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Gefährden Online-Landkarten die nationale Sicherheit?

09.06.2009 | 10:34 Uhr |

Die zunehmende Beliebtheit von Geodaten- und Karten-Diensten im Web hat in den USA eine heftige Sicherheitsdebatte angestoßen.

Auslöser hierfür war unter anderem das Auftauchen von überaus detailreichen Aufnahmen von Atomkraftwerken im Internet. "Ich finde es äußerst beunruhigend, dass Terroristen nun die Möglichkeit haben, solche sensiblen Standorte in beträchtlichem Ausmaß zu überwachen, ohne direkt vor Ort sein zu müssen", kritisiert ein aufgebrachter US-Bürger laut CNN-Bericht die gegenwärtigen Verhältnisse in einem Brief an die Heimatschutzministerin Janet Napolitano. Ein Problem für die "nationale Sicherheit" sieht auch Joel Anderson, Mitglied der kalifornischen Parlamentskammer. Der Politiker will nun sogar mit einem eigenen Gesetzesantrag dafür sorgen, dass virtuelle Online-Kartendienste bestimmte Gebäude generell vor der Veröffentlichung unkenntlich machen müssen. Neben Atomkraftwerken sei dies dann aber auch auf öffentliche Schulen, Kirchen, Regierungs- und medizinische Einrichtungen anzuwenden, so die Forderung Andersons.

"Ich halte diese ganze Diskussion zum Thema Terrorismusbekämpfung für ein sehr absurdes Spektakel. Dass jetzt den Anbietern von Kartendiensten im Web vorgeschrieben werden soll, welche Gebäude sie offen zeigen dürfen und welche nicht, ist sicherlich nicht der richtige Weg für eine Problemlösung", stellt Peter Pilz, Sicherheitssprecher der österreichischen Grünen , im Gespräch mit pressetext klar. Die aktuelle Debatte in den USA sei nicht mehr als eine "inszenierte Schein-Aufregung". "Ich halte überhaupt nichts von derartigen Initiativen, die unter dem Deckmantel des Sicherheitsarguments die Informationsfreiheit der Bürger beschneiden", betont Pilz. Darüber hinaus müsse einem auch klar sein, dass beispielsweise Aufnahmen bei Google Earth bei weitem nicht ausreichende Informationen liefern könnten, um einen gezielten Militärschlag einer feindlichen Macht zu ermöglichen. "Eine konkurrierende Militärmacht, die derartiges vorhat, verfügt zudem schon längst über eigene Satellitenbilder, die eine weitaus bessere Qualität aufweisen als die Aufnahmen, die im Web zu finden sind", gibt Pilz zu bedenken.

"Es stimmt mich schon sehr betroffen, dass eine Person in einem Zelt auf der anderen Seite der Erdkugel über einen Laptop so einfach an sensible Informationen herankommen kann", meint hingegen Anderson. Der kalifornische Abgeordnete habe zwar sicherlich kein Interesse daran, dem technologischen Fortschritt einen Riegel vorzuschieben. Wenn es um die Verhinderung möglicher Terroranschläge auf Atomkraftwerke in den USA gehe, müsse man allerdings auch auf seinen "gesunden Menschenverstand" vertrauen. Dieselbe Technologie, die es den Leuten erlaube, den Swimmingpool der Nachbarn zu finden, könne auch von Terroristen genutzt werden, um mögliche Ziele ausfindig zu machen und entsprechende Angriffe zu planen, so die Argumentation Andersons.

Dass das Anfertigen von Foto- und Videoaufnahmen von sensiblen Orten nicht immer problemlos über die Bühne geht, ist eigentlich keine allzu große Neuigkeit für die Anbieter von Geodaten-Webdiensten. Bestes Beispiel hierfür ist der Internetkonzern Google, dessen Kamerateams bereits im März vergangenen Jahres vom Pentagon der Zutritt zu US-Militärbasen verboten worden war. Auslöser dieser Entscheidung waren damals detaillierte Bilder von Fort Sam Houston, einem Armeestützpunkt im US-Bundesstaat Texas, auf dem Geographie-Dienst Google Maps . Insbesondere die über das Street-View-Feature leicht zugänglichen Videoaufnahmen würden eine "potenzielle Sicherheitsbedrohung" darstellen, heiß es damals aus dem Pentagon. (pte)

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