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Deshalb profitieren wir alle von Apples Public Betas

11.07.2016 | 14:39 Uhr |

Die Public Beta für die im Herbst kommenden macOS- und iOS-Versionen stehen den Anwendern und Entwicklern bereits zur Verfügung. Doch aus welchem Grund bietet Apple überhaupt noch nicht fertig programmierte Software zum Download an? Und wer profitiert letztendlich davon?

Mit der Veröffentlichung der Public Beta-Versionen für macOS Sierra und iOS 10 gewährt  Apple den Anwendern Zugriff auf die neuste Prerelease Software. Dabei dauerte es einige Zeit, bis sich Apple zu diesem Schritt bewegen ließ. Das erste Betriebssystem für die Macs, welches sich die Anwender vor dem offiziellen Veröffentlichungsdatum zu Testzwecken herunterladen konnten, war im Jahr 2014 OS X 10.10 Yosemite. Die erste offizielle Public Beta für iOS folgte mit iOS 9 sogar erst ein Jahr später.

Im Vergleich dazu haben die Software-Entwickler schon viel länger Zugriff auch die entsprechende Prerelease-Software. Dies ist allerdings auch notwendig, damit die Entwickler die Apps an die neuen iOS-Features anpassen und verbessern können. Die Interessen und Nutzungsweisen der Entwickler stimmen jedoch in vielen Bereichen nicht mit denen der typischen Apple-Nutzer überein. Die Public Betas bieten daher für alle Beteiligten Vorteile.

Das hat Apple von der Public Beta

Allen voran zieht natürlich Apple aus den Public Betas den größten Vorteil. Somit können nicht nur die Entwickler die Apps für das neue Betriebssystem optimieren, sondern auch die breite Masse an Apple-Nutzern die neue Software auf Bugs und sonstige Verbesserungen untersuchen.

Sowohl die Beta für macOS als auch die für iOS beinhalten einen Feedback-Assistenten, über den die Nutzer während der Public-Beta-Phase  Verbesserungsvorschläge und Fehlermeldungen an Apple senden können.

Je mehr Menschen die Public Betas nutzen, desto mehr Fehler kann Apple in der Software beheben. Bestimmte Bugs treten beispielsweise nur in bestimmten Einstellungs-Kombinationen auf oder in besonders Nutzungsweisen der Programme. Apple selbst kann nur bestimmte Bereiche überprüfen. Mit der Hilfe der Public-Beta-Tester können zwar höchstwahrscheinlich nicht alle Fehler behoben, die Anzahl der Bugs aber erheblich reduziert werden.

Natürlich gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. So toll die Möglichkeit, die Software schon im Vorfeld testen zu können, auch klingen mag, besteht jedoch immer noch das Risiko, dass mit der Public Beta schwerwiegende Fehler auftreten können – und die Geräte möglicherweise sogar außer Betrieb setzen. In solchen Extremfällen werden die Anwender oftmals wütend, was sich wiederum auf den Ruf von Apple auswirkt. Die Tatsache, dass Apple vor der Installation der Public Betas vor genau solchen Fällen warnt, spielt bei den meisten Anwendern dann keine Rolle mehr.

Da dies aber eher selten vorkommt, kann Apple durch die Public Betas mehr positive Erkenntnisse gewinnen. So kann das Unternehmen beispielsweise nachvollziehen, ob bestimmte Funktion vom Nutzer überhaupt erwünscht sind und ob diese letztendlich auch in der Endversion erscheinen sollen.

Wie Dritt-Entwickler profitieren

Apple erlaubt in den Public Betas Dritt-Entwicklern mit ihrer eigenen Software nach Bugs zu suchen. An dieser Stelle wird erneut deutlich, dass durch mehrere Beta-Tester mehr Fehler gefunden werden können, was wiederum gut für Apple ist. Auf der anderen Seite haben Drittanbieter somit Zugang zu Beta-Testern, welche wiederum potentielle Test-Kandidaten für Beta-Versionen ihrer eigenen Software sind. Die eine Hand wäscht quasi die andere.

In diesem Fall können die Nachteile für Dritt-Entwickler letztendlich aber deutlich größer sein als die für Apple. Sollte beispielsweise eine App in der Beta-Version nicht korrekt funktionieren, verleitet dies verärgerte Nutzer zu negativen Rezensionen. Dabei müssen die Fehlerursachen manchmal gar nicht von den Dritt-Entwicklern stammen, sondern können auch von Apple selbst verschuldet werden. Daher gehen Dritt-Entwickler stets ein gewisses Risiko ein, zumal Apple als eins der größten und wohlhabendsten Unternehmen auf der ganzen Welt Kritik besser verkraften kann, als besagte Dritt-Entwickler.

Apple hat diesem Problem jedoch bereits mit der Beta-Version von iOS 9 entgegengewirkt und die Testpersonen von dem Schreiben von Rezensionen ausgeschlossen.

Was alle anderen davon haben

Und was ist mit dem Rest? Wir „normalen“ Apple-Nutzer zählen schließlich weder zum Unternehmen Apple, noch zu den Entwicklern. Wir gehören zu den Power-Nutzern, zu den frühen Entdeckern, zu den Leuten, denen es nichts ausmacht, gewisse Risiken einzugehen, so lange man dafür die neuesten Features so früh wie möglich testen kann. Und das ist bei den meisten der Hauptgrund.

Als Beta-Tester kann man schließlich aktiv mithelfen und für Veränderungen und Verbesserungen sorgen. Wir können Apple direkt mitteilen, was wir mögen und was nicht, was wir nützlich finden und was eher hinderlich.

Das Risiko was man gleichzeitig eingeht, ist jedoch auch nicht gerade ungefährlich. Immerhin vertrauen wir unsere persönlichen Daten einer Software an, die noch nicht ganz fertig entwickelt wurde. Ganz egal, wie weit unsere Vorsichtsmaßnahmen reichen: Das Risiko, dass der Mac oder das iOS-Gerät aufgrund der fehlerhaften Software nicht mehr funktionieren könnte, bleibt trotzdem bestehen.
 
Nichtsdestotrotz wirken wir alle sinnbildlich als Evangelisten für Apples Produkte. Wir verbreiten die frohe Kunde, zeigen und erklären, was mit der neuen Software alles möglich ist, was noch verbessert werden kann und wo neues Potential für die Anwender sind. Am Ende profitiert jeder von den Public Betas: Apple, Dritt-Entwickler und natürlich die breite Masse an Nutzern.

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