989846

Das war die Woche: Mit Sicherheit zu teuer

28.03.2008 | 14:16 Uhr |

In einer rapid sich wandelnden Welt bleibt nichts von Dauer und niemand stehen. Sicher ist nicht mal das, was uns lieb und teuer ist.

Wenn Sie in diesen Text einsteigen, werden Sie in zehn Minuten am Flughafen sein, weil ja quasi die bayerischen Städte näher an den Hauptbahnhof rücken. Zehn Minuten! Da suchen Sie auf einer großen Website, in, in Hamburg oder, oder Rom ! ja schon so lange, bis Sie Ihren Vorspann gefunden haben!

Aber lassen wir den Unfug mit den gestammelten Werken des Edmund St., obwohl das Ende des Münchener Transrapids sicher die Nachricht der Woche war, am Tag, als das SZ-Magazin ein exklusives Interview mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten veröffentlichte. Er wirkt im Freistaat zweifelsfrei nach, wie auch der viel beachtete Einzug des präparierten Felles eines ehemaligen Problembären in das Museum Mensch und Natur zeigt. Die Partei, deren Vorsitz er Ende September letzten Jahres nicht ganz freiwillig abgegeben hat, verfällt ob der schlechten Ergebnisse bei den Kommunalwahlen Anfang März in hektischen Aktionismus. Plötzlich will man das Rauchverbot wieder lockern, zumindest in Bierzelten zu Wahlkampfzeiten, der neue Vorsitzende verspricht, bei der Pendlerpauschale zur alten Regelung zurück zu kehren und der neue Ministerpräsident gesteht ein, dass der Transrapid schlicht und ergreifend zu teuer käme und deshalb nicht gebaut wird. Der Wähler in Bayern wird das der Regierungspartei bei den Landtagswahlen im September mit Sicherheit tüchtig ankreuzen…

Die Irrungen und Wirrungen bayerischer Politik, die seit jeher vergeblich auf göttliche Eingebung wartet , weil der Bote im Hofbräuhaus versumpft ist, hat erst einmal nichts mit Apple und der Mac-Szene zu tun. Oder doch? Hatte nicht auch Apple versucht, seine Vorstellung von Technik ohne deren Anwender durchzudrücken? Das iPhone komplett abzuschotten würde nie gelingen, deshalb hat Apple klugerweise rechtzeitig die Bremse gezogen und ein iPhone SDK angekündigt. Der Vergleich hinkt gewaltig, aber es ist beruhigend zu sehen, dass sich der iPhone-Hersteller nicht in stoiberscher Sturheit solange in ein Thema verrennt, bis es zu spät ist. Das war in der Geschichte des Unternehmens nicht immer so. Steve Jobs musste das Unternehmen seinerzeit verlassen, weil er stur an seinerzeit nicht realisierbaren Projekten wie dem „Book-Mac“ festgehalten und es sich mit praktisch jedem in der Staatsregierung, nein, im Aufsichtsrat und Vorstand, verscherzt hatte. Sein Nachfolger John Sculley scheiterte schlussendlich an seinem Prestige-Projekt Newton. Ironie der Geschichte: Tragbare Macs verkaufen sich mittlerweile besser als stationäre, der Knaller der Saison ist das schier schwerelose und elegante Macbook Air. Und mit Hilfe der Entwicklergemeinde wird das iPhone zu einem besseren persönlichen digitalen Assistenten als es Fans des Newton je zu träumen gewagt haben. So wie seinerzeit tragbare Macs und der erste PDA nicht in die Zeit und den Markt passten, passt der Transrapid eben nicht in das hiesige Verkehrskonzept. Allenfalls dort, wo noch kaum (Schnell-)Züge über Schienen rollen, könnte das Schweben Sinn machen. Wobei selbst China abwinkt und der Transrapid von Shanghai für lange Zeit einzigartig bleiben dürfte.

0 Kommentare zu diesem Artikel
989846