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Der erste Blick auf Microsoft Office 2008 (1)

03.01.2008 | 16:15 Uhr |

Nach vier Jahren steht dem Mac-Anwender wieder eine neue Office-Version ins Haus: Ab dem 15. Januar will Microsoft Office 2008 for Mac ausliefern - vorerst allerdings nur in den USA. Im Frühjahr sollen dann lokalisierte Versionen folgen.

Die letzte Beta-Version, die als "Golden Master" ihren Weg in die Produktionsstätten gefunden hat, verteilte Microsoft auch zum Testen an Fachjournalisten auf der ganzen Welt. Word, Excel, PowerPoint und Entourage finden Anschluss an die aktuellen Intel-Macs und präsentieren sich nicht nur optisch verändert, sondern liefern einige neue Funktionen mit. In drei Teilen berichten wir über unsere Eindrücke mit der neuen Office-Version.

Es war im Sommer 2005: Auf der Entwicklerkonferenz WWDC verkündet Apple-Chef Steve Jobs die dritte Transition in der Geschichte Apples - den Switch auf die Intel-Plattform. Für alle Software-Entwickler vom Ein-Mann-Betrieb bis zu den Giganten der Industrie kam diese Ankündigung einem Arbeitsauftrag gleich: Um von den Vorteilen der neuen Prozessoren profitieren zu können, muss jedes Programm angepasst werden. Gäste auf dieser legendären Keynote waren Bruce Chizen, Chef von Adobe, und Roz Ho, Leiterin der Macintosh Business Unit (Mac BU) bei Microsoft. Chizen stellte eine Intel-Mac-Variante der Creative Suite zeitgleich zum Abschluss der Hardware-Umstellung in Aussicht, die Microsoft-Vertreterin sprach von "ein paar Monaten", bis der Softwaregigant aus Redmond ein entsprechendes Update anbiete. Nun - mit dem Mac Pro stellte Apple ein Jahr später im August das letzte Modell des Portfolios auf den Intel-Prozessor um und Adobe brauchte noch ein Dreivierteljahr länger, um mit der CS3 das wichtigste Publishing-Paket auch als Intel-native Version anzubieten. Insgesamt dreißig Monate benötigte nun Microsoft, um die Klassiker aller Büro-Programme - Word, Excel, PowerPoint und Entourage - fit für die gar nicht mehr so neuen Intel-Macs zu machen. Beide WWDC-Gäste von damals bekleiden heute nicht mehr ihren Posten - wenngleich wohl aus hier und dort unterschiedlichen Gründen.  

Neue Vielfalt: Sowohl PowerPC als auch Intel - und das dreimal

Jetzt ist es Januar 2008 - und pünktlich zu Apples Hausmesse MacWorld Expo gibt der neue Chef von Microsofts Mac BU Craig Eisler den Startschuss für die lang erwartete neue Office-Version 2008. Eisler musste im vergangenen August Qualitätsprobleme einräumen und den zum Herbst angekündigten Verkaufsstart in das neue Jahr verschieben. Zumindest in den USA steht ab 15. Januar Office 2008 in den Regalen der Apple Stores und andernorts - und das gleich dreimal. Neben der Neuigkeit, dass Office 2008 nun als Universal Binary vorliegt und somit auf Intel-Macs ohne die angezogene Handbremse der Rosetta-Emulation auskommt, ist die neue Versionsvielfalt das zweite große Unterscheidungsmerkmal zum Vorgänger Office für Mac 2004, was sich in der Menge der Funktionen wie auch im Preis widerspiegelt.Noch nie gab es eine Office-Version für Jedermann so günstig zu kaufen, in den USA ist die "Home and Student Edition" für 150 US-Dollar zu bekommen, sie enthält mit den neuen Versionen von Word, Excel, PowerPoint und Entourage alle Bestandteile der 2004er-Version. Allerdings fehlt ihr neben einem Upgarde-Pfad und vorgefertigten Automator-Arbeitsabläufen auch die Anbindung an Exchange-Serverumgebungen. Diese Merkmale, die nicht nur für Studierende und Heimanwender, sondern auch für die Vielzahl von Benutzern in kleineren Firmen mit nahezu einheitlicher Mac-Infrastruktur verschmerzbar sind, machen den Preisunterschied zur Vollversion aus. Sie kommt für 400 Dollar in die amerikanischen Fachgeschäfte - und seit Mitte Dezember können Fachjournalisten genau diese Version auch testen. Als Dritter im Bunde gesellt sich die "Special Media Edition" für 500 Dollar dazu: Sie besitzt mit "Expression Media" eine Bildbearbeitungs- und -verwaltungssoftware, die aus iView Media Pro hervorging. Dieses Feature ist das dritte Highlight im neuen Office 2008, wollen wir glauben - testen konnten wir es nicht. Wer dieses Tool einsetzen möchte, muss in den Vereinigten Staaten noch einmal 150 Dollar drauflegen.Und die Euro-Preise? Sie stehen noch genau so wenig fest wie der Produktstart außerhalb der USA. Die Lokalisierung in andere Sprachen wie Deutsch, Französisch, aber auch neu ins Dänische, Finnische und Norwegische, ist noch nicht abgeschlossen. Für die Preisgestaltung wollen wir das auch hoffen: Ende September berichteten französische Quellen von 552 Euro für die Standard- und 652 Euro für die Special Media-Version, jeweils inklusive Mehrwertsteuer und offenbar ohne Wissen um aktuelle Wechselkurse. Allein die Variante für Studenten und Heimanwender soll nach diesen Informationen mit 139 Euro annähernd so viel kosten wie in den USA. Für den Frühling hat Microsoft das Erscheinen der fremdsprachigen Versionen angekündigt.  

