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Der erste Computer der Welt neu gebaut

11.05.2001 | 00:00 Uhr |

Einen Nachbau des ersten frei programmierbaren Computers der Welt, Konrad Zuses legendärem Z3, haben Wissenschaftler der Freien und technischen Universität fertig gestellt. Das Original war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, ein Nachbau, den Zuse selbst in den 60er Jahren angefertigt hatte, steht heute in München.

Genau 60 Jahre nach dem Bau der ersten frei
programmierbaren Rechenmaschine der Welt haben Berliner
Wissenschaftler einen Nachbau fertig gestellt. Wenn die Z3 rechnet,
dann rattert und blinkt sie unablässig. Das archaisch anmutende Gerät
beansprucht dabei den Platz eines großen Kleiderschranks.

Was wie ein Relikt klingt, war seinerzeit ein Meilenstein der
Computertechnik. Rechtzeitig zum Jubiläum am 12. Mai hat ein
Gemeinschaftsprojekt der Freien und Technischen Universität Berlin
eine Kopie der Z3 vollendet.

Erfinder der Z3 ist Konrad Zuse (1910-1995). Mit seinem im Mai
1941 in Berlin- Kreuzberg vorgestellten Automaten revolutionierte der
Bau- Ingenieur industrielle Arbeitsvorgänge. Der etwa zwei Tonnen
schwere Antik-Computer beherrschte die vier Grundrechenarten und
konnte im Gegensatz zu Konkurrenzerfindungen als erste Maschine bis
zu 64 Kommazahlen bearbeiten.

Zuses Sohn Horst, Privatdozent an der Technischen Universität
Berlin, gehört zu den Initiatoren des in drei Jahren nachgebauten
Rechners. Mit der historisch korrekten Kopie wollte das Team
nachvollziehen, wie die Z3 funktionierte. Im Gegensatz zum Original
sollte der hundert Mal kleinere «Laptop-Z3» auch für Laien
verständlich sein. 2400 eigens installierte Leuchtdioden zeigen dem
Betrachter, an welchen Stellen gerade eine Zahl durchgeschaltet wird.

«Wir haben großen Wert darauf gelegt, verständliche Wissenschaft
zu machen», begründet der Sohn des Computer-Pioniers die Unterschiede
zum Original-Rechner. Von den «Bits zum Anfassen» wird auch
Bundespräsident Johannes Rau bei einer Vorführung im
Wissenschaftszentrum Bonn profitieren. Anschließend soll die Z3-Kopie
zu didaktischen Zwecken in Museen, Institutionen und Schulen
aufgestellt werden.

«Ein moderner Computer mit einem üblichen Pentium-Prozessor
arbeitet im Prinzip nicht wesentlich anders», erklärt der Zuses Sohn
die Bedeutung der Z3 für die digitale Gegenwart. Wie bei der
Erfindung seines Vaters befindet sich auch in jedem modernen Rechner
ein Speicher, eine arithmetische Einheit und ein Steuerwerk.

Nach der Z3 entwickelte Zuse weitere Visionen. 1944 formulierte
der Autodidakt, was Computer in der Zukunft leisten sollten. Aus
Angaben zu Bauwerk und Traglast müssten Computer zum Beispiel beim
Bau einer Brücke automatisch Kosten, Materialverbrauch und
Konstruktionszeichnungen berechnen. Mit dem «Plankalkül» -
niedergelegt auf 300 Seiten - veröffentlichte Zuse 1945 außerdem die
erste höhere Programmiersprache. Damit legte er die Grundlage für
internationale Computernetze der Gegenwart.

Ein maßstabsgetreuer Nachbau der Z3, den Konrad Zuse in den 60er
Jahren noch selbst gebaut hatte, befindet sich im Deutschen Museum in
München. Das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
dpa

Mehr Informationen zu Konrrad Zuses Werk finden Sie unter http://home.t-online.de/home/horst.zuse/

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