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Der Hausmeister von Apple

13.10.2004 | 16:41 Uhr |

Nur knapp drei Monate nach seiner überstandenen Krebserkrankung, sitzt Apple-Boss Steve Jobs wieder an seinem Arbeitsplatz in Cupertino.

Momentan noch auf Teilzeit-Basis, will sich der Firmengründer und CEO bald wieder voll für den Mac-Hersteller einsetzen. In einem Interview mit Business Week spricht Jobs über vergangene Fehler und aktuelle Herausforderungen bei Apple.

Das Produkt ist wichtig, nicht nur der Profit

Gefragt nach Apples Krise vor seiner Rückkehr, macht Steve Jobs vor allem eine nicht ausreichend produktorientierte Entwicklung in den Jahren vor 1997 verantwortlich. Gute Ideen reichten nicht aus, um ein Produkt zu entwickeln. Vielmehr müsse auch jemand dafür sorgen, dass alle Teile zu einem Ergebnis zusammenfinden. Ein weiteres Problem, das viele Firmen heute haben und laut Jobs auch Apples Problem damals war: Diejenigen, die erfolgreiche Produkte entwickeln, kommen in der Firma nicht ausreichend zu Wort. Erreicht ein Unternehmen mit ihrem Produkt eine Monopolstellung, übernimmt die Verkaufsabteilung das Produkt und die Weiterentwicklung wird häufig vernachlässigt. Als Beispiel nennt Steve Jobs Apples 10-jährige Monopolstellung bei der grafischen Benutzeroberfläche. Fällt das Monopol, haben die guten Produktentwickler die Firma verlassen. Der Firma fehlt ein neues Produkt. Auch Microsofts Steve Ballmer sei ein Beispiel für eine Unternehmensführung, die ihren Schwerpunkt nicht auf die Produktentwicklung lege, sondern auf den Verkauf.

Apples Hausmeister

Sich selbst sieht Apples CEO als "Head Janitor", als Chef-Hausmeister der Firma. Genau weiss er es aber nicht. Er hatte Glück, sagt Jobs, in der Computerindustrie aufgewachsen zu sein. Am Anfang habe er vom Zusammenbau bis zum Verkauf alles selbst gemacht. Heute ist ihm wichtig, das Apple in allen Bereichen in denen sich der Mac-Hersteller engagiert, die technische Kontrolle hat. So ermöglichte erst die zunehmend wichtige Rolle von Software als "primary technology" im Umgang mit Musik, Apples Einstieg in den Musik-Markt. Daraus ist iTunes entstanden und später der iTunes Music Store. Wichtig für Innovation sei ein Umfeld, in dem sich Mitarbeiter in den Fluren treffen und sich gegenseitig abends um halb elf anrufen können, um einen Ideeneinfall auszutauschen. Auch die Fähigkeit "nein" sagen zu können sieht Jobs als wichtige Qualität, um nicht vom richtigen Weg abzukommen. "Wir denken ständig über neue Märkte nach in die wir einsteigen könnten, aber nur wenn man auch nein sagen kann, kann man sich auf das konzentrieren was wichtig ist." In dem Interview hebt Jobs zudem die Notwendigkeit eines Motivs für die Firma hervor. Eine Zeit lang hätte "Apple vergessen, wer wir sind". Die "Think Different"-Kampagne mit prominenten Persönlichkeiten wie Einstein und Ghandi richtete sich deshalb nicht nur an Mac-Kunden, sondern vor allem auch an die eigenen Mitarbeiter.

"Nicht die Reichsten, aber die Besten"

Gewohnt selbstbewusst kommentiert der CEO Apples momentane Situation mit den Worten: "We may not be the richest guy (...) but we're the best at what we do". Für sich selbst ist Jobs froh weiter für Apple und Pixar da sein zu können. Seine Krebserkrankung habe ihm das besonders verdeutlicht: "I love my family, and I love running Apple, and I love Pixar". Auch wenn Jobs im Interview mit Business Week keine großen Neuigkeiten auspackt sondern einfach verspricht, dass Apple noch viel vor hat, ist es schön zu wissen, dass Apple demnächst wieder voll auf seinen passionierten und gesunden Firmengründer an der Spitze bauen kann.

Business Week: Interview

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