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Das war die Woche: Software, jede Menge Software

15.02.2008 | 14:50 Uhr |

Gut Ding will Weile haben: Anfangs dieser Woche lieferte Apple endlich Mac-OS X 10.5.2 aus. Es lohnt sich aber, in jedem Fall mit der Installation zu warten, muss ja keine halbe Ewigkeit sein.

Leopard Box
Vergrößern Leopard Box

Die Systemeinstellung „Software aktualisieren“ ist eine feine Sache: Apple meldet seinen Nutzern jedes neue Update für die vorhandene Software, nennt die Verbesserungen und Erweiterungen und erteilt Installationsempfehlungen. Von Risiken spricht Apple dabei nicht, weswegen man besser nicht bei jedem Aufpoppen der Meldung „Neue Software für Ihren Computer“ den „Installieren“-Button klicken sollte.

Mit 180 MB schon in der Delta-Fassung war das Update auf Mac-OS X 10.5.2 ungewöhnlich groß, rund 120 Komponenten des Betriebssystems will Apple verbessert oder zumindest geändert haben. Wer einen frischen Leopard sein Eigen nennt und ausschließlich Software von Apple verwendet, kann nicht falsch machen und wird mit einigen Neuerungen belohnt. So lässt es Apple nun zu, Ordner auch als Ordner im Dock abzulegen und nicht als Stapel, zudem kann man die Transparenz der Menüleiste wieder ausschalten. Vorwärts, wir müssen zurück, denn Stapel und transparente Menüleiste sind zwei der neuen Leopard-Features, die bei Mac-Anwendern kaum auf Resonanz gestoßen sind.

Das meiste hatte Apple aber unter der Haube geändert, was manch vorschneller Installateur büßen musste. Den markantesten Fehler stellten Nutzer von Linotypes Font Explorer fest: Die kostenlose Schriftenverwaltung verweigerte nach dem Update komplett den Dienst. Immerhin konnte der Hersteller rasch mit einem Update reagieren, der Ausfall mag für viele aber mehr als ärgerlich gewesen sein. Wenigstens ließen sich Berichte über Unverträglichkeiten der Adobe Creative Suite 3 nicht reproduzieren.

Der Leitsatz „Never change a running system“ gilt trotzdem nur begrenzt, denn die Verbesserungen in Mac-OS X 10.5.2 rechtfertigen den Aufwand, den man für das Update betreiben sollte, in jedem Fall. Dank Time Machine kann man sein System mittlerweile auf eine frühere Version zurücksetzen, ein rechtzeitig erstelltes Backup vorausgesetzt. Die Zeit lässt sich aber vortrefflich auch in die andere Richtung nutzen: Einfach mal abwarten, was die rund um den Globus verteilten Experten über das Update urteilen. Dass nicht alle möglichen Probleme innerhalb von zwei Stunden nach Veröffentlichung von Mac-OS X 10.5.2 feststehen konnten, vergisst man in Zeiten des schnellen Internet gerne mal.

Nicht nur Dritthersteller sahen sich von Mac-OS X 10.5.2 zur Reaktion gezwungen, selbst Apple lieferte im Zuge des Updates nach. In einem selten gesehenen Rundumschlag hievte das Unternehmen seine iLife-Applikationen auf neue Versionen, die nun neue Funktionen von Apples Webdienst .Mac nutzen können. Und kaum hatten die Update-Server den größten Ansturm überstanden, schloss der Apple Store seine virtuelle Ladentür um wenig später Aperture 2 anzubieten. Wenigstens hat das niemand spontan aktualisiert, denn für das Update will Apple 99 Euro sehen, Neukunden müssen 199 Euro bezahlen. Wer von der erweiterten RAW-Unterstützung von Mac-OS X 10.5.2 profitiert, weil er eine der acht Kameras von Canon, Sony und Hasselblad verwendet, kommt mit Aperture 1.x nicht weiter . Ärgerlich.

Diese Woche war eine Softwarewoche, Microsoft verkauft seit Mittwoch Office 2008 in der deutschen Version, rund vier Wochen nach dem Verkaufsstart in den USA. Zweieinhalb Jahre nach der Wechselankündigung zu Intel hat nun auch der letzte wesentliche Hersteller eine Universal Binary seiner Software im Programm.

Wissen für eine halbe Ewigkeit und mehr

Einen einschneidenderen Wechsel hat der Brockhausverlag, genauer das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus, vor sich. Die Langenscheidt-Tochter hat angekündigt, dass die aktuelle 21ste Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie nun auch die letzte sei. In Zukunft wolle man alle Inhalte komplett kostenlos im Internet veröffentlichen, mit bezahlter Werbung auf den Brockhausseiten will man ab April Geld verdienen. Fast 200 Jahre Geschichte neigen sich dem Ende entgegen, das Statussymbol des Bildungsbürgertums weicht dem ubiquitären Netzwissen. Leicht kulturpessimistisch kommentiert die Süddeutsche: „Die neue Wissenszeit kennt nicht mehr den seligen Hoch- und Übermut des sich in Zeitfalten kuschelnden Hirnstürmers […], sondern nur das Stichwort-Hopping des eiligen Überforderten über den immer kalten Wassern des instanten Wissenstransfers: kurz und richtig, vielleicht. Aber nie mehr wahr.“

Trotz der Studien, die der freien Enzyklopädie Wikipedia bessere Noten geben als dem redaktionell betreuten Brockhaus, wiegt der Verlust schwer. Als letztinstanzliche Autorität kann Wikipedia wegen seiner Offenheit nicht dienen, Historiker der Zukunft werden eine derart kompakte Sammlung des Wissens der Zeit wie sie der Brockhaus stets darstellt, vermissen. Heute staunen wir insbesondere über die naturwissenschaftlichen Weltbilder, die Redakteure der Zeitenwende vom 19ten zum 20sten Jahrhundert in Unkenntnis von Relativitätstheorie oder Quantenmechanik aufzeichneten. Nachfolgende Generationen werden sich schwer tun, sich ein Bild unserer Jahre und Jahrzehnte und des Wissenstandes unserer Zeit zu machen. „Das Internet vergisst nichts!“ warnen zwar Datenschützer allzu freimütige Teilnehmer an den Angeboten des Web 2.0, auf einer Skala von Jahren mag das gelten, aber nicht auf einer von Jahrhunderten. Immerhin hat diese Woche das Schweizer Unternehmen Swiss Picture Bank angekündigt, Digitalfotos für 99 Jahre zu sichern . Schweizer Banken ist grundsätzlich zu trauen, ob dieses Unternehmen sein Versprechen halten wird, können wir aber leider nicht mehr überprüfen...

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