . Nein, nicht wir behaupten das, sondern unter anderem Silicon.de . Gerade IT-Administratoren ist es vorige Wochen seltsam vorgekommen, dass Apple ungefragt über den iTunes-Auto-Updater Windows-Anwender mit Safari 3.1 beglückt. Dies seien Geschäftsgebahren, wie man sie von Microsoft nur allzu gut kenne und von Apple niemals erwartet hätte. Stimmt, der Mac-Hersteller ist ein karitatives Unternehmen und Steve Jobs braucht nicht einmal den US-Dollar ganz, der ihm pro Jahr für seinen CEO-Job bezahlt wird. Aber im Ernst: Die Hauptkritik an der Safari-Distribution kommt aus der Mozilla-Ecke. Firefox hatte sich in den letzten Jahren zu einem ernsthaften Konkurrenten des Internet Explorer aufgeschwungen, da kommt der Angriff aus Cupertino reichlich ungelegen. Zumal das zugrunde liegende Webkit nun auch in der Open-Source-Gemeinde immer mehr Zuspruch findet.

Apple gut - Microsoft böse

Dass Apple die Guten und Microsoft die Bösen sind ist eine ebenso vereinfachte wie überholte Sicht der Dinge. Wie jedes Unternehmen ist es Apples Ziel, seinen Gewinn zu mehren, laut Wall Street dürfte das der Firma auch im zweiten Quartal 2007/2008 bestens gelungen sein. Gleichermaßen darf man dem wesentlich größeren Microsoft nicht übel nehmen, seinen Reichtum weiter mehren zu wollen. In der Wirtschaft verläuft ein schmaler Grat zwischen hartem aber fairem Wettbewerb und unlauteren Methoden. Dort, wo Redmond die Regeln gebrochen hat, wird es zurück gepfiffen, wenngleich die „Rekordstrafe“ der EU allenfalls den Briefmarkeneinkauf Microsofts ernsthaft schädigen dürfte. Apple als „neues Microsoft“ zu bezeichnen, verfehlt den Kern der Sache. Sicher hält die Jobs-Company in ihrem neuen Geschäftsfeld iPod/iTunes einen Anteil, der an die besten Windows-Zeiten erinnert, was einigen Marktteilnehmern und Wettbewerbshütern nicht mehr so ganz geheuer ist. Im Vergleich zu Google bleibt Apple aber ein Zwerg. Trotz allen Erfolges hat Apple längst keinen Quasistandard bei der Distribution digitaler Medien etabliert, wohingegen Google sich allmählich zum Besitzer des Internet aufschwingt. Schon immer stark bei der Verbreitung von Textanzeigen, hat sich Google mit dem Bannervermarkter Doubleclick optimal verstärkt - sogar mit dem Segen der Behörden. Jetzt wendet sich selbstYahoo, einstiger Internet-Kaiser, in seiner Not an seinen Nachfolger um das „Böse“ aus dem US-Bundesstaat Washington abzuwehren. Microsoft bleibt daraufhin die Luft weg und ruft seinerseits nach den Wettbewerbshütern, die sich dem Softwareriesen gegenüber als zahnlos erwiesen hatten.

Unterdessen bereitet Google in aller Ruhe das Ende des Geschäftsmodells von Microsoft und anderer Softwarehersteller vor und weitet sein Angebot von Hosted Apps weiter aus. Man stelle sich vor: Zurecht äußern Bürger schwere Bedenken an Bundestrojanern, biometrischen Pässen und der Volkszählung von 1987 mit ihren läppischen paar Dutzend Fragen, stellen aber bereitwillig ihre persönlichen Daten in Communitysites ein und lagern ihre geschäftlichen Dokumente auf den Google-Servern. Drei Ms haben das Unternehmen aus Mountain View groß gemacht: Mathematik, Menschen und Maschinen. Hier ist also das neue große „M-$“ zu finden und nicht nebenan in Cupertino. Also kommen wir zu dem genialen Schluss: „Google ist böse!“. Schwachsinn. Auch Google war trotz seines Mottos „Don’t be evil“ niemals die Heilsarmee. Und, jede Wette: In spätestens zwanzig Jahren verdrängt das nächste Google, das übernächste Microsoft, das überübernächste IBM den Platzhirschen. Wenn wir wissen, wer das ist, kaufen wir rechtzeitig Aktien. Denn an dem Spiel zwischen Gut und Böse, das man Wirtschaft nennt, sind wir alle beteiligt, ob wir wollen oder nicht.

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