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Das war die Woche: Der Kaufladen und die Käufer

08.02.2008 | 14:56 Uhr |

Wenn selbst Microsoft sich am Kapitalmarkt Geld besorgen muss, kann es nur ein dicker Fisch sein, den Redmond an Land ziehen will. Die vermeintliche Hauptspeise zappelt aber noch und will durch das Netz schlüpfen, um anderswo auf den Teller zu kommen. Apple hat aber mehr Appetit auf den asiatischen Markt als auf Yahoo.

yahoo messenger
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Kann man Bieratome spalten?
Vergrößern Kann man Bieratome spalten?

Die älteren Leser erinnern sich sicher an den australischen Komiker Greg Pead. In Down Under längst ein Star, wurde der damals 35-jährigen im Jahr 1988 weltweit mit seiner Slapstick-Komödie „Einstein Junior“ bekannt. Der abstruse Film erzählt die fiktive Geschichte der Jugendjahre des Albert Einstein, der als Junior angeblich zunächst das Bieratom zu spalten lernte und schließlich den Rock’n Roll und das Surfen erfand. „Einstein Junior“ blieb Peads einziger Filmhit. Nur an seinen Künstlernamen, den er sich sogar in seinen Pass eintragen ließ, wird man heute immer wieder erinnert: Yahoo Serious.

„Yahoo“ steht umgangssprachlich für „Saukerl“ oder „Scheusal“, die Konnotation hatten in den frühen Neunzigern die beiden Studenten David Filo und Jerry Yang wohl im Kopf, als sie ihre Internetfirma gründeten. Offiziell steht Yahoo aber für „Yet another hierarchical officious oracle“ also etwa: „Schon wieder so hierarchisch organisiertes und diensteifriges Orakel“. Ernsthafte Saukerle, Filo und Yang, die zu den ersten Internet-Milliardären wurden.

Ob Yang, nach dem Interregnum von Terry Semmel wieder CEO des Unternehmens, Ende letzter Woche sich gedacht hat „Ernsthaft? Was will denn der Saukerl von uns?“ als Microsoft sein Übernahmeangebot vorlegte, ist nicht überliefert. Begeisterung sieht aber anders aus. Statt sich jubelnd dem Softwareriesen aus Redmond in die Arme zu werfen und mit 44,5 Milliarden US-Dollar mehr als 60 Prozent mehr einzunehmen, als ihre Firma an der Börse wert ist, zögern Yang und seine Mitstreiter. Den Kampf gegen Google um die Marktführerschaft als Internetsuchmaschine und Werbevermarkter hat Yahoo aufgegeben, eine Nische hat das Unternehmen nicht so recht gefunden. Zuletzt hatte es Yahoo sogar mit Musik versucht und seine Kunden diese Woche an Real Networks resigniert weiter gereicht. Ein starker Partner käme wie gerufen, allein, es fehlt an einer sinnvollen Strategie. Mit Microsoft und Yahoo würden sich nicht nur zwei Verlierer gegen den Gewinner zusammentun, eine derartige Fusion hat nur abschreckende Beispiele. Time Warner ist mittlerweile heilfroh, dass im Firmennamen nichts mehr an das gescheiterte Abenteuer AOL erinnert, die Daimler AG hat ihre einst im Himmel geheiratete Braut Chrysler nur allzu gerne an den Höllenhund Cerberus weiter gereicht, selbst HP hätte sich beinahe an Compaq verschluckt.

Apple hat keinen Appetit

Wenn Jerry Yang in einer E-Mail an Mitarbeiter und Börsenaufsicht zu erkennen gibt, lieber erst einmal in Ruhe alle Optionen zu prüfen, ist das ein Zeichen von Vernunft. Von einer höheren Geldforderung an Microsoft ist nicht die Rede, lieber sucht man sich einen Finanzinvestor wie Cerberus oder einen passenden Partner. In Sachen Internetsuche und Internetwerbung dürfte ein Micrhoosoft nach der Dekade, die es zum Zusammenwachsen braucht, den Anschluss völlig verloren haben. Google, das auf diesem Geschäftsgebiet vorerst nichts und niemanden zu fürchten hat – wundersamer Weise nicht einmal die Kartellbehörden – weist auf ein mögliches Quasimonopol von Yahmicsohooft hin: Im Instant Messaging und Webmail wären die beiden aus Redmond und Sunnyvale ein unschlagbares Duo. Ablenkungsmanöver? Sicher – denn das Geschäft der Zukunft lauert anderswo, etwa in der Distribution digitaler Medien.

Nicht von ungefähr sind so auch erste Gerüchte aufgetaucht, Apple würde um Yahoo mitbieten. Nichts mehr als Gerüchte, denn wenn selbst Microsoft das Geschäft am Kapitalmarkt finanzieren lassen müsste, könnte Steve Jobs die Yang-Firma nicht einfach aus der Portokasse bezahlen. Und wozu bräuchte Apple eine Beteiligung an Yahoo? Um das iPhone mit Features wie Push-Mail (Yahoo) oder Lokalisierungsservices (Google) zu stärken, muss man keine 45 Milliarden US-Dollar ausgeben.

Apple kümmert sich derweil lieber um die Ausweitung seines Ladengeschäfts. In den USA sind die Apple Stores längst erfolgreich und für Apple zu einem wesentlichen Umsatzbringer geworden. Die wenigen Niederlassungen in Großbritannien, Italien, Kanada und Japan laufen auch anständig, heuer kommt die längst fällige Erweiterung in den deutschen Sprachraum. Seit heute ist es offiziell: Der erste deutsche Apple-Store kommt nach München . Wo zwischen Cafe Glockenspiel und Sport Schuster noch vor kurzem eine Grube gähnte, weisen rege Bautätigkeiten darauf hin, dass dort ein Apple Store „ zwischen August und Oktober “ öffnen könnte. Details zu den Mietern nennen zwar weder der Bauherr noch jener potentielle Nutzer, Apple sucht aber seit dieser Woche Personal für Retail Stores in München, Zürich und Genf. Wer sich berufen fühlt, kann sich unter der Adresse munichretailtalent@apple.com bewerben, auf welche Posten und ab wann verrät Apple bisher nicht.

In bester Lage soll auch in China ein Apple Store eröffnen, unweit des Tiananmen Square, des „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking sollen Chinesen und (Olympia-)Touristen ab August Macs, iPods und womöglich auch iPhones kaufen. Wir stellen uns das wirklich wunderbar vor: Steve Jobs fliegt persönlich am 8.8.08 nach Peking und während Hu Jintao im von den Schweizer Architekten Herzog und de Meuron gebauten Olympiastadion die Worte spricht: „I declare the games of the xxix olympiad open“, meint nebenan der Apple-CEO nur lapidar: „There is one more thing – the iPhone UMTS“.

Zuviel Phantasie? Sicher, aber die hat Steve Ballmer auch – Microsoft kriegt Yahoo in diesem Jahrhundert nicht mehr. Und das ist für beide Unternehmen wohl das Beste.

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