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Denic: Suche nach rechten Adressen kaum möglich

10.08.2000 | 00:00 Uhr |

Eine komplette und lückenlose Liste, die helfen soll, rechtsextremistische Internetadressen aufzuspüren und zu blockieren hält die Zentralstelle für die Vergabe von Internet-Adressen für nicht zu realisieren.

Mit Skepsis hat die Zentralstelle für die
Vergabe von Internet-Adressen «Denic» auf den Vorschlag des
Bundesjustizministeriums reagiert, künftig rechtsextremistische
Adressen anhand einer Liste gezielt zu suchen und zu blockieren.

«Wir halten eine solche Liste für unmöglich, die auf Dauer
komplett und lückenlos ist», sagte die Denic-Geschäftsführerin Sabine
Dolderer. «Wir würden der Entwicklung immer hinterher rennen.»

Dennoch wolle die Denic alles tun, um eine Panne wie bei der
Vergabe der Adresse www.heil-hitler.de vergangene Woche zu
verhindern. «Unsere Mitarbeiter sind sensibel für strafrechtlich
relevante Seitennamen, doch können wir meist nur auf Hinweise von
außen reagieren», betonte Dolderer. Zudem sei nicht immer
offensichtlich, dass es sich bei einer verdächtigen Adresse auch um
eine Homepage mit rechtsradikalen Inhalten handele. Hinter der
Adresse www.nsdap.de verberge sich etwa eine linke Gruppierung.

Auch Dolderer schlug vor, besonders eindeutige Adressen mit
Aufklärungs- Homepages zu verbinden, die über Geschichte und
Verbrechen des Nationalsozialismus informierten.

Doch die Denic allein sei mit der Überprüfung rechtsradikaler
Seitennamen überfordert, betonte Dolderer: Zwischen 10 000 und 15 000
Anträge liefen täglich in der Frankfurter Zentrale ein. Etwa 30
Mitarbeiter sind mit der Registrierung befasst. In der
Rechtsabteilung, die verdächtige Adressen überprüft und
möglicherweise sperrt, sitzen nach Angaben von Denic sogar nur drei
Mitarbeiter.

Die meisten Adressen reichten die Kunden über ihren Internet-
Anbieter (Provider) ein. «Wir gehen davon aus, dass die Unternehmen
bereits die Adressen geprüft haben. Gespeichert werden die neuen
Seitennamen dann in unserem Zentralrechner. Das läuft alles
automatisch.» Die Kontrolle der Denic beziehe sich in erster Linie
auf die technische Seite, etwa, ob die Adresse bereits vergeben ist.
Nur ein Antrag über die Homepage der Denic (www.denic.de) werde von
den Mitarbeitern persönlich geprüft. Doch gehe nur eine von 1 000
Adressen bei Denic direkt ein. In allen anderen Fällen warnte die
Denic-Geschäftsführerin vor hohen Erwartungen: «Es wird immer wieder
vorkommen, dass Adressen ins Netz gehen, die dem guten Geschmack
nicht angemessen sind.»
dpa

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