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Das war die Woche: Immer weiter, immer weiter

02.05.2008 | 15:18 Uhr |

Seit Montag hat Apple neue iMacs im Angebot, kaum ein halbes Jahr alte Rechner gehören nun zum alten Aluminium. Das ist aber der natürliche Lauf der Dinge in der IT-Industrie, die in extrem kurzen Produktzyklen arbeitet.

Neue Alu-iMacs
Vergrößern Neue Alu-iMacs
© Apple

Seltsame Woche. Erstmals seit der gregorianischen Kalenderreform ist der bewegliche Feiertag Christi Himmelfahrt auf einen 1. Mai gefallen. Nun haben wir in Deutschland den durchaus erfreulichen "Tag der Arbeit" als arbeitsfreien Tag zwar einer gänzlich unerfreulichen Regierung zu verdanken, die vor 75 Jahren den Aktionstag der Gewerkschaften zu ihren eigenen verbrecherischen Zwecken missbrauchte, aber deshalb müssen ja nicht gleich zwei Feiertage simultan von der Arbeit abhalten. "Das ist ja, wie wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen," haben am Donnerstag Abend auch nur rund 20.000 Stadionbesucher in der ersten der "Weißen Nächte" von Sankt Petersburg gejubelt, dabei fällt im orthodoxen Kalender Himmelfahrt heuer auf den 5. Juni.

Die Woche hat aber schon schlimm angefangen, zu höchst ungewöhnlicher Zeit ließ der Apple Store seine virtuellen Rollläden herunter, am Montag gegen Mittag. Als der Laden wieder öffnete, waren plötzlich hunderttausende schicker neuer iMacs zu Altrechnern geworden und der Ärger vieler Anwender groß, nicht noch eine Weile mit der Neuanschaffung gewartet zu haben.

Leider ist dagegen kein Kraut gewachsen. Die IT-Industrie gehorcht nach wie vor dem Moore’schen Gesetz, das besagt, dass sich alle 18 Monate die Anzahl der Transistoren auf einem Chip verdoppelt. Die Folge: Der neue iMac von heute ist der Altrechner von morgen. Seitdem Apple in seine Rechner Chips von Intel einbaut, haben sich die Produktzyklen verkürzt. Äußerlich kaum verändert, hatte der zuletzt im Oktober 2005 aktualisierte iMac im Januar 2006 einen Core-Duo-Chip erhalten, Mitte des Jahres etwas schnellere Chips des gleichen Typus und Ende 2006 bereits die neue Generation der Core 2 Duo Prozessoren. Erst im Sommer 2007 überarbeitete Apple den iMac auch vom Aussehen her gründlich, ihm erst Ende April 2008 Penryn-Chips einzubauen, sieht beinahe wie ein Gnadenakt für die Käufer aus, die sich von ihrem Weihnachtsgeld einen neuen Rechner geleistet hatten und sich wenigstens für ein paar Monate eines aktuellen Modells erfreuen konnten.

Sicher ist es ärgerlich, hat man sich erst wenige Tage vor dem Update einen "neuen" iMac geleistet, der kaum ausgeliefert und eingerichtet scheinbar schon zum alten Aluminium gehört. Dass ein Penryn-Upgrade ansteht, haben aber die Spatzen schon seit Wochen von den Dächern gepfiffen, wann genau es soweit sein wird, konnte aber niemand sagen. Die einschlägigen Gerüchteseiten hatten schon Ende März mit der aktualisierten iMac-Reihe spekuliert, von Apple war natürlich kein offizielles Wort zu hören. Aus Sicht des Herstellers, seiner Distributoren und Händler auch verständlich: Kaum noch ein Gerät hätte die Lager und Verkaufsräume verlassen, wenn Apple kurz nach Ostern den Penryn-iMac für die Zeit um Himmelfahrt herum versprochen hätte. Händler und Hersteller kennen keine Gnade, ein neues, schnelleres und noch dazu preisgünstigeres Modell ist kein ausreichender Rückgabegrund sondern der natürliche Lauf der Dinge.

Wem dieses Risiko zu groß ist, kauft in Zukunft besser online ein. Laut Fernabsatzgesetz besteht beim Kauf im Internet ein uneingeschränktes 14-tägiges Rückgaberecht, Gründe zu nennen ist nicht notwendig. Das Grundproblem ist damit nicht gelöst, sondern nur eine Sicherheitsfrist eingeräumt, besser als vollkommen ungesichert der scheinbaren Willkür der IT-Industrie ausgesetzt zu sein, ist das allemal. Der Online-Einkauf hat weitere Vorteile: Ist das beim Händler vor Ort erworbene Macbook defekt, muss der Kunde dem Verkäufer bis zu dreimal die Gelegenheit zur Reparatur geben. Wer bei Amazon oder im Apple Store kauft, kann das Gerät kommentarlos zurückschicken und vom Kaufvertrag zurücktreten. Ärgerlich für den Fachhändler um die Ecke, der machtlos der Online-Konkurrenz gegenübersteht. Engagierte Händler wissen aber darum und raten ihren Kunden vom Kauf eines "neuen" Rechners ab, wenn ein ganz neuer unmittelbar vor der Tür steht. Die ein oder andere Abschreibung im Lagerbestand könnte sich so langfristig auszahlen.

Der Trost für die Last-Minute-Käufer der nunmehr alten Rechner: Die neuen iMacs sind laut erster Benchmark-Ergebnisse zwar schneller, die Unterschiede sind aber derart gering und in der Praxis kaum ausschlaggebend. Auf hunderttausenden von Schreibtischen stehen also nach wie vor aktuelle iMacs.

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