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Design von iOS 7: Hübsch - aber unfertig

14.06.2013 | 09:04 Uhr |

iOS 7 ist ein guter neuer Ansatz. In einigen Details muss Apple aber noch am Design schrauben. Manches verwirrt den Nutzer noch.

iOS 7 wird abstrakter, transparenter, bewegter und buchstäblich vielschichtiger. Apple hat sich bei dem Redesign einige Gedanken gemacht. Der Nutzer sieht auf den ersten Blick nur neue, bunte Icons und Knöpfe, die manchmal gar nicht wie Knöpfe aussehen. Das neue iPhone-System iOS 7 ist nicht nur der erwartete optische Neuanstrich für das iPhone, sondern ein Neuanfang. Apple hat hier vom Aussehen über viele Aspekte der Bedienung bis hin zu völlig neuen Funktionen vieles verändert.

Das neue Prinzip

iOS 7 sieht nicht nur anders aus, sondern hat ganz neue Designprinzipien, die der neuen Oberfläche zu Grunde liegen. Apples Design-Chef Jony Ive setzt bei iOS auf hierarchische Ebenen . Der Bildschirmhintergrund ist die Unterlage, darüber schweben die App-Icons, auf denen wiederum die kleinen Anstecker mit Benachrichtigungen sitzen, eine geöffnete App liegt schließlich oben auf. Besonders deutlich wird das Schichtenmodell durch den neuen Parallax-Effekt des Home-Bildschirms. Bewegen wir das iPhone, bewegen sich Hintergrund, Icons und Zählerblasen und erzeugen den Eindruck von räumlicher Tiefe.

Schichten-Prinzip: iOS zeigt jetzt durch visuelle Tricks, dass die Oberläche aus mehreren Ebenen besteht.
Vergrößern Schichten-Prinzip: iOS zeigt jetzt durch visuelle Tricks, dass die Oberläche aus mehreren Ebenen besteht.
© Apple

Durch das neue Konzept der visuellen Transparenz schimmert der Hintergrund an vielen Stellen durch, um diese verschiedenen Schichten zu verdeutlichen.

Neue Nutzerführung

Benutzer sollen durch neue Animationen besser nachvollziehen können, wie sie sich durch das System bewegen. Öffnen wir eine App, zoomt iOS in das App-Icon hinein, um den Sprung in die App zu verdeutlichen, umgekehrt zoomen wir aus der App auf den Home-Bildschirm, die App minimiert sich optisch wieder zu einem Icon. Gesendete SMS springen aus dem Texteingabefeld hinauf in den SMS-Dialog. Das sind Kleinigkeiten, die Aktionen für Nutzer ein wenig verständlicher machen können.

Dazu hat Apple gute Arbeit geleistet, dem Nutzer Mühe zu ersparen. An vielen Stellen brauchen wir ein bis zwei Schritte weniger, um unser Ziel zu erreichen. Dazu zählt das neue Control Center mit seinen Schnelleinstellungen und ein neues Kontextmenü, wenn wir über eine E-Mail streichen. Ohne diese zu öffnen, können wir dieses jetzt nicht nur löschen, sondern weitere Aktionen aufrufen – schön.

Design gegen Funktion: die neue Tastatur ist schlicht und lässt den Hintergrund durchscheinen. Leider ist sie so schlicht, dass z.B. nur schwer zu erkennen ist, ob die Umschalttaste aktiv ist.
Vergrößern Design gegen Funktion: die neue Tastatur ist schlicht und lässt den Hintergrund durchscheinen. Leider ist sie so schlicht, dass z.B. nur schwer zu erkennen ist, ob die Umschalttaste aktiv ist.
© Apple

Während einige Vorgänge in iOS 7 sehr schön illustriert werden, sind andere Knöpfe und Schaltflächen für den Nutzer überhaupt nicht zu erkennen. Das Suchfenster für die Suche nach Apps oder Mails (Spotlight) auf dem iPhone findet man jetzt nur noch zufällig: Den Home-Bildschirm nach unten schieben, dann taucht die Suchmaske auf.

Auch die Geste zum Entsperren des Bildschirms ist jetzt nicht mehr deutlich visualisiert. Die Bewegung bleibt die gleiche, funktioniert jetzt sogar überall auf dem Bildschirm. Dadurch, dass dort nur das Wort „Entsperren“ steht - nicht aber wie das geht - außer durch eine dezent angedeutete Textanimation. Dazu zeigt ein Pfeil nach oben und verwirrt den Nutzer. Die Bewegung nach oben öffnet jedoch die Schnelleinstellungen „Control Center“. Ein Sprachproblem: im Englischen heißt es deutlicher „slide to unlock“.

Unfertig: Ohne Hinweis auf die richtige Geste zum Entsperren ist der Sperrbildschirm missverständlich.
Vergrößern Unfertig: Ohne Hinweis auf die richtige Geste zum Entsperren ist der Sperrbildschirm missverständlich.
© Apple

Optimal ist das nicht. Nutzeroberflächen sollten klar verdeutlichen, was der Anwender machen muss, welche Elemente Schaltflächen sind und welche nicht. Noch ein Beispiel, wo Apple Designprinzip über die Funktion gestellt hat: App-Ordner dürfen jetzt zwar Unterseiten haben, was toll ist. Dafür hat Apple die Ordner verkleinert. Statt 16 Apps (iPhone 5) passen jetzt nur noch neun Apps auf die erste Seite des Ordners. Apple wollte hier wohl genügend Rand um den Ordner lassen, damit erkennbar bleibt, dass dieser Ordner über dem Hintergrund schwebt. Unverständlich.

Designprinzip geht vor Praxisnutzen: Damit die Ordner schwebend wirken, lässt Apple sie schrumpfen.
Vergrößern Designprinzip geht vor Praxisnutzen: Damit die Ordner schwebend wirken, lässt Apple sie schrumpfen.
© Apple

Alles ziemlich bunt hier

Apples Icons richten sich jetzt allesamt streng nach einem neuen Designraster . Ein unsichtbarer Kreis bildet das Grundgerüst für jedes Icon. Dem Nutzer fällt das kaum auf. Viel sichtbarer sind die neuen Pastellfarben und Farbverläufe, die das Team um Jony Ive den neuen Systemicons verpasst hat. Dies ist vielleicht die gewöhnungsbedürftigste Neuheit in iOS 7. Das Internet reagiert mit bissigem Humor . Teilweise hat Apple die neuen Icons sogar komplizierter gemacht. Die frühere Blüte war schon kein perfektes Symbol für ein Fotoarchiv, der Kreisel aus bunten Formen soll in Anlehnung daran eine abstrakte Blüte sein, lässt aber überhaupt keinen Bezug mehr zu Fotos erkennen.

Apples Grundraster für alle App-Icons. Einheitliche Styleguides sind schön, das Ergebnis aber noch sehr bunt.
Vergrößern Apples Grundraster für alle App-Icons. Einheitliche Styleguides sind schön, das Ergebnis aber noch sehr bunt.
© Apple

Apple ist mit iOS 7 auf einem guten Weg. Mit ein wenig Feintuning wird dies endlicher wieder ein durchgängig designtes iOS, das mehr kann, einheitlicher aussieht und noch einfacher zu nutzen wird. Nur die Nutzer müssen sich noch an die neue Optik gewöhnen.

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