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Das war die Woche: Schwarzes Loch, schwarzer Rollkragen, bunte Nanos

12.09.2008 | 14:38 Uhr |

Die Gerüchte über den unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang sind stark übertrieben. Genf versinkt nicht im schwarzen Loch und Steve Jobs nicht im schwarzen Rollkragenpullover.

iPod Nano in bunt
Vergrößern iPod Nano in bunt

Der Weltuntergang ist bis auf weiteres verschoben. Zwar haben die Teilchenphysiker am Cern in dieser Woche nach zehnjähriger Bauzeit endlich den Large Hadron Collider (LHC) angeworfen, in ein schwarzes Loch ist die Erde aber immer noch nicht gefallen. Der Grund ist ebenso banal wie offensichtlich: Die ersten Protonenkollisionen sind erst für kommende Woche geplant und die volle Leistung wird die Maschine unter den Westalpen erst im nächsten Jahr erreichen. Und außerdem sind die Befürchtungen, der LHC könnte versehentlich ein derart großes schwarzes Loch erzeugen, dass der komplette Planet darin versinkt, nichts weiter als alberner Humbug.

Der Untergang, den manche Analysten für Apple herbeiredeten, ist ebenso ausgefallen. Man kann zwar nicht sagen, dass Steve Jobs gesund, putzmuntern und vor Kraft und Tatendrang nur so strotzend am Dienstag auf der Bühne des Yerba Buena Centers in San Francisco die neuen iPods vorstellte , als gesund kann man den Apple-CEO aber durchaus ansehen. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC nannte Jobs mögliche Urheber der üblen Nachrede zu seinem Gesundheitszustand: "Hedgefonds-Kreise" hätten das Anlegerklima vergiftet. Beweisbar ist das nicht, seit Juni, als erstmals Sorgen um die Gesundheit des Apple-Chefs laut wurden, hat die Apple-Aktie rund ein Sechstel ihres Wertes verloren. Wer also im Juni auf einen derartigen Kursverlust gesetzt hat. Profitiert jetzt von der Schwäche des Wertes AAPL. Jobs’ Verdacht klingt zumindest plausibel.

Nach wie vor halten Marktbeobachter ein vorzeitiges Dahinscheiden des Apple-Gründers gleichbedeutend mit dem Weltuntergang, zumindest aber für das Ende Apples. Die Befürchtung ist nicht so unberechtigt, sieht man sich das Medienecho an, das Apple mit der Präsentation einer neuen Kollektion des iPod erreicht. Spektakulär sind die Neuerungen keineswegs, der Nano erhält erneut ein schickeres Design, die Shuffles neue Farben, der iPod Touch einen leicht veränderten Formfaktor und iTunes 8 stellt die Inhalte der Bibliothek in neuer Art und Weise dar und generiert Empfehlungslisten aus den Geschmäckern der Anwender, so diese das wünschen. Alles in allem hätte es nicht einmal die ohnehin schon recht kurze Keynote gebraucht, aber im Inszenieren von Neuheiten versteht sich Apple so gut wie kein anderer Hersteller der Branche. Die alljährlich wiederkehrenden Schauen mit der neuen iPod-Mode machen einen wesentlichen Teil des Erfolges aus, nicht auszudenken, hätten anstatt Jobs wieder nüchterne Zahlenschubser bei Apple das Sagen. Würde Apple von Managern geführt, die nicht einmal daran zu denken wagten, in der Öffentlichkeit Jeans und einen schwarzen Rollkragenpulli zu tragen, wäre die neue Kollektion einfach nur eine Ansammlung quietschbunter Spielzeuge. Nur Jobs versteht es, den iPod Nano der vierten Generation und den iPod Touch der zweiten als die "unterhaltsamsten iPods aller Zeiten" anzupreisen, so, dass die Kunden daran glauben und ihre erst im letzten Herbst erworbenen Player an andere weiterreichen oder gleich auf den Wertstoffhof bringen. So aber übertragen Dutzende Websites die Präsentation live im Tickerverfahren, unsere Kollegen von Macworld berichteten davon , dass lautes Tastengeklapper im Auditorium die Ansprache des Herrn im schwarzen Rolli beinahe übertönt hätte…

Von Jobs’ charismatischem Auftritt zeigt sich sogleich auch Greenpeace beeindruckt und lobt ungeprüft die Aussagen des Apple-Chefs, bei der Produktion von Nano und Touch könne man auf Giftstoffe verzichten. Den Umweltschützern fehlt an sich nur noch ein weltweites Recycling-Programm und eine ähnliche Verpflichtung für alle anderen Apple-Produkte, schon wären alle Weihnachtswünsche erfüllt.

Es ist in dieser Woche also weder Genf noch Apple in einem schwarzen Loch verschwunden. Einer erreicht jedoch allmählich seinen Ereignishorizont: Der iPod Classic. Apples letzten iPod mit Festplatte kann man nur noch in einer von 80 GB auf 120 GB erweiterten Version kaufen, die 160-GB-Variante ist aus dem Angebot verschwunden. Nicht auszuschließen, dass im nächsten September Apple nur noch Flash-basierte iPods präsentiert, bis dahin sollte der Speicher preiswert genug für einen iPod Touch mit 128 GB sein. Das Ende des klassischen iPod wäre dann kein Weltuntergang.

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