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Das war die Woche: Musik bis zum Abwinken

20.03.2008 | 13:59 Uhr |

Musik kann man nicht besitzen. Und wer sie grenzenlos bezieht, trägt nur zu ihrer Beliebigkeit bei. Eine Musikflatrate für iPod-Besitzer schreckt mehr ab, als sie zu begeistern vermag.

Darf es ein bisschen mehr sein? Ein bisschen gerne, aber bitte nicht beliebig viel!
Vergrößern Darf es ein bisschen mehr sein? Ein bisschen gerne, aber bitte nicht beliebig viel!
© Apple

Wenn die Quellen der Financial Times in der Tat gut unterrichteten Kreisen entspringen, werden iPods bald deutlich teurer. Zumindest optional. Denn Apple soll seinen Vorbehalt gegenüber Abo-Modellen für den iTunes Store aufgeben und auf Druck des Marktes und der Musikindustrie mit iPods zum Premium-Preis unbeschränkten Zugang zur iTunes-Bibliothek gewähren. Details sind nicht bekannt, die Zeitung verrät nicht, ob die großen vier Musiklabels (Sony BMG, Universal, Time Warner, EMI) Apple unter Druck setzen oder ob gar die Initiative aus Cupertino kam. Ebenso wenig ist bisher auch klar, an welche Bedingungen der freie Zugang zu mehreren Millionen Titeln geknüpft sein würde. Die Angaben der verhandelten Lizenzgebühren schwanken zwischen 20 US-Dollar pro Gerät, die Apple angeblich zu zahlen bereit sei und 80 US-Dollar, welche die Musikindustrie fordere. Kunden hätten über die komplette Lebenszeit ihres Players Zugriff auf das Musikarchiv, ob sich derart freigegebene Musik aber nur auf dem iPod abspielen ließe, weiß man ebenso wie man etwaige Übertragungsmöglichkeiten auf neuere Geräte kennt. Eine iTunes-Flatrate wäre aber in jedem Fall ein spektakulärer Paradigmenwechsel – und das ungefähr ein Jahr, nachdem Apple und EMI damit begannen, das Fairplay-DRM aus dem iTunes Store zu verbannen.

Ohne Kopierschutz verkauft im iTunes Store aber weiterhin nur der britische Konzern seine Musik, die drei anderen experimentieren nur bei der marginalisierten Konkurrenz mit freien Formaten . Sollte tatsächlich die iPod-Flatrate kommen, würde Apple einen wesentlich rigideren Kopierschutz nach Vorbild von Microsofts Janus einführen müssen. Darüber erworbene Songs ließen sich weder brennen noch auf Playern anderer Hersteller abspielen – die Verbraucherschützer der EU träten dann bestimmt auch wieder auf dem Plan.

Der Musikindustrie käme ein solches Modell aber gerade Recht. Pro iPod 80 US-Dollar Einnahmen auf einen Schlag lassen rückläufige CD-Einkäufe mit einem Mal vergessen. Apple hat im vergangenen Weihnachtsgeschäft etwa 23 Millionen iPods verkauft, das hätte für die großen Vier und die paar unabhängigen Labels, die dabei vielleicht mitmachten, 1,8 Milliarden US-Dollar an Einnahmen bedeutet. Milchmädchenrechnung. Zwar will die Industrie über Marktbefragungen festgestellt haben, dass Käufer gar bis zu 100 US-Dollar an Mehrkosten für eine Musikflatrate akzeptieren würden, doch ist kaum davon auszugehen, dass Apple auch weiterhin so viele iPod Shuffle verkaufen würde, wenn diese plötzlich das Dreifache kosteten. Maßhalten ist angesagt, sonst droht Beliebigkeit.

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