1896950

„Der Mac wird niemals sterben“ – Phil Schiller, Craig Federighi und Bud Tribble im Gespräch

05.02.2014 | 14:30 Uhr |

Unser Macworld-Kollege Jason Snell hatte die seltene Gelegenheit, mit Apples Führungsriege über den Mac und die Verschmelzung von iOS und OS X zu sprechen – mit überraschenden Ergebnissen!

Dreißig Jahre – solange ist es mittlerweile her, dass Steve Jobs uns mit dem Macintosh erklären wollte, warum 1984 nicht wie "1984" sein würde. Der legendäre Werbespot zum Superbowl 1984 zeigte in schwarz und weiß den mächtigen und innovationsfeindlichen „großen Bruder“ IBM, der sich dem jungen, dynamischen und freiheitsliebenden Apple gegenüber sah. Aus Schwarz-Weiß ist jedoch mittlerweile eher „Shades of Grey“ geworden, denn die einst klare Rollenverteilung zwischen Apple und seinen Mitbewerbern – Innovation und Pioniergeist auf der einen, konservative Produktpflege auf der anderen Seite – ist Geschichte. Der Multi-Milliarden-Dollar-Konzern aus Cupertino misst sich heute mit Google, Microsoft oder Samsung auf Augenhöhe. Und dennoch gelingt es keinem der Mitbewerber, mit seinen Produkten und Markenimage eine solche Faszination auszuüben wie Apple. Ein Markenimage, das Apple nicht zuletzt der jüngeren Zeit zu verdanken hat, denn iPhone und iPad veränderten den Technologie-Markt grundlegend.

Fast ein wenig stiefmütterlich behandelt wurde da in der öffentlichen Wahrnehmung der Mac, Apples älteste Erfolgsgeschichte. Immer wieder singen Analysten das Lied von der Post-PC-Ära und dem Ende des Mac; außerdem müssten iOS und OS X zwangsläufig irgendwann zusammenwachsen. Angesichts der jüngsten Gerüchte um iOS 8, eine mögliche Apple-Gesundheits-App namens „Healthbook“ und die iWatch als Health-Tracker dürfte eine komplette Verschmelzung von iOS mit OS X eher unwahrscheinlicher geworden sein – und der Mac damit weiter seinen festen Platz als Produktiv-Gerät sowohl in Apples Produktpalette, als auch auf unseren Schreibtischen haben. Eine Einschätzung, die auch Apples Führungszirkel teilt.

Serpentinen

In 30 Jahren hat sich so einiges geändert, gerade in einer so schnell wachsenden Branche wie der Computerindustrie; doch Apple und der Mac sind noch immer da. Wahrscheinlich würde ein Zeitreisender aus dem Jahre 1984, frisch von Jobs’ Macintosh-Präsentation kommend, einen aktuellen iMac als den legitimen und logischen Nachfolger des Ur-Mac identifizieren können. „Keine der Firmen, die damals Computer produziert hat, als wir mit dem Mac angefangen haben, hat überlebt. Sie sind alle Geschichte“, sagt Phil Schiller, Apples Senior Vice President of Worldwide Marketing. „Wir sind die einzigen, die noch da sind und unser Ding machen. Wir wachsen schneller als der Rest der Computerindustrie, weil wir die einzigen am Markt sind, die sich immer und immer wieder neue erfinden wollen.“

Bud Tribble ist Apples Vice President of Software Technology.
Vergrößern Bud Tribble ist Apples Vice President of Software Technology.
© Apple

Und tatsächlich: Der Weg des Mac in den letzten dreißig Jahren kann kaum als eine gerade Autobahn bezeichnet werden – viel eher schon als eine kurvenreiche Passstraße mit vielen Aufs und Abs. Zum einen hat OS X, das Betriebssystem, das den Mac heute antreibt , unter der Oberfläche mit dem Original von 1984 kaum noch etwas gemein. Das verdankt Apple in erster Linie dem Zukauf von Next und der damit verbundenen Rückkehr von Steve Jobs im Jahr 1996. Zum anderen erschien der Macintosh damals als Desktop-Computer, während die Mehrzahl der heute verkauften Macs Notebooks sind. „Der Original-Macintosh hatte so viele wegweisende Aspekte, dass sie noch heute zu erkennen sind“, sagte Schiller. Die Teams, die bei Apple über all die Jahre die Macs bauten und bauen hätten unzählige Gelegenheiten gehabt, alles was nicht funktionierte, über Bord zu werfen – und doch habe so viel vom damaligen Macintosh-Konzept überlebt, dass auch dreißig Jahre danach der Mac immer noch ein Mac ist.