Neu, neu, neu: Office 2008 lernt viel dazu

Mit der Fertigstellung der Universal Binaries von Word, Excel, PowerPoint und Entourage erlangt Microsofts Office-Paket endlich den Anschluss an die aktuelle Apple-Hardware, Zwangspausen auf Intel-Macs wegen langsamen Programmverhaltens sollten damit der Vergangenheit angehören. Weitere Neuerungen hat das Paket aber auch noch zu bieten, einige von ihnen feiern auf dem Mac Premiere, andere sind bereits Windows-Anwendern von Office 2007 bekannt. Open XML: Microsoft hat mit Office 2007 ein neues Dateiformat eingeführt und damit auch viel Kritik auf sich gezogen - insbesondere im Mac-Lager. Denn ohne externe Konvertierungsprogramme konnten bislang Word 2007-Dokumente am Mac nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden. Jetzt schließt auch die Mac-Version auf. Die Diskussion um das Dateiformat ist auch eine wirtschaftspolitische - sie wird uns im dritten Teil unseres Schwerpunktthemas noch beschäftigen. Die neue Werkzeugpalette löst die Formatierungspalette ab - und neben der Namensänderung fließen tatsächlich weitere Funktionen in das Tool ein, das sich optisch präsentiert wie das Informationsfenster der iWork-Programme, aber dank der Flut an Einstellmöglichkeiten im ausgeklappten Zustand auch einen 20-Zoll-Monitor an die Darstellungsgrenze führen kann. Neben Formatierungen erreicht der Anwender je nach Programm auch die Objekt- und Übergangspalette sowie die Werkzeuge Referenz mit übersichtlichen Hilfen zur Übersetzung oder Synonymsuche, das Zitierwerkzeug für wissenschaftliche Arbeiten, den Kompatibilitätsbericht und den Projektkatalog. Leider lassen sich nicht (wie bei den Apple-Programmen durch "Alt" + Mausklick) mehrere Ansichten der Toolbox öffnen, um etwa gleichzeitig (den etwas versteckten) Zugriff auf die iPhoto-Bibliothek und die Textformatierung zu bekommen. Wie gehabt lassen sich aber zusätzlich zur Toolbox weiterhin Werkzeugleisten am oberen Dokumentenrand einblenden. Optisch hübsch und Widget-like gelöst sind die Einstellungsmöglichkeiten für die Toolbox selbst: Sie kann sich selbst ausblenden und hält dann nur noch die Basis-Werkzeuge bereit. Bis auf Entourage erhalten die Office-Programme eine zusätzliche Element-Gallerie am oberen Dokumentenrand: Dort hat der Anwender Zugriff auf vorgefertigte Bausteine jeder Art. Je nach Anwendung kann man ein Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Diagramme, Tabellen, Grafiken und vieles mehr mit einem Klick hinzufügen, dabei bedienen sich die Office-Programme bei mitgelieferten Vorlagen und Farbstilen. Auch hier lehnt sich Microsoft an Apple an, um mit fertigen Bausteinen (Themen) dem Anwender schnell zu repräsentablen Druck- und Präsentationserzeugnissen zu verhelfen. Mehr Kunst im Büro will Microsoft mit der überarbeiteten Grafik-Engine OfficeArt erreichen, die Engine arbeitet auch in Office 2007 Windows und ermöglicht - plattformübergreifend - Bildbearbeitung und -effekte sowie Übergänge in Präsentationen. Den überarbeiteten Help Viewer kann Office 2008 gut gebrauchen, denn die Funktionsvielfalt erschlägt nicht erst seit der aktuellen Version den ungeübten Anwender. Microsoft bietet - sofern eine Internet-Verbindung vorhanden ist - online erweiterte Unterstützung an und integriert den Zugriff auf das Diskussionsforum in den Help Viewer. Schade ist, dass sich die Hilfe-Funktion nicht in die Mac OS X-eigene Hilfe integriert - das Hervorheben von Menübefehlen unter Leopard versteht die Microsoft-Hilfe nicht.  

Und noch mehr Neues entdecken

Im zweiten Teil unseres Schwerpunktthemas lesen Sie mehr zu den neuen Funktionen der einzelnen Office-Komponenten - und was uns beim Test der vorliegenden englischsprachigen Beta-Version positiv wie negativ aufgefallen ist. In Teil 3 enden wir mit einem Pro & Contra und versuchen, für die unterschiedlichen Anwender-Typen eine Kaufberatung zu den unterschiedlichen Versionen von Office und Alternativ-Produkten zu geben. Bildmaterial: Hersteller, macnews.de

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