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Apples iAd-System in der Kritik

28.06.2010 | 11:23 Uhr |

Die deutsche Justizministerin kritisiert Apples neues System für standortbezogene Werbung iAd. Apple schweigt über seine Datensammlungen und erregt den Unmut von Datenschützern.

Kritik an Apples Datensammlung

Kurz vor dem Marktstart des neuen Anzeigensystems iAd steht Apple in der Kritik. Das Anzeigesystem für Werbung in Apps namens iAd ist haben Datenschutzexperten beanstandet, vor allem in Deutschland. Die deutsche Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger hat über das Nachrichtenmagazn Der Spiegel Apple deutlich kritisiert. In der aktuellen Ausgabe fordert sie, Apple müsse offen legen, "welche Daten erfasst, wie lange sie gespeichert und wofür sie verwendet werden". Nutzern von iPhones und anderen GPS-fähigen Geräten müsse klar sein, welche Informationen über sie gesammelt werden.

Schon vor iAd hatte es die Möglichkeit gegeben, kostenlose Programme durch Werbeeinbledungen zu finanzieren. Jetzt aber hat Apple dies exklusiv übernommen. Jeder Nutzer wird deshalb auch aufgefordert, einer erweiterten Datenschutzrichtlinie zuzustimmen. Gegenüber älteren Versionen ist sie um einen Passus über die Sammlung von standortbezogenen Informationen erweitert, vor der Anzeige von Werbung kann nämlich bei iAd der Standort des Nutzers bestimmt werden.

Der Vertrag ähnelt früheren Vereinbarungen, nach Erscheinen des neuen Werbesystems bekommen sie aber eine ganz neue Relevanz. So stimmt man etwa zu, dass Apple, Partner und Lizenznehmer präzise Standortdaten erfassen, sie verwenden und auch weitergeben dürfen. Laut Apple werden die Daten anonymisiert und nur für die Anzeige standortbezogener Werbung genutzt. Datenschützern wie der deutschen Justizministerin ist dies aber zu unsicher. Apple müsse offen legen, welche Daten gesammelt werden und Datenschützern eine Überprüfung ermöglichen. Es wäre "undenkbar", sollte Apple Persönlichkeits- oder Bewegungsprofile von Nutzern erstellen.

Technische Hintergründe von iAd

Will ein Programmierer in seiner App interaktive Werbung anzeigen, muss man die Technologie iAd nutzen, die Apple mit dem neuen System iOS 4 einführt. Die große Besonderheit der mobilen Werbung ist die Möglichkeit, dem Nutzer maßgeschneiderte Werbung zu zeigen. Fast schon ein alter Hut ist ja die Ortung des Nutzers per IP-Adresse. Bei jedem Surfer kann ein Werbetreiber Region und Stadtteil des Nutzers über die IP-Adresse bestimmen, die ein Internetprovider bei der Einwahl ins Netz zuteilt. Beim Surfen sieht man deshalb oft Werbebannner, die nur für die eigene Region gelten.

Bei einem Handy mit GPS-Chip funktioniert dies ebenfalls, zusätzlich kann man aber über nahe WLAN-Netze und GPS den Standort auf den Meter genau festzustellen. Sogar die Bewegungen eines iPhone-Nutzers lassen sich theoretisch verfolgen und Bewegungsprofile erstellen.

Bei iAd kann ein App-Programmierer ein Banner einbinden, das eine feste Größe besitzt. Klickt jemand auf das Banner, wird das Programm gestoppt und eine Werbeanzeige oder ein Werbespot eingeblendet. App-Entwickler haben so die Möglichkeit, auch durch eine kostenlose App Geld zu verdienen. Auch ein Handy mit dem Konkurrenz-Betriebssystem Android kann Standortdaten sammeln, bisher bietet Google aber noch kein Werbesystem, das in Apps integrierbar ist. Wunsch viele Werber ist zielgruppenspezifische Werbung. Personalisierte Werbung lässt sich deshalb deutlich besser verkaufen, in den kommenden Jahren wird sich dieser Trend weiter verstärken.

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