875476

Der Friedhof der Dot-Coms

05.01.2001 | 00:00 Uhr |

Die Zahl der Internet-Pleiten hat im
letzten Viertel des Jahres 2000 deutlich zugenommen. Fast 60 Prozent
der weltweit registrierten Schließungen von mindestens 210 «Dot-Com-
Firmen» im vergangenen Jahr entfielen auf das Schlussquartal,
berichtet die «Frankfurter Rundschau» am Freitag unter Berufung auf
eine Studie der kalifornischen Firma Webmergers.com.

Beschleunigt wurde das Sterben der Internetfirmen, weil gerade zum
Jahresende hin immer mehr «Dot-Coms» das Geld auszugehen begann. Den
Schließungen sei der Kursverfall vieler Internet-Aktien voraus
gegangen.

Allein die rund 40 Firmen, die im Dezember 2000 Pleite gegangen
waren, hätten 1,5 Milliarden US-Dollar ihrer Anleger «verbrannt».
Webmergers.com schätzt, dass zuletzt 12 000 bis 15 000 Beschäftigte
alleine als Folge der Zusammenbrüche ihren Job verloren hätten.

Regional habe es die Hightech-Gebiete in Kalifornien mit 30
Prozent sowie in New York und Massachusetts mit jeweils zehn Prozent
der Schließungen am stärksten getroffen. Elf Prozent seien auf
Westeuropa entfallen. Unter den 210 Firmen, die ihren Betrieb
einstellen mussten, seien insgesamt 150 Anbieter von Web-Seiten
gewesen.

Doch die Internet-Krise zog noch weitere Kreise. Der Geldmangel
der «Dot-Coms» und der starke Wettbewerbsdruck in der Branche
torpedierte zu Beginn des Jahres 2001 auch die Anbieter von
Datenspeichern. Zweistellige Kursverluste bei Marktführer EMC sowie
Veritas und Network Appliance waren die Folge. Dabei hätten die
Speicherhersteller der «Financial Times Deutschland» zufolge vor
wenigen Wochen noch als unantastbar gegolten. Das Geschäft mit
Datensystemen sei eigentlich ein Selbstläufer, schrieb die Zeitung.
Denn in den Unternehmen fielen mit der steigenden Akzeptanz des
Internets immer mehr digitale Informationen an.

Inzwischen hätte sich das Blatt jedoch gewendet, da die noch
überlebenden Internetfirmen ihre Budgets zusammenstreichen mussten.
Eine Untersuchung der Investitionsplanung in amerikanischen
Unternehmen habe ergeben, dass die Nachfrage nach Speicherkapazitäten
im ersten Quartal und möglicherweise auch noch im zweiten Quartal
2001 einbrechen werde, schrieb die Zeitung.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
875476