999617

Das war die Woche: Wenn ich einmal reich wär’

08.08.2008 | 15:06 Uhr |

Der App Store feiert die erwarteten Erfolge, Entwickler freuen sich über hohe Einnahmen und Anwender über Software, die das Telefonieren auf dem iPhone fast zur Nebensache degradieren. Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt.

Der App Store
Vergrößern Der App Store

Ein wenig dreist war der Entwickler Armin Heinrich aus Salzgitter schon: Seine iPhone-Applikation "I am Rich", die er für schlappe 1.000 US-Dollar im Apple Store angeboten hat, ist ihr Geld in keiner Weise wert. Auf dem iPhone-Bildschirm zeigt das Programm lediglich das Bild eines Diamanten an, das Info-Menü spuckt ein Mantra aus, das Glück und Reichtum bringen soll. Unter den iPhone-Besitzern sind sicher einige, denen íhr Apple-Handy schon nicht mehr als Statussymbol genügt, wer wirklich Geld verschwenden will, weil er es hat, der lädt sich das Nonsense-Programm, mag der Entwickler gedacht haben. Die Rechnung ist nur zum Teil aufgegangen, immerhin zehn Dumme hat Heinrich gefunden, bevor Apple die Software wieder aus dem App Store entfernte. Grund mag gewesen sein, dass einer der "Dummen" sich beim Preis verschaut haben mag und das sündhaft teure Programm eher versehentlich lud. Ob er und die anderen Kunden ihr sein Geld zurück bekommen haben, ist nicht bekannt. Heinrich mag sich also über 10.000 US-Dollar Einnahmen gefreut haben, von denen er 3.000 US-Dollar an Apple abgeben muss. Nicht schlecht für eine dürftige Photoshop-Arbeit, die mit einem sinnlosen Sinnspruch garniert ist.

Für ehrliche Programmierer, die saubere Arbeit abliefern, erweist sich der App Store jedoch zurecht als Goldgrube. So freute sich etwa diese Woche die Programmiererin Eliza Block über außerplanmäßige Einnahmen in vierstelliger Höhe, die sie mit ihrer Kreuzworträtselanwendung 2 Across verdiente. So wie Apple den iPod seit April 2003 mit dem iTunes Store zu einer integrierten Plattform beförderte, läuft es nun auch mit iPhone und App Store. Kunden haben die Auswahl aus schon jetzt mehr als 1.000 Programmen, die Anzahl der Downloads geht in die Millionen. Das iPhone nutzt kaum noch jemand zum Telefonieren, will man da meinen. "I am Rich" ist zwar nicht die einzige sinnlose Anwendung, die im App Store zu finden war, man denke da nur an die zahlreichen iPhone-Taschenlampen. Die meisten Programme jedoch bieten gute Information und Unterhaltung, viele sind sogar kostenlos.

Nicht alle Entwickler sind aber zufrieden mit dem App Store. Apple verschanzt sich hinter einer Mauer des Schweigens, monieren Softwarehersteller wie Tap Tap Tap. Welche Prozesse hinter den Türen Cupertinos ablaufen, bis eine Anwendung im App Store auftaucht und nach welchen Kriterien Programme wieder daraus entfernt werden, bleibt unbekannt. Die Richtlinien sind nicht transparent dargelegt, ist die Laserschwert-Simulation iPhone Saber etwa wegen Sinnlosigkeit in den Papierkorb gewandert? Eher nicht - der Rechteinhaber an den Laserschwertern Lucas Arts will in Zukunft selbst Geld mit einer ähnlichen Applikation verdienen. Oder untersagen es die Verträge mit den Mobilfunkprovidern, eine Anwendung wie Netshare anzubieten, die das iPhone 3G zum UMTS-Handy macht? Kann sein, aber vielleicht haben die Netshare -Entwickler auch noch Qualitätsprobleme, Apple-Vertreter haben mit den Programmierern von Nullriver bis dato nicht gesprochen.

Der Widerstand gegen Apples Omerta wächst. Letzte Woche kritisierten Sicherheitsexperten das Schweigen Cupertinos , diese Woche zweifeln Entwickler an der Sinnhaltigkeit von Verschwiegenheitsklauseln. Dass Apple nicht alle Geheimnisse offen legen möchte, ist einzusehen, dass die Entwicklergemeinde aber nicht öffentlich über die Möglichkeiten und Grenzen von iPhone OS und iPhone SDK diskutieren darf, verstört viele Programmierer. Apple ist nun mal doch kein Open-Source-Unternehmen .

0 Kommentare zu diesem Artikel
999617