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Der Großvater des iPod

09.09.2008 | 11:40 Uhr |

Während eines Rechtsstreits lud Apple den Briten Kane Kramer für eine Aussage ein. Kramer hatte 1979 den wohl ersten ditalen, tragbaren Musikplayer entworfen

Eine Skizze des IXI (Zeichnung von Kane Kramer)
Vergrößern Eine Skizze des IXI (Zeichnung von Kane Kramer)
© Apple

Kane Kramer hätte vielleicht Technikgeschichte schreiben können, dennoch bleibt seine Geschichte nur eine Randnotiz der Zeitgeschichte. Kramer, der mit 15 die Schule abbrach, hatte 1979 einen digitalen Musikplayer entworfen und die digitale Form ders Musikverkaufs gleich dazu. Apple lud ihn als Zeugen in einem Rechtsstreit mit dem Unternehmen Burst.com, das Apple vorwirft, mit dem iTunes Music Store Patente zu verletzen. Anhand von Kramer will Apple beweisen, dass es diese Ideen schon weit früher gegeben hätte.

IXI heißt der Player, den Kane Kramer vor 29 Jahren entwarf. Das Herzstück ist ein Speicherchip, auf dem die Musik gespeichert wird. Gleichzeitig war dies auch ein Manko: Der Chip bot gerade einmal Platz für ein einziges Lied. Die Verbreitung der Musik stellte sich Kramer so vor, dass die Musik über Telefonleitungen an Terminals in Musikgeschäften gesendet wird und dort auf die IXI-Chips kopiert wird. Sicherheitsmaßnahmen sollten Kopien verhindern. Der Erfinder hatte seine Idee interlationel patentiert. Zu seinem Unglück konnte er die Patente 1988 nicht verlängern, weil ihm die 60.000 Pfund Patentgebühren dafür fehlten. Somit wurde die Erfindung frei für alle.

In einem PDF-Dokument einer damaligen Präsentation erklärte der damals 23-Jährige, wie das System funktionieren soll. Mangels der technischen Möglichkeiten und ohne die entsprechenden Investoren konnte er seine Idee nie in die Praxis umsetzen. Der Markt wäre zudem wohl auch noch nicht reif gewesen, die Technik war zu teuer und nicht praktibel genug. Für Kramer dürfte es ein wenig späte Genugtuung bedeuten, dass Apple ihn in dem Verfahren als Erfinder digitaler Muskplayer präsentiert. Zuerst habe er gedacht, Freunde wollten ihn reinlegen, als eine Dame aus Apples Rechtsabteilung ihn anrief, sagte er der Zeitung Daily Mail .

In seinem Alltagsleben hat der Erfinder aber nicht von seiner bahnbrechenden Idee profitiert: Kramer musste sein Möbeldesigngeschäft letztes Jahr schließen und in eine kleine Miewohnung ziehen. Er organisiert eine jährliche Erfinderversammlung und arbeitet an einer neuen Erfindung, die laut ihm "größer als der iPod" wird. Von Apple habe er bislang lediglich ein Beraterhonorar für seine Erläuterungen in den Verfahren mit Burst.com erhalten. Das Verfahren mit Burst konnte Apple 2007 außergerichtlich beenden. Kane Kramer verhandele aber mit Apple über eine Art Entschädigung für seine Erfindung. Es habe ihn jedoch bewegt, dass er nach all den Jahren Anerkennung für seine Erfindung bekommen habe.

Derzeit könne er sich allerdings nicht mal einen iPod kaufen. Der iPod, den Apple ihm geschenkt habe, sei nach acht Monaten kaputtgegangen.

Info: Kane Kramer

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