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Der Jaguar kommt am 24. August aus dem Käfig

17.07.2002 | 20:06 Uhr |

Die neue Betriebssystemmversion Mac-OS X 10.2 war auf Steve Jobs Keynote zur Macworld Expo in New York neunzig Minuten lang das Hauptthema. Das Update wird 129 Dollar kosten.

München/Macwelt - Rund 2,5 Millionen Mac-Anwender nutzen Mac-OS X als ihr Hauptbetriebssystem, verkündete Steve Jobs in New York. Bis zum Ende des Jahres möchte man die Zahl gar auf fünf Millionen verdoppelt haben. Dass 70 Prozent aller Käufer neuer Geräte das Apple-Unix auf diesen als System benutzen, mache in Cupertino optimistisch. Apple sei damit der weltgrößte Hersteller und Distributor von Unix.

129 Dollar für das gescheckte X


Lang erwartet, bringt Mac-OS X 10.2, Codename Jaguar, einige Neuerungen, die den Preis von 129 Dollar rechtfertigen sollen.
Vor allem beim Finder hat Apple kräftig Hand angelegt. So kommen die mit Mac-OS 8 eingeführten und mit Mac-OS X aufgegebenen aufspringenden Ordner wieder zurück, auch in der Listen- und Browser-Ansicht poppen Verzeichnisse auf, wenn man eine Datei auf sie zieht. Schnelleres Auffinden von Dateien verspricht ein Suchfenster in der Werkzeugleiste von Finder-Fenstern.
Auf der Installations-CD hat Apple das Blau des X durch ein schwarz-gelbes Fellmuster ersetzt, das an die namensgebende Raubkatze erinnert. Wer heute einen neuen Rechner bei Apple kauft, kann das Update für 30 Dollar erwerben.

Sherlock mit Webservices


Komplett überarbeitet hat Apple seine eigene Suchmaschine Sherlock, die in Version 3 Webservices integriert hat. So kann man sich im Sherlock-Fenster Börsenkurse anzeigen und diese alle 30 Sekunden aktualisieren lassen und andere Suchen starten, ohne einen Browser zu bemühen. So findet Sherlock auch Bilder nach Stichworten oder zeigt das aktuelle Kinoprogramm an, gibt man die Postleitzahl seines Aufenthaltsortes ein. Die meisten der Webservices werden aber laut Apple Deutschland zunächst nur in den USA funktionieren, gerade die Zusammenarbeit mt Kinos oder den gelben Seiten dürfte noch ein wenig problematisch sein.

Inkwell und Rendezvous


Mit Inkwell bekommt Mac-OS X 10.2 eine integrierte Handschriftenerkennung, die Texteinagabe in jedes Programm über ein Grafiktablett erlaubt. Die Technologie stammt noch von den Newton-Entwicklern, die laut Jobs immer noch in Cupertino beschäftigt sind.
Als bedeutender präsentierte der Apple-Boss jedoch die automatische Erkennung von IP-basierten Geräten namens Rendezvous. Epson, Hewlett-Packard und Lexmark haben zugesichert, ihre Netzwerkdrucker mit der auf offenen Standards beruhenden Technologie auszurüsten. Der Vorteil für den Anwender liegt auf der Hand: Ohne seinen Rechner zu konfigurieren, findet dieser unter Mac-OS X 10.2 Drucker, die sich mit Rendezvous ansprechen lassen. Mehr für Privatanwender und weniger für das Office gedacht, ist die Funktion, die Jobs und Apple-Vize Phil Schiller mit iTunes demonstrierten. Eine in etwa einem halben Jahr erscheinende Version der Jukeboxsoftware soll Rendezvous integriert haben und einfachen Austausch von Musik erlauben. Sobald sich zwei Rechner in einem (drahtlosen) Netz über Rendezvous verständigen, koppeln sich ihre iTunes-Playlists aneinander und streamen Musik von einem Mac zum anderen. Dabei transportiert die Software aber nicht die MP3-Datei, sondern erlaubt lediglich für die Zeit der Verbindung den gegenseitigen Zugriff auf die Bibliotheken. Davon überzeugt, dass Rendezvous noch viele Anwendungsmöglichkeiten bietet, schwärmte Steve Jobs: "Das ist erst der Anfang."

Neue iApplikationen


Zwei neue und eine überarbeitete iApplikation bauen auf die Funktionen des Jaguar auf. In iTunes 3 führt Apple eine automatische Regelung des Ausgangssignals ein, Sond Check soll gewährleisten, dass ein jedes Stück der Playlist gleich laut über den Lautsprecher kommt. Ein Zähler registriert, wie oft der Anwender ein Strück abgespielt hat, selbst kann der Hörer die Qualität von Stücken mit null bis fünf Sternen bewerten. Darauf aufbauend, erstellt iTunes 3 "Smart Playlists", die sich automatisch an die Bibliothek anpassen. So kann sich der Musikfan in einer Smart Playlist immer seine beliebtesten Stücke anhören, die Stücke eines bestimmten Interpreten, die einem gegebenen Wertungsbereidch liegen oder nur Musik aus einer festen Zeit oder einer Kategorie. Mehrere Kritereien lassen sich kombinieren, für Sammler und iPod-Besitzer dürfte die Möglichkeit interessant sein, eine bestimmte Datenmenge von noch nie gehörten Stücken zu einer Playlist zusammen stellen zu lassen.
Einen Newton-Nachfolger hat Apple nach wie vor nicht im Angebot, mit neuer Software wird der iPod aber immer mehr zum PDA. iCal ist Apples Antwort auf Organizer-Software, selbstbewusst spricht Steve Jobs, von "der besten Kalendersoftware auf dem Markt." Mehrere Kalender kann man über .Mac synchronisieren, seine eigenen Termine über das Internet einsehbar machen und auf der anderen Seite Termine von Freunden, Bekannten oder Veranstaltern von Sport oder Kultur abonnieren.
Zum Abgleich des digitalen Hub hat Apple iSync entwickelt. Die Software bringt nicht nur den iPod mit iTunes und iCalc auf den gleichen Stand, insbesondere verständigt sich die Software via Bluetooth mit GPRS-Handys. Das Handy sei nun ebenfalls Teil des digitalen Hub geworden, verkündet Jobs stolz.

Adressbuch, Mail und iChat


Das neue Adressbuch in Mac-OS X soll den Vorstellungen Jobs zufolge das Zentrum für alle Personen bezogenen Daten werden. Kontakte lassen sich aus dem Adressbuch heraus direkt dazu nutzen, Websites zu besuchen, E-Mails zu schicken, Handy-Telefonate zu initiieren oder Anrufe mit SMS zu beantworten. Dabei hilft auch die Messenger-Software iChat, die auf das AOL-System zurückgreift.
Überarbeitet hat Apple auch seine E-Mail-Applikation Mail, mit der man jetzt mehrere Konten verwalten kann. Auf eingehende Mails wendet die Software Regeln zu deren Einordnung an, besonders stolz sind die Entwickler jedoch auf ihren Spamfilter. Junkmail filtert Mail automatisch aus und markiert sie in der Listenansicht in brauner Farbe, dabei wendet die Software einen semantischen Algorithmnus an, der den Wünschen des Anwenders folgend dazu lernen kann. Was Spam ist und was man nicht als unerwünschte Werbemail einsortiert, soll der Anwender selbst bestimmern können. pm

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