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Der Tiger auf dem Sprung

09.07.2004 | 15:18 Uhr |

Mehr als 150 neue Funktionen sollen der übermächtigen Windows- Konkurrenz Paroli bieten.

"APPLE IST SCHNELLER ALS MICROSOFT. Mac-Besitzer verfügen bereits über das beste Betriebssystem der Welt. Die kommende Version 10.4 ist ein weiterer Schritt vorwärts - sowohl in Sachen einfache Bedienung als auch in Sachen Geschwindigkeit." Wer Steve Jobs auf einer seiner genialen Keynotes reden hört, bekommt einen Eindruck davon, wie Werbung für ein neues Betriebssystem aussehen sollte: Man beeindruckt mit großen Zahlen (150 neuen Funktionen), zeigt grafische Spielereien wie Dashboard (die gut aussehen, aber eigentlich keine Erfindung von Apple sind), verweist auf Nützliches wie die Programmierhilfe Automator oder die Suche mit Spotlight und garniert den Vortrag abschließend mit aktuellen Bild- und Videoeffekten (Core- Image und Core-Video). Doch nützt das beste Marketing nichts, wenn das eigene Produkt nichts taugt - und Tiger hat es in sich. Finden ohne Grenzen An den Anfang seines Vortrages stellte Steve Jobs das Nützliche. Spotlight nennt sich eine Kombination aus verbesserter Suche und einer Datenbank, in der das Betriebssystem möglichst viele Informationen über Dateien und Ordner speichert. Ziel ist, Suchanfragen wie "Gib mir alle Präsentationen von Jon Rubinstein über die Zukunft des iPod, die er mir in den letzten zwei Wochen geschickt hat" möglichst einfach an den Mac zu übermitteln. Unter Tiger macht man dazu mehrere Einträge in der Eingabezeile von Spotlight, zum Beispiel "iPod Jon Rubinstein Präsentation" und schränkt die Suche über ein Aufklappmenü auf den genannten Zeitraum ein. Praktisch in Echtzeit liefert das Betriebssystem noch während der Eingabe alle zu dieser Anfrage passenden Dokumente in einem herkömmlichen Finder-Fenster. Damit das funktioniert, arbeitet in Tiger ständig ein Programm im Hintergrund, das alle neuen und geänderten Dateien ermittelt und Informationen über sie in einer SQL-Datenbank abspeichert. In dieser Datenbank landen zum Beispiel Dateiname und Änderungsdatum, aber auch alle Informationen wie Titel oder Komponist, die man zu einem Musikstück in iTunes einträgt oder der komplette Text aus einer PDFDatei. Als Beispiel führt Steve Jobs die Suche nach einem Städtenamen vor, der auf der Festplatte seines Mac genau einmal existiert: Als Beschriftung einer Landkarte in einer PDF-Datei. Die Suchkriterien lassen sich speichern und im Finder in einen "Smart Folder" umwandeln. So nennt Apple einen Ordner, der zum Beispiel alle E-Mails, Internet-Adressen und Info-Dateien zu einem bestimmten Thema enthält. Da das Betriebssystem ständig im Hintergrund die Datenbank aktualisiert, enthält dieser Ordner immer alle passenden Dokumente - es ist nicht nötig, selbst einzugreifen. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, wie das Ganze funktioniert, startet am besten eine aktuelle Version der Musiksoftware iTunes. Die "intelligente Wiedergabeliste" gibt einen guten Eindruck davon, was künftig laut Jobs mit allen Programmen und allen Dokumenten möglich sein wird.

Mehr zu Mac-OS X 10.4 "Tiger" lesen Sie in der aktuellen :Macwelt 8|2004, die seit 7. Juli am Kiosk liegt.

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