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Protest wegen Daten-Speicherung: Facebook nimmt Änderungen zurück

19.02.2009 | 06:55 Uhr |

Nach massiven Protesten verzichtet das soziale Online-Netzwerk Facebook auf das Recht, Daten von Mitgliedern zeitlich unbegrenzt zu nutzen.

Bis auf weiteres seien die alten Regelungen wieder gültig, schrieb Unternehmensgründer und Chef Mark Zuckerberg am Dienstagabend in seinem Blog. Facebook hatte Anfang Februar fast unbemerkt seine Geschäftsbedingungen geändert und sich darin das «unwiderrufliche» Nutzungsrecht an allen veröffentlichten Daten, Fotos und Videos selbst für den Fall zugesichert, dass der Nutzer seinen Account löscht. Nutzer und Datenschützer reagierten empört. Experten vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Kiel hatten kritisiert, dass damit nicht mehr nachvollziehbar sei, wie die Nutzerdaten weiterverwendet werden. Tausende Facebook- Mitglieder hatten zudem zum kollektiven Löschen der Profile aufgerufen. Eine führende US-amerikanische Datenschutz-Organisation kündigte am Dienstag an, Facebook zu verklagen. Zuckerberg hatte zuvor in seinem Blog betont, die Änderung sei nötig, damit Facebook Informationen eines Nutzers anderen Mitgliedern auch dann noch anzeigen könne, wenn dieser sein Profil lösche. Das Unternehmen hält inhaltlich daran fest, kündigte aber an, die Nutzungsbedingungen gemeinsam mit Experten und Mitgliedern zu überarbeiten. Die nächste Version soll in einer für alle verständlichen Sprache geschrieben sein, betonte Zuckerberg. Wann die neuen Regeln veröffentlicht werden, konnte eine Sprecherin am Mittwoch zunächst nicht sagen. Facebook mit Sitz im kalifornischen Santa Clara hat in Deutschland keine Niederlassung, sondern nur eine deutsche Domäne. Trotzdem hätten rund zwei Millionen deutsche Mitglieder die Änderungen nicht hinnehmen müssen, sagte der Rechtsanwalt Carsten Ulbricht in Stuttgart. «Wenn Facebook den deutschen Verbraucher anspricht, muss es sich auch am deutschen Rechtsrahmen orientieren», betonte der Internetrechts-Experte. Das bedeute, das Unternehmen hätte die Änderungen nur nach Zustimmung des Nutzers vornehmen dürfen.

Facebook hatte bereits Ende 2007 mit dem Werbesystem «Beacon» Datenschützer auf den Plan gerufen. Die Plattform zeichnete auf, was seine Mitglieder in Online-Geschäften kauften und blendete diese Informationen auf den Seiten der Freunde ein, um einen viralen Werbeeffekt zu erzielen. Wegen schwerer Proteste stoppte das Unternehmen das Programm nach wenigen Wochen. Facebook hat weltweit etwa 175 Millionen Nutzer. Sie können auf der Plattform einen persönlichen Steckbrief veröffentlichen, mit anderen Mitgliedern in Kontakt treten sowie Fotos, Videos und Informationen austauschen. (dpa)

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