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Der PC wird 20

09.08.2001 | 00:00 Uhr |

Kaum eine Entwicklung hat die Wirtschaft so nachhltig verändert wie der Personal Computer. Auf den ersten IBM-PC folgte jedoch erst drei Jahre später ein wirklich anwenderfreundliches Gerät mit graphischer Oberfläche.

Ein verschworenes Dutzend hatte sich im Sommer 1980 im IBM-Forschungslabor in Boca Raton zusammengefunden. Die Ingenieure hatten den Auftrag bekommen, in einem geheimen Projekt vorbei an der berüchtigten IBM-Bürokratie einen Personal Computer zu entwickeln. Obwohl die Führung des Computerkonzerns damals nur halbherzig an die Zukunft eines preiswerten Rechners für die Massen glaubte, wollte IBM-Chef Frank Cary kleinen Firmen wie Apple oder Commodore nicht alleine diesen Markt überlassen. Vor genau 20 Jahren, am 12. August 1981, stellte «Big Blue» in New York den IBM 5150 PC vor. Der erste IBM-PC begründete eine neue milliardenschwere Industrie und änderte die Welt.

Die IBM-Entwickler profitierten damals von der Arbeit der Pioniere der PC-Industrie wie Steve Wozniak (Apple I, 1976) oder John von Blankenbacher, der 1973 den Kenbak-1 konstruiert hatte. Diese Mikrocomputer der ersten Stunde sprachen aber entweder nur ein Bastlerpublikum an oder waren mit Preisen über 20 000 Dollar so unerschwinglich wie der im legendären Forschungszentrum Xerox Parc entworfene Alto.

Den ersten kommerziell erfolgreichen Mikrocomputer brachte Apple 1977 auf den Markt, den Apple II. Insbesondere die Tabellenkalkulation VisiCalc sorgte dafür, dass Apple die junge PC- Industrie dominierte. IBM war damals zwar der führende Anbieter von Großrechnern, doch die waren meistens so groß wie ein Kühlschrank und nicht für den privaten Gebrauch geeignet.

Um möglichst schnell einen eigenen PC entwickeln zu können, mussten die IBM-Techniker viele Komponenten von außen zukaufen. Bei der Suche nach einem geeigneten Chip stießen sie auf Intels Mikroprozessor 8008 und legten damit das Fundament für den Aufstieg von Intel zum weltgrößten Chip-Produzenten. Auch das Betriebssystem für den neuen PC wollten die IBM-Entwickler nicht selbst schreiben.

Nachdem der führende Softwareentwickler Gary Kildall von Digital Research die IBM-Offerte nicht ernst nahm, ergriff der damals 25 Jahre alte Bill Gates die Chance seines Lebens. Zwar verfügte Microsoft 1980 nicht über ein geeignetes Produkt. Doch Gates und sein Partner Paul Allen sahen sofort, welche Perspektive ihnen ein IBM- Auftrag eröffnen würde. Gates kaufte bei anderen Entwicklern den Kern für eine Systemsoftware zusammen und lizenzierte IBM das Konglomerat als PC-DOS 1.0. Die erfahrenen IBM-Manager ließen sich von Gates sogar die Rechte an DOS abringen und sorgten so dafür, dass Microsoft sich zum globalen Softwaregiganten entwickeln konnte.

Technikpuristen waren vom ersten IBM-PC tief enttäuscht. Der Chip war zu schwach für eine vernünftige Grafikdarstellung, das DOS von Microsoft wurde als schwache Softwarearchitektur kritisiert. Daten wurden auf einem Kassettenrekorder gespeichert. Der erste IBM-PC hatte keine Festplatte. Doch das Kalkulationsprogramm 1-2-3 für den IBM-PC konnte komplexere Rechenmodelle ausführen als der Apple II und verdrängte die Konkurrenz aus den Büros. In den USA kostete der IBM- PC inklusive Monitor rund 3500 Dollar. 1981 verkaufte IBM 35 000 PCs. Doch dann zog der Markt an. Rund drei Millionen Stück setzte IBM von seiner ersten PC-Generation ab, die bis 1987 angeboten wurde.

Grundlage für den durchschlagenden Markterfolg der IBM-Architektur war die Entscheidung, anderen Firmen wie Compaq, Dell oder Nixdorf den Nachbau des IBM-PCs zu gestatten. Zehn Jahre nach dem Verkauf des ersten «PC-Clones» durch Compaq verlor IBM die Position als führender PC-Hersteller 1994 an das texanische Unternehmen.

20 Jahre nach der Einführung des ersten IBM-PCs sind über 600 Millionen Personal Computer weltweit in Betrieb. In 2001 wird die PC- Industrie nach einer Schätzung von Gartner Dataquest mit rund 140 Millionen neuen PCs rund 174 Milliarden US-Dollar (388 Mrd. DM) machen. Doch erstmals in der Geschichte sorgt der Personal Computer in diesem Jahr nicht mehr für Wachstum. In den USA und auch in Europa schrumpft der PC-Umsatz deutlich. Zum 20. Geburtstag steckt der Personal Computer in einer Art Midlife-Krise. Die PC-Hersteller tun sich zum einen schwer damit, mit ihren Produkten die Menschen zu erreichen, denen der PC noch immer viel zu kompliziert zu bedienen ist und die sich deshalb standhaft weigern, einen «persönlichen» Computer anzuschaffen. Und die Besitzer eines PCs sehen heute zu selten einen Anlass, ihre Geräte in dem Tempo auszuwechseln, wie die PC-Industrie das sich wünscht. dpa

Die Chronologie der Ereignisse:

12. August 1981: IBM stellt den ersten PC, den IBM Personal Computer 5150, vor.

November 1982:

Erster Portable PC von Compaq.

Januar 1983:

Erster nachgebauter PC aus Japan.

Februar 1983:

IBM nimmt den PC-Vertrieb in Deutschland auf.

März 1983:

Erster IBM-PC mit erweiterter Technologie (XT).

1984:

Apple Macintosh, erster kommerzieller Computer mit grafischer Benutzeroberfläche.

1989:

Erster tragbarer Apple Macintosh setzt neue Maßstäbe.

1991:

Dell nimmt die Produktion eines Notebooks auf.

1991:

Finne Linus Torvalds beginnt mit der Entwicklung der unix- Variante Linux.

1992:

IBM steigt mit Thinkpad in den Notebook-Markt ein.

1993:

Erster Pentium-Chip von Intel. 1993: Apple stellt die Produktion des Apple II ein.

1995:

Microsoft belebt mit neuem Windows 95 den PC-Markt.

1996:

Palm Pilot erzielt als «Persönlicher Digitaler Assistent» erste Markterfolge.

1998:

Apple bringt "iMac" heraus.

2001:

Über 625 Millionen Computer-Anwender. Rund 95 Prozent nutzen einen PC.

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