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Das war die Woche: Wo ist das Telefon?

01.02.2008 | 14:22 Uhr |

Wall Street fürchtet: Wenn nicht jedes vierte iPhone gekauft wurde, um entsperrt den Besitzer erneut zu wechseln, sitzen Apple und sein Mobilfunkpartner AT&T auf jeder Menge Ladenhüter. Aus Cupertino hört man bislang aber nur optimistische Töne. Der Wettbewerb zeigt, wo die Reise des iPhone hinführen könnte.

Die Zeiten von WAP neigen sich dem Ende entgegen. Kaum ein neu verkauftes Handy ist beim mobilen Abruf von Internetseiten darauf angewiesen, auf den Servern der Anbieter WML-Seiten zu finden. Moderne Mobiltelefone kommen mit XHTML zurecht, niemand muss sich noch um eigens auf Handys zugeschnittene Seiten kümmern. Wie man herkömmliche Webseiten auch auf dem kleinen Displays von Handys anzeigt, haben zunächst die Entwickler von Opera vorgeführt, deren Browser eigenständig Entscheidungen traf, welche Elemente er in welcher Skalierung zeigt. Reizvolle Idee, doch mit dem iPhone wird alles noch bequemer. Der integrierte Safari-Browser verlässt sich auf das geschickte Bedienkonzept. Beim ersten Laden kommen Schriften und Bilder noch winzig auf dem Display daher, doch wie intuitiv ist es, die Anzeige zu vergrößern! Einzig die Ladezeiten lassen noch zu wünschen übrig, ist man außerhalb der Reichweite eines WLAN-Hotspots unterwegs. Das Akronym WAP stand scherzhaft für „Wait And Pay“, weil die hohen Gebühren für das mobile Internet gefühlt schon vom Konto abgebucht wurden, während das Handy noch lud. Die Internetnutzung auf dem iPhone ist auch mit GSM/EDGE akzeptabel flott und die Gebühren inklusive - billig ist das iPhone aber noch lange nicht. Wir erinnern uns noch an eine andere Verballhornung des Wireless Application Protocols (WAP), nämlich zu der Frage: „Where are the Phones?“. Denn bis um die Jahrtausendwende herum die Branchengrößen endlich ihre lang angekündigten Internettelefone zur Auslieferung brachten, verging scheinbar mehr Zeit als heute zwischen zwei iPod-Generationen. Die Frage ist akuter denn je: „Where are the iPhones 2.0“, also WAiP 2.0.

Was gibt es Neues?

In den letzten Jahren hörten wir von Macianern immer wieder Fragen nach neuen Generationen von Power Macs, iMacs oder Powerbooks. Mangels eines hohen Anteils von Macianern an der Gesamtbevölkerung mussten wir aber nur etwa einmal im Monat Freunden, Verwandten, Bekannten oder Passanten erklären, dass wir es so genau nicht wissen, aber Indizien wie Produktzyklen, Verkaufszahlen oder Jahreszeit auf diesen oder jenen Zeitpunkt hinwiesen. Heute können wir kaum vor die Tür gehen, ohne ständig gefragt zu werden, wann denn ein neues iPhone käme und was es alles könne. Dank des enormen Hypes - an dem wir nur ein bisschen Mitschuld tragen - ist das iPhone längst in den Herzen der Technikbegeisterten hierzulande angekommen, jedoch nicht in den Köpfen. Sprich: Jeder, der ein Mobiltelefon zu mehr als drei Gesprächen und zwei SMS im Monat verwendet, träumt jetzt von einem iPhone, schreckt aber ob der noch hohen Preise und einiger objektiver wie subjektiver Nachteile vor dem Kauf zurück. Die bisher bekannten Zahlen belegen das: Vier Millionen Handys will Apple seit letztem Sommer verkauft haben, aber gerade einmal 70.000 Verträge hat T-Mobile seit November abgeschlossen . Selbst dem US-Provider AT&T geht es nicht so gut mit dem Apple-Handy, denn nur rund zwei Millionen iPhone-Besitzer überweisen regelmäßig ihre Gebühren. Es könnten ein paar mehr sein. Insgesamt sollen rund eine Million Geräte in den Schlünden der geheimen und weniger geheimen Statistiken verschwunden sein, Wall Street hegt gar die schlimme Befürchtung, dass in den Apple Stores und AT&T-Stores sich unverkaufte Kartons mit Apple-Handys stapeln. Die Alternative klingt nicht erfreulicher: Wenn eine Million iPhones ohne Vertragsbindung an AT&T, O2 oder T-Mobile in Gebrauch seien, wäre das ein schlechtes Zeichen. Der Analyst Toni Sacconaghi rechnet von potentiellen Umsatzeinbußen von bis zu 400 Millionen US-Dollar , wenn Apple nicht mehr an den teuren iPhone-Tarifen der Exklusivpartner mitverdienen darf. In Cupertino regiert jedoch Gelassenheit, wie Steve Jobs seinen Mitarbeitern in einer internen Mail noch einmal versichert hat. Denn eine Million entsperrte iPhones sind vor allem ein Problem für die Mobilfunkunternehmen, Apple sollte allein an der Hardware schon ausreichend gut verdienen.

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