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Das war die Woche: Mehr Offenheit in Cupertino

07.03.2008 | 16:29 Uhr |

Erst im Juni kommt das iPhone-SDK in der finalen Fassung Programmierer können aber schon loslegen.

iPhone Roadmap
Vergrößern iPhone Roadmap

Die vergangene Woche hatte es in sich, da vergisst man gerne, dass in der Vorwoche der Dienstag nur rein ganz normaler war und keiner dieser speziellen Dienstage . Gleich drei Ereignisse schlagen uns in den Bann: Die Aktionärsversammlung am Dienstag in Cupertino, das selten offene Fortune-Interview mit Steve Jobs und natürlich die Vorstellung der Roadmap für die iPhone-Software . An eine zufällige Koinzidenz der Ereignisse mag man nicht glauben, ein wenig sieht das nach Inszenierung aus. Der Kurs der Apple-Aktie ist seit Jahresbeginn um gut 40 Prozent gefallen, Wall Street hat Apple unter Druck gesetzt und Zweifel an weiterem Wachstum bei iPod und iPhone immer lauter geäußert. Schadet als nicht, wenn die guten Nachrichten geballt daher kommen, fast reflexartig hat der erste Analyst auch schon reagiert: Gene Munster von Piper Jaffray glaubt nun daran, dass Apple gar 13 Millionen iPhones im Jahr 2008 verkaufen wird.

Das Thema Nachfolge hat Steve Jobs nicht ohne Not auf der Jahreshauptversammlung in Cupertino aufgegriffen. Bescheiden meint der Apple-CEO, unter seinen Mitarbeitern seien genügend Talente vorhanden, die ihn – auch plötzlich – ersetzen könnten. Vor dreieinhalb Jahren wäre das beinahe so weit gewesen, die Umstände waren damals noch viel dramatischer, wie sich erst diese Woche herausstellte. Laut Fortune lebte und arbeitete Steve Jobs neun Monate mit einem endokrinen Inselzellentumor in der Bauchspeicherdrüse, bevor er sich im Sommer 2004 endlich einer lebensrettenden Operation unterzog. Man mag dem Bericht glauben schenken, passt er doch in das Bild, das zahlreiche meist unautorisierte Veröffentlichungen über Steve Jobs gezeichnet haben. Der Apple-CEO lebe nach seinen eigenen Regeln und kenne keine Gnade, auch sich selbst gegenüber nicht. Alternative Heilmethoden hätte Steve Jobs von Oktober 2003 bis Juli 2004 verfolgt, nachdem ein nicht zwingend tödlicher Tumor diagnostiziert worden war. Sicher, nicht alle Methoden der Schulmedizin versprechen Heilung, ebenso wenig darf man alternative Methoden mit “Scharlatanerie” gleichsetzen. Wenn man aber eine 30-Milliarden-Dollar-Company im Licht der Öffentlichkeit gleichsam als Heilsbringer wie uneingeschränkte Kultfigur führt, sollte man vielleicht auf Ärzte hören, die eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit prognostizieren, wenn man sie denn mit dem Messer ranließe. Jobs folgte aber erst ein dreiviertel Jahr nach der Diagnose dem Rat der Ärzte. Die Öffentlichkeit und damit die Aktionäre darüber nicht zu informieren war nicht illegal, und im Nachhinein bleibt Anlegern die Überzeugung: Es ist gut gegangen, es wird auch wieder gut gehen. Da aber der Krebs niemals wirklich geht, hat Jobs in der Tat gut daran getan, demütig auf potentielle Nachfolger und seine Ersetzbarkeit hinzuweisen.

