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Der Zwei-Browser-Staat

15.06.2007 | 11:03 Uhr |

"Steve Jobs Denken ist nicht zeitgemäß, sein duozentrisches Weltbild passt überhaupt nicht zum Wesen des Internets." Diese scharfen Worte über den Apple-Chef kommen wohlgemerkt nicht aus Redmond, sondern aus dem Blog von John Lilly. Der Chief Operating Officer von Mozilla hat sich Steve Jobs samt seiner Keynote von der WWDC ordentlich zur Brust genommen.

Der Stein des Anstoßes für den Mit-Vater von Firefox steckte im "one more thing" der Keynote zur Worldwide Developers Conference am Montag Abend. Als Schluss-Push hatte Jobs bekanntlich angekündigt, dass es Safari künftig auch für Windows geben wird. Um zu illustrieren, welches Ziel sich Apple damit gesteckt hat, präsentierte Jobs eine Kuchengrafik, auf der der Löwen-Marktanteil der Browserverbreitung erstaunlicherweise nach wie vor dem Internet Explorer gehört und knapp ein Viertel Safari. Firefox & Co. dagegen, die weltweit immerhin knapp 20 Prozent der Marktanteile innehaben dürften, waren aus diesem Schaubild verschwunden. Lilly bescheinigt Jobs in seinem Mozilla-Blog , dass seine Denke "corporate-controlled" und "duopoly-oriented" sei. Auf jeden Fall schätze sie das Wesen des Internets falsch ein, wie man an erfolgreichen Projekten wie Wikipedia oder Creative Commons sehen könne. "Das Internet gehört den Nutzern, nicht den Unternehmen." Deshalb zweifelt Lilly, dass der "Zwei-Browser-Staat" jemals Realität wird. So einfach, wie Jobs es sich mit den wachsenden Marktanteilen von Safari vorstellt, wird es wohl tatsächlich nicht werden- auch wenn inzwischen die Beta-Version des Apple-Browsers für Windows über 1 Million mal geladen worden ist. Laut einer im März veröffentlichten Analyse von Adtech hat Firefox in Europa immerhin einen Marktanteil von durchschnittlich 15 Prozent. In Deutschland ist anscheinend sogar jeder dritte Nutzer mit dem Open-Source-Browser im Web unterwegs. Bild: John's Blog

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