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Das war die Woche: Gesundheit!

25.07.2008 | 12:04 Uhr |

Was ist los mit Steve Jobs? Die Frage darf erlaubt sein, schließlich nehmen Kunden und Anleger den Gründer als das Gesicht Apples wahr. Schon ein Schnupfen kann den Aktienkurs auf Talfahrt schicken. Gut, wenn man zur Ablenkung noch ein Ass im Ärmel hat.

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Keine Überraschung am Montag nach New Yorker Börsenschluss: Apple hat zwar mal wieder ein Rekordquartal vorgelegt, aber Analysten zeigen sich ob der zurückhaltenden Prognosen für das gerade angelaufene Quartal enttäuscht. Der Aktienkurs verliert nachbörslich und erholt sich erst in den nächsten Tagen. Zum Ende der Woche ist das Minus wieder ausgeglichen. Vierteljährlich grüßt das Murmeltier, den gleichen Effekt - Rekordquartal, zurückhaltende Aussicht, Kursverfall - sahen wir schon bei Bilanzveröffentlichungen zum ersten und zum zweiten Quartal 2007/2008. In sofern geschah diese Woche wahrlich nichts Neues.

Auf Dauer ernsthafter auf den Apple-Aktienkurs könnten sich jedoch die Spekulationen um den Gesundheitszustand von CEO Steve Jobs auswirken. Brüsk kanzelte Peter Oppenheimer in der Bilanzpressekonferenz Fragen nach der Gesundheit seines Chefs zurück, diese sei Privatsache. Steve hätte überhaupt nicht vor, Apple zu verlassen. Der Satz lässt aber auch tief blicken, denn so mancher Schwerstkranke hatte in der Tat keine Pläne, seine Firma zu verlassen, bis die Umstände ihn dazu zwangen.

Vollkommen unabhängig von seinem Einfluss auf Apple wollen wir Steve Jobs die besten Wünsche für seine Gesundheit aussprechen. Eine Privatsache ist der Gesundheitszustand des Apple-CEOs aber keineswegs, meint etwa die EE Times . Jobs ist Apple, die Vergangenheit habe gezeigt, dass das Unternehmen ohne seinen Gründer beinahe in die Pleite gesteuert wäre. Kaum ein CEO in der IT-Industrie habe einen derartigen Einfluss, Investoren koppeln ihre Erwartungen an Apples wirtschaftliches Wohlergehen so stark an den charismatischen Gründer, wie es bei keiner anderen Firma in der Branche der Fall wäre. Apple komme zwar langsam aus seiner Nische heraus, sei aber immer noch verwundbar. Die Manager der zweiten Riege wie Tim Cook, Phil Schiller oder Fred Anderson seien zwar alles fähige Leute, keiner können sich aber mit Steve Jobs messen oder ihn gar kurz- oder mittelfristig ersetzen.

Wie genau es um seine Gesundheit steht, fragen also nicht nur voyeuristisch veranlagte Boulevardblattschreiber sondern mit gewissem Recht auch Anleger und Wirtschaftsjournalisten. Die Aussagen sind widersprüchlich. Zunächst hatte es nach Jobs’ Auftritt auf der WWDC geheißen, der Chef habe sich einen "common bug" eingefangen , was man noch am ehesten als "weitverbreiteten Infekt" übersetzen kann und nicht mit "Viruserkrankung", den er mit Antibiotika behandele. Die Business Week will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, dass bei Jobs definitiv der vor vier Jahren kurierte Krebs nicht wieder aufgetreten sei. Näheres berichtet die New York Times: Erst kürzlich habe sich Jobs einer Operation unterzogen , welche gegen die Ernährungsstörungen helfen soll, die in Zusammenhang mit der Krebsoperation von vor vier Jahren stehen. Derzeit weile Jobs in Urlaub. Alles klar? Dass Jobs selbst um seine Bedeutung weiß und den Zusammenhang zwischen seinem Gesundheitszustand und dem Apple-Aktienkurs, hat er implizit im März in einem Interview mit Fortune verraten . Bevor er sich im August 2004 doch einer Operation unterzog, hatte er ein Jahr lang mit alternativen Methoden den neuroendokrinen Inselzellentumor in seiner Bauchspeicheldrüse behandeln lassen. Nur Familie und engste Mitarbeiter wussten davon, die Öffentlichkeit und damit die Investoren wurden bewusst nicht informiert.

Für dieses Mal haben das Schweigen Apples und die Beschwichtigungen Dritter geholfen, der Aktienkurs zieht wieder an. Nicht zuletzt dank eines geschickten Schachzuges des Apple-Finanzchefs Peter Oppenheimer. Im Septemberquartal stehe ein "signifikanter Produktwechsel" an, der die Marge ein wenig drücken werde. Seither schwirren wieder die wildesten Spekulationen im Web herum, kaum noch jemand spricht von Steve Jobs’ Gesundheitszustand. Wird es nun doch einen Tablet-Mac geben, das fehlende Bindeglied zwischen iPhone und Macbook Air, womöglich gar zum Kampfpreis? Kommen Macbook Pro mit vier Prozessorkernen, nachdem Intel mobile Quad-Core-Chips für Mitte August ankündigt? Eine renovierte iPod-Reihe allein wird es wohl kaum sein, dazu liest sich die Ankündigung Oppenheimers über die völlig neuen Produkte zu aufregend. Sollte Apple nicht wirklich mit einem bis September erscheinenden neuen Produkt den Markt aufrollen, hat Oppenheimer aber zumindest geschickt vom Thema abgelenkt.

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