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Das war die Woche: Macworld Expo 2008

18.01.2008 | 14:18 Uhr |

Keine Frage, das Macbook Air ist der Mobilrechner der Zukunft. Für die Gegenwart ist die SSD-Version aber noch zu teuer. Und ob Apple aus der Vergangenheit des Apple TV die richtigen Schlüsse gezogen hat, bleibt dahin gestellt.

Die Macworld Expo 2008 hat gezeigt: Die Zukunft ist kabellos. Ob nun Funkwellen die Gesundheit gefährden oder nicht, bleibt weiterhin Gegenstand kontroverser wissenschaftlicher und esoterischer Diskussionen. Wer sich aber nicht einreden lässt, seine Kopfschmerzen kämen vom „Elektrosmog“ und nicht vom Föhn oder der Flasche lieblichen griechischen Weins vom Vorabend, wickelt dieser Tage seine US-, Firewire- und Ethernet-Kabel auf und bringt sie zum Wertstoffhof. In den modernen Haushalt kommen ein iMac oder Mac Pro mit Airport Karte, eine Time Capsule als Funkrouter und Backupfestplatte und ein Macbook Air für das mobile Vergnügen. Unterwegs benutzt der Mann oder die Frau von Welt freilich ein iPhone für das Telefonieren, Musikhören und Routen finden, zur abendlichen Entspannung verzichtet man auf die öffentlich-rechtlichen Fernsehkanäle und die privaten Sender („Scheiß-Fernsehen“ laut G. Oettinger) und nutzt stattdessen sein Apple TV. Es liegt was in der Luft! Musik! Video! TV! Internet! Kommunikation! Die Sache hat aber ein paar Haken.

Geben wir zunächst den Beckmesser: Gar nichts liegt in der Luft, elektromagnetische Wellen benötigen kein Trägermedium. Das haben Michelson und Morley in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eindrucksvoll bewiesen, als sie die Natur des Äthers experimentell bestimmen wollten. Stattdessen zeigten die Physiker, dass der Äther gar nicht existiert. ( Wikipedia-Link zum Michelson-Morley-Experiment ). Der Weg war frei für bessere Erklärungen elektrischer und magnetischer Wellen, die schließlich in der speziellen Relativitätstheorie gipfelten, in der Albert Einstein die Lichtgeschwindigkeit als wesentliche Naturkonstante herausarbeitete. Es liegt also gar nichts in der Luft, wenn die Zeitmaschine (Time Machine) Ihres Leoparden Daten auf die Zeitkapsel (Time Capsule) sichert und Sie sich drahtlos von einem Knotenpunkt im weltweiten Datennetz zum anderen bewegen. Aber natürlich klingt „Macbook Air“ populärer als etwa „Macbook Maxwell Equations“. Obwohl die Gleichungen des Schotten James Clark Maxwell den Elektromagnetismus im Alltag bestens beschreiben.

Scheitern könnte Apples „Air“-Konzept keineswegs am physikalisch unsinnigen Namen, sondern daran, dass drahtlose Netze mancherorts zu spärlich und anderswo gar zu dicht geknüpft sind. Unterwegs mit dem iPhone zu surfen ist nicht immer ein Vergnügen. Steve Jobs hat am Dienstag kein Wort über eine neue Fassung des Apple-Handys verloren, die auf Funkstandards der dritten Generation aufsetzen würde. Die Firmware 1.1.3 mag die Bedienung des iPhone (und die des iPod Touch) zwar verbessern, vergleicht man aber etwa die Lokalisierung über die nächsten Funkmasten und Google Maps mit den Möglichkeiten von GPS, dürfte die Enttäuschung recht groß sein. Denn letzteres arbeitet in der Tat global, wer sich via iPhone die Frage „Wo bin ich?“ stellt, erhält nichteinma in der Großstadt befriedigende Antworten. Dort sollte ohnehin ein Blick auf das nächste Straßenschild weiterhelfen. Von der mangelhafen Netzabdeckung durch kostenlose WLAN-Hotspots wollen wir gar nicht sprechen, zumindest außerhalb städtischer Ballungsräume ist es in Europa mit UMTS auch nicht viel besser bestellt. In Asien dürfte sich aber nur ein 3G-iPhone verkaufen lassen, für 2008 hat Apple dies versprochen.

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