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Das war die Woche: Immer wieder dienstags

22.02.2008 | 13:33 Uhr |

Ja, ist denn schon wieder Dienstag? Ein geschlossener Apple-Store wird langsam zur Hysterie. Endgültig zu gemacht hat Toshiba hingegen seine HD-DVD-Produktion.

Apple Store Post it
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Man muss sich nicht täglich über die Neurungen der Mac-Welt informieren, um auf dem Laufenden zu bleiben, es genügt, den Rechner nur noch einmal die Woche anzuschalten und sich im Netz zu informieren: Am Dienstag. Von Mittwoch bis Montag kann die Kiste ausbleiben. Der zweite Tag der Woche – nach amerikanischer Zählung der dritte – ist seit geraumer Zeit der in Cupertino beliebteste für Neuveröffentlichungen. Der Trend verstärkt sich immer mehr, hatten wir in den vergangen Jahren auch mal montags oder mittwochs über neue Hardware oder Software berichten können, schießt sich Apple immer mehr auf den Dienstag ein. Am Dienstag, den 15. Januar eröffnete Steve Jobs die Macworld Expo, das Macbook Air und Time Capsule erblickten das Licht der Welt. Schon einen Dienstag zuvor waren neue Mac Pro und Xserve in den Apple Store gelangt. Am 22. Januar schloss Apples Online-Laden seine Pforten, um den iPod Nano in Pink in das Angebot aufzunehmen, nur am 29. Januar war dann mal Ruhe. Faschingsdienstag ist in den USA bekanntlich kein Feiertag, also kündigte Apple iPod Touch und iPhone mit jeweils verdoppelter Kapazität am 5. Februar an, während München den Kehraus feierte. Am 12. Februar schließlich rasselten die virtuellen Rolläden für Aperture 2.0 herunter und wieder rauf. Ohne den Apple Store vorübergehend dicht zu machen, hatte Apple in der Nacht zuvor schon das lang erwartete Update auf Mac-OS X 10.5.2 veröffentlicht. An diesem Dienstag folgten Updates gleich für zwei neue Produkte, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Der iPod Shuffle wird günstiger und hält doppelt so viel Speicher bereit, Xsan 2 verlässt sich auf andere Raid-Systeme als jene des Herstellers. Das ist auch besser so, denn den Xserve Raid verkauft Apple nun nicht mehr. Wir sind ja nun gespannt auf den kommenden Dienstag.

Wellen haben Gerüchte um ein Special Event an jenem 26. Februar schon länger nicht mehr geschlagen, man darf davon ausgehen, dass Apple keine teure Veranstaltung plant, um Neues zu präsentieren. Wozu auch? Die virtuelle Inszenierung reicht vollkommen aus, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das Ritual ist stets das gleiche, gegen Mittag – also zu nachtschlafender Zeit in Cupertino oder frühem Morgen an der Ostküste – hängt Apple ein virtuelles gelbes „Post-It“ an seine Ladentür, irgend ein Blogger bekommt das als Erster mit und schon dreht die Nachricht, dass Apples Kaufladen „bald zurück“ sei ihre Runde um den Globus. Nicht wenige laden gespannt jede Minute die Website des Store oder die Apple-Homepage, begierig auf Neuigkeiten. „Ätsch, reingefallen!“, könnte man feixen, würde man nicht selbst auf das Eintreffen der Pressemitteilung warten. Denn das Herunter- und wieder Hochfahren des Apple Store ist reine Show. Beweise? Außer der US-Niederlassung geht an jenen Dienstagen kaum noch eine andere offline. Außerdem: Was für ein schrottreifes Content-Management-System müsste Apple da im Einsatz haben, wenn man es bei jeder Änderung oder Neuerung im Produktkatalog wirklich ausschalten müsste? Man stelle sich nur vor, Amazon würde für jedes neue Buch, für jede CD-Neuerscheinung oder für jede DVD-Veröffentlichung mal eben für zwei Stunden den Verkauf einstellen? Nein, Apple spielt bewusst mit seinen Kunden, um ihnen einzubläuen: „Am Dienstag gibt es etwas Neues. Und wenn’s nur eine neue Farbe ist, aber ein Weltereignis ist das allemal.“ Man fühlt sich beinahe an jenen peinlichen Werbeslogan der deutschen Fleischindustrie aus den frühen Achtzigern erinnert: „Dienstag ist Schwienstag.“ Mahlzeit.

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