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Dell baut jetzt auch AMD-Chips ein

19.05.2006 | 10:17 Uhr |

Der weltgrößte Personal-Computer-Hersteller Dell verwendet erstmals Chips von Advanced Micro Devices (AMD) in seinen Server-Rechnern. Dell wolle AMD-Opteron-Prozessoren bis Jahressende in seinen leistungsstarken Servern einsetzen. Bisher hatte Dell sich auf Intel-Chips beschränkt. Zugleich gab Dell für sein vor kurzem beendetes erstes Geschäftsquartal einen Gewinneinbruch um fast ein Fünftel bekannt.

Die Ankündigung zu den AMD-Chips sorgte an der Wall Street und in der Computerbranche für Aufregung. Dell war der einzige führende PC-Hersteller, der bisher auf AMD-Chips verzichtet hatte. AMD-Chips waren bisher bei Dell nur in den Hochleistungs-PCs der kleinen Spezialfirma Alienware zu finden, die der Branchenführer im März übernommen hatte.

Dell gab die Verwendung der AMD-Prozessoren am Donnerstag nach Börsenschluss gleichzeitig mit der Veröffentlichung eines deutlich geschrumpften Gewinns für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2006/07 bekannt. Die AMD-Chip-Ankündigung trieb die Dell-Aktien nachbörslich kräftig um 4,34 Prozent auf 24,99 Dollar in die Höhe. Die AMD-Anteile legten sogar um 12,44 Prozent auf 35,25 Dollar zu. Dagegen sackten die Intel-Aktien um 4,99 Prozent auf 17,72 Dollar ab.

AMD begrüßte die Dell-Entscheidung. Das Unternehmen wolle eng mit Dell zusammen arbeiten, hieß es.

Die Dell Inc. mit Sitz in Round Rock (Texas) erhöhte den Umsatz in dem am 5. Mai beendeten Dreimonatsabschnitt im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar (11,2 Mrd Euro). Der Gewinn fiel hingegen um 18 Prozent auf 762 Millionen Dollar. Der Gewinn je Aktie erreichte nur noch 33 (Vorjahresvergleichszeit: 37) Cent. Der Dell-Hauptkonkurrent Hewlett-Packard hatte seinen Quartalsgewinn hingegen um 51 Prozent erhöht.

Das Wettbewerbsumfeld sei intensiver gewesen als in den Planungen vorhergesehen, konzedierte Dell-Konzernchef Kevin Rollins. Im vergangenen Jahr habe man gleichzeitig Wachstum und höhere Gewinn erzielen wollen. Dies habe es den Konkurrenten ermöglicht, ihre relativ niedrigen Gewinne zu erhöhen und ihr Wachstum zu beschleunigen.

Dell will aber jetzt laut Rollins wieder auf Wachstumsoffensive gehen. Die Preispositionen sollen wieder etabliert werden, sprich es dürfte anhaltende Preiskämpfe in der PC-Branche geben. Dell wolle 100 Millionen Dollar in den Kundendienst investieren. In den USA habe man mehr als 2000 neue Verkäufer und Unterstützungspersonal eingestellt. Die AMD-Chip-Entscheidung gehört ebenfalls zu den neuen Initiativen. Das Unternehmen wolle auch Kostenersparnisse von drei Milliarden Dollar vorantreiben.

Rollins sieht vor allem im Ausland erhebliche Wachstumschancen, wo man geringere Marktanteile habe als einige Konkurrenten. Die Wachstumsinitiativen würden aber nicht in ein oder zwei Quartalen erreicht. "Wir positionieren die Gesellschaft für die kommenden drei bis fünf Jahre und darüber hinaus", betonte er. Dell nehme Schlüsselinvestitionen in führenden Ländern vor, darunter China, Indien, Deutschland, Brasilien und den USA. Damit solle sichergestellt werden, dass man nahe bei den Kunden entwerfen, produzieren und Dienstleistungen anbieten könne.

Der Dell-Umsatz erhöhte sich in Nord- und Südamerika um vier Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar. Dell legte in Europa um sechs Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar zu. Die dortigen Auslieferungen erhöhten sich um 18 Prozent. Der Dell-Umsatz stieg im asiatisch-pazifischen Raum um 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar.

Dell erwartet für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres ähnliche Ergebnisse wie im ersten Quartal. Dell wolle zukünftig allerdings keine Gewinn- und Umsatzprognosen mehr machen, kündigte das Unternehmen. Dell hatte erst Anfang Mai und davor auch im November vergangenen Jahres seine Quartalsprognosen zurücknehmen müssen.

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