An Apple A Day: Wie der Macintosh zu seinem Namen kam

Einer Legende zufolge soll der Mac wegen einer Jobs’schen Krankheit überhaupt erst zu seinem Namen gekommen sein. Aus Indien habe Jobs Ende der Siebziger eine schwere Ruhrerkrankung mitgebracht, die er mit einer intensiven Apfeldiat zu kurieren versuchte. Die Äpfel, die Jobs wochenlang fast ausschließlich zu sich nahm, waren von der Sorte McIntosh. Ob das nun stimmt oder nicht, von der Ruhr schien Jobs eingies geblieben zu sein. Wie Fortune berichtet , sei der Tumor im Rahmen einer der Routineuntersuchungen entdeckt worden, denen sich der Apple-CEO aufgrund hartnäckiger Darmprobleme immer wieder unterziehe. So hatdie Ruhr von damals auch heute noch eine positive Auswirkung, denn wenn ein Bauchspeicheldrüsenkrebs Symptome entwickelt, ist es meist zu spät.

Im exklusiven Interview mit Fortune, das Jobs während eines Urlaubs auf Hawaii dem Magazin gewährte, klärt der Apple-CEO indirekt auf, warum Apple meist dienstags neue Dinge vorstellt. Der Montag ist einem Marathon-Meeting reserviert, in dem die leitenden Angestellten die Geschäftsentwicklung der letzten Woche Revue passieren lassen und diskutieren. Am Dienstag geht das Business dann in eine neue Runde. Auch auf die sicher nicht im Joschka-Fischer-Duktus (Mit Verlaub, Herr Jobs, Sie sind ein…) gestellte Frage, warum er ein nicht immer umgänglicher Chef sei, gab Jobs eine milde Erklärung. Er wolle schließlich das Beste aus seinen Mitarbeitern herausholen. Jobs führt mit Zuckerbrot und Peitsche, legendär sind spontane Entlassugen von Mitarbeitern, mit deren Leistung Jobs von heute auf morgen nicht mehr zufrieden ist. Auf der anderen Seite bekommen seine Leute aber auch immer wieder zu hören, sie seien Genies.

Derart von der Presse gehätschelt – Fortune hatte zudem in dieser Woche Apple erstmals als die am meisten bewunderte Firma der USA gekürt – war es nun ein Leichtes mit einer Pressekonferenz weltweit in die Nachrichten zu kommen. Denn wollen wir es einmal nüchtern betrachten: Apple hat lediglich nach langem Druck aus der Anwender- und Entwicklerschaft endlich nachgegeben und das bisher sorgsam abgeschirmte iPhone geöffnet, Spektakuläres ist nicht passiert. Fertig ist das SDK immer noch nicht, auch die von Unternehmenskunden geforderten Business-Features werden erst im Juni – also ein Jahr nach Verkaufsstart – in das iPhone Einzug halten. Apples iPhone-Geschäftsmodell wird sich rapide ändern, die exklusive Bindung an je einen Mobilfunkprovider pro Land wird sich nicht mehr lange halten lassen. Schon lassen erste Apple-Direktoren anklingen, man sei ja nicht mit AT&T verheiratet (auch nicht mit T-Mobile und O2), mit den exklusiven Vereinbarungen dürfte dann aber auch die Umsatzbeteiligung an den Telefongebühren der Vergangenheit angehören. Also sucht sich Apple neue iPhone-Umsätze: Mit der Öffnung hin zu Unternehmen erschließt sich Apple einen lukrativen Markt. Denn wo Endverbraucher darüber nachdenken, ob sie je schon 50 Euro monatlich für ihr Mobiltelefon ausgegeben haben, ist Managern, Direktoren und Vorstandsvorsitzenden nur wichtig, dass sie mit dem iPhone ein schickeres Smartphone als ihren bisherigen Blackberry bekämen. RIM hatte diese Woche also wenig zu lachen. Und wenn die Ströme aus den Telekommunikationsunternehmen versiegen, fließen andere Dollars in die Kassen Cupertinos. Die rege Entwicklerschaft steht schon jetzt in den Startlöchern, am Verkauf derer Programme verdient Apple als exklusiver Softwarevertrieb kräftig mit. Diese Woche war für Apple eine gute Woche.

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