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Deep Links sind zulässig

02.09.2002 | 13:16 Uhr |

Immer mehr Suchmaschinen sehen sich Rechtsstreitigkeiten wegen Verweisen in die Tiefen von Informationsanbietern ausgesetzt. Dabei stehen die Gerichte mehrheitlich auf der Seite der "Linker".

München/Macwelt - Deep Links sind Hyperlinks, die eine unmittelbare Verbindung zu einer bestimmten, untergeordneten Webseite eines anderen Anbieters herstellen und dabei die Homepage dieses Anbieters umgehen. Wer einen solchen Verweis auf seine eigene Website setzt, gerät in Gefahr gegen das Urheber-, gegen das Wettbewerbsrecht oder gar gegen beide Gesetze zu verstoßen. Unterlassungs- oder gar Schadensersatzansprüche bei schuldhaften Verhalten können die Folge sein.
So liegt nach Auffassung der Gerichte, die diese Meinung vertreten, deshalb ein Verstoß gegen das Urheber- oder Wettbewerbsrecht vor, weil Deep Links an Seiten mit Werbeinhalten vorbei leiten, die der Finanzierung des Angebotes dienen.
Jedoch halten die Literatur und die überwiegende Rechtsprechung Deep Links für zulässig und damit Urheberrechts konform, wenn sie zumindest den Urheber der "verlinkten" Information erkennen lassen und damit nicht über die Identität des wahren Anbieters hinwegtäuschen oder diese verschleiern. Der Surfer muss erkennen, dass er die Seite des Erstanbieters verlässt und bei einem neuen Anbieter landet. Gegen den Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht wegen möglicher Werbebehinderung durch direkte Verbindung zur gewünschten Information spricht nach Ansicht der überwiegenden Rechtsprechung, dass es dem Anbieter der umgangenen Webseite unbenommen bleibt, seine Werbebanner auf alle anderen untergeordneten Webseiten gleichmäßig zu verteilen. Außerdem hat jeder Anbieter die Möglichkeit, sich mit technischen Mitteln gegen Verweise in der Tiefe seiner Site zu wehren. Eine fehlende Zugangssperre betrachten viel Gerichte als konkludente Zustimmung zur Verwendung von Deep Links. In jedem Fall spricht für die Zulässigkeit von Deep Links genau der eigentliche Zweck des Internet, das durch enge Vernetzung von Informationsquellen eine möglichst schnelle und vor allem direkte Informationsbeschaffung gewährleisten soll. Vor diesem Hintergrund ist es dem Internetnutzer nicht zumutbar, immer zuerst auf der Homepage des anderen Anbieters zu landen, um dort selbst alle Inhalte zu durchforsten bis er zu seiner gewünschten Information gelangt.
Tipp: Um mögliche gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, sollte sich derjenige, der einen Deep Link setzen möchte, vorher die Einwilligung des Urhebers einholen.
Christian Caracas

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