Ähnlich sieht das auch Bud Tribble. Er war damals ein Teil des Macintosh-Entwicklerteams und ist heute Apples Vice President of Software Technology; durch beide Positionen verfügt Tribble über einmalige Einblicke, sowohl auf den Ur-Macintosh, als auch auf heutige Modelle. „In den Original-Mac sind damals unglaublich viel Energie und Kreativität geflossen“, erklärte Tribble. „Genau aus diesem Grund spiegeln sich auch in den Macs von heute noch einige extrem starke DNA-Stränge des ursprünglichen Modells wider. Die Stärke und die diesen DNA-Strängen zugrunde liegenden Design- und Usability-Prinzipien gelten auch für unsere anderen Produkte – ein Apple-Produkt sollte schnell zugänglich und leicht erlernbar sein, indem man seine Funktionsweise schon auf den ersten Blick versteht. Auf den Mac bezogen: Der Computer sollte sich dem Willen des User beugen, nicht umgekehrt.“

Apples Senior Vice Presidents, Phil Schiller und Craig Federighi.
Vergrößern Apples Senior Vice Presidents, Phil Schiller und Craig Federighi.
© Apple

Auftrieb dank iPhone

Das Apple von heute ist nicht mehr nur durch den Mac definiert. In den letzten zehn Jahren erweiterte Apple sein Portfolio zuerst um den mittlerweile nahezu bedeutungslosen iPod, dann um iPhone und iPad – mit stark wachsenden Verkäufen und einer ebenso stark anschwellenden Verbreitung. Angesichts der Marktmacht von iPhone und iPad kann man dann auch schnell den Eindruck gewinnen, dass der Mac auf dem absteigenden Ast sei und für Apple zunehmend uninteressant werden könnte. Schiller, Tribble und Craig Federighi, Apples Senior Vice President of Software Engineering, schieben dieser Überlegung allerdings schnell den Riegel vor. „Was den Mac erst richtig angeschoben hat, war der Aufstieg von iPhone und iPad“, sagt Tribble.

Konkurrenz und Kannibalisierung? Oder doch Auftrieb und Schub für den Mac?
Vergrößern Konkurrenz und Kannibalisierung? Oder doch Auftrieb und Schub für den Mac?
© Apple

Für ihn haben die  gemeinsamen Arbeiten von Apples für Hardware- und Software-Teams an den neuen mobilen Plattformen die Entwicklung des Mac enorm belebt. „Diese intensive gegenseitige Ideenaustausch und die Tatsache, dass die Mac- und iOS-Teams bei Apple ein und dasselbe Team sind, haben dem Mac einen Höhenflug verpasst, der die Erwartungen weit übertreffen konnte.“ Phil Schiller ergänzt: „Die Erfahrung, die wir für unsere Kunden schaffen wollen, hat sich nicht verändert. Wir sind in beiden Welten zuhause – in der mobilen genauso wie in der stationären. Wenn man sich nur mal anschaut, was wir beim Thema Multitouch erreichen konnten, wie wir es geschafft haben die Gestensteuerung mit dem Mac-Trackpad am Heimcomputer zu etablieren während wir gleichzeitig auf allen unseren mobilen Geräten vom iPod Touch bis zum iPad mit den selben Erfahrungen erfolgreich sind … Das ist schon richtig cool.“

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum die Verschmelzung von iOS und OS X reine Zeitverschwendung wäre – und warum der Mac trotz iPhone und iPad nicht untergehen wird.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1896950