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Das war die Woche: Green IT, Fair IT

15.08.2008 | 11:20 Uhr |

Apple ist ein Vorzeigeunternehmen in punkto Design und Innovation. In Sachen Umweltfreundlichkeit und Fairness bleibt einiges zu wünschen übrig: In erster Linie klare und offene Worte.

Greenpeace-Apple-Store
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© Martin Strang

Akte zu, Schuldfrage ungeklärt: Wie viele Wirtschaftsprozesse ist auch das Verfahren gegen Apples ehemalige Chefjustiziarin Nancy Heinen ausgegangen. Heinen, der Manipulation von Dokumenten angeklagt, die ein Rückdatierung von Aktienoptionen verschleiern sollten, hat sich mit der US-Börsenaufsicht auf einen Vergleich geeinigt und eine Strafzahlung von 2,2 Millionen US-Dollar geeinigt. Damit ist der langwierige Skandal um Apples Aktienoptionen ohne Schaden für das Unternehmen juristisch abgeschlossen. Vor Heinen, die kurz vor Bekanntwerden der Vorwürfe aus nicht näher genannten Gründen das Unternehmen verlassen hatte, einigte sich bereits der ehemalige Finanzchef Fred Anderson mit den Behörden. Wie im Fall Heinen bedeutete der im April 2007 geschlossene Vergleich kein Schuldeingeständnis, aber auch keinen Freispruch. Anderson und Heinen haben wohl die feine Linie zwischen gerade noch legal und eher nicht mehr legal überschritten, ohne dabei vorsätzlich kriminell zu handeln. Ein Hauptverfahren hätte aber die Schuldfrage eindeutig beantworten müssen, die Prozesskosten hätten auch bei einem Freispruch die Kosten des Vergleichs überstiegen. Also lassen wir es gut sein. Ermittlungen gegen Steve Jobs in der gleichen Causa hat die Börsenaufsicht längst eingestellt. Apple hat zu diesem Thema in den letzten beiden Jahren nur einige wenige dünne Pressemitteilungen abgegeben, das Schweigen Cupertinos Spekulationen um eine Verwicklung des Apple-Chefs so erst recht befeuert.

Seit Apple den Sprung auf den lukrativen Telefonmarkt gewagt hat, spürt der Mac-Hersteller Gegenwind. Gegen das Geschäftsmodell des originalen iPhones, an den Gesprächsgebühren mitzuverdienen, haben sich nicht nur die Provider gewehrt, sonder vor allem die Kunden, die sich von gesperrten iPhones derart gegängelt fühlten, dass der SIM-Unlock geradezu zum Volkssport wurde. Beim iPhone 3G macht das Entsperren weniger Sinn, Apple ist zum in der Branch üblichen Subventionsmodell zurückgekehrt, überlässt den Providern die Preisgestaltung und verdient nur noch an der Hardware. Und am App Store. Auch wenn sich dessen Start als Erfolgsgeschichte liest, bleibt unter Anwendern Unbehagen über mangelnde Transparenz und Unklarheit darüber, welche Software erlaubt ist und welche nicht . So erhält man zwar bei Apple einen Chat-Cleint für AIM, T-Mobile erlaubt Chatten über UMTS ebenso wenig wie VoIP-Telefonie, solange sich die Nutzung nicht auf Wi-Fi beschränkt. Von den Problemen mit Mobile Me, zu denen sich Apple wenigstens zaghaft äußert, mal ganz zu schweigen.

Wenig Begeisterung löste Apples verspätete Reaktion auf die lang bekannte DNS-Sicherheitslücke aus. Nicht nur waren die 23 Tage Verspätung für das Security Update 2008-005 ärgerlich, vor allem erweist sich Apples Strategie des Schweigens und das Mantra "We don’t talk about future products" als nicht mehr zeitgemäß. Apples mangelnde Informationspolitik kritisieren auch die Umweltschützer von Greenpeace. Im jüngsten Guide to Greener Electronics ist Apple mit einer Wertung von 4,1 von zehn Punkten wieder auf den elften Platz zurück gefallen, trotz der Bemühungen des Mac- und iPhone-Herstellers, umweltverträgliche Materialien zu verbauen. Dass Apple aber weiterhin keine Zeitpläne nennt, wann etwa die letzten Beryllium haltigen Produkte aus dem Angebot verschwinden, wertet Greenpeace als Minuspunkt. Apple müsste sich gar nicht verstecken, jetzt, wo das iPhone gar als "grünes Telefon" gilt. Zumindest, wenn es nach dem SZ Magazin geht.

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