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Deutsche Professoren ziehen gegen www.meinprof.de zu Felde

14.08.2006 | 11:23 Uhr

Bei Zensuren hört der Spaß auf. Was für die Schule gilt, stimmt auch für Universitäten. In den Hochschulen haben die Studenten aber den Spieß nun auch mal umgedreht. Doch die Professoren wollen sich die Notengebung ihrer Schützlinge nicht gefallen lassen.

Sie gehen gegen die Internetseite www.meinprof.de vor, auf der Studenten für die Nation die Tops und Flops der Dozenten auflisten. Nun hat sich der Berliner Datenschutzbeauftragte eingeschaltet. Seiner Ansicht nach verstößt die Seite gegen das Persönlichkeitsrecht. Für die Studenten geht es um mehr: In Zeiten von Studiengebühren und Eliteuniversitäten verlangen sie Mitsprache - und Wettbewerb auch unter Professoren.

Der Brief sei etwa vor drei Wochen gekommen, sagt Alexander Pannhorst, einer von fünf Studenten, die ehrenamtlich an meinprof.de basteln. Absender: der Berliner Datenschutzbeauftragte, Alexander Dix. Er moniert wesentliche Funktionen der Seite. "Es geht zum einen darum, dass sich Professoren allgemein öffentlich diskriminiert fühlen", sagt Dix.

Die Dozenten wehren sich etwa gegen Bewertungen wie "ein mieser Pickel" oder "Da ist ein Vertretungslehrer in einer Berufsschule für Maurer kompetenter". Inzwischen werde das Büro überflutet mit Beschwerden einzelner Professoren, berichtet Pannhorst. Die Technische Hochschule Aachen und die Fachhochschule Darmstadt hätten gleich geschlossen Widerstand angekündigt.

Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass jeder weltweit ohne Nachweis, wer er sei, die Daten abrufen könne, sagt Dix und fordert Änderungen. Die Betreiber sollen Dozenten benachrichtigen, bevor sie diese in eine Rangliste aufnehmen. "Und die dürfen sagen, ich will nicht", ergänzt Dix. Zudem sollten sich Nutzer registrieren, bevor sie die Listen einsehen können.

Die Studenten stehen vor einem Dilemma: Von jedem Dozenten per Brief eine Unterschrift einzuholen, würde Wochen dauern und Unmengen Geld kosten. Resignation macht sich breit. Zumal Dix schon 2005 eine ähnliche Seite abschalten ließ. Ihr Anwalt Lambert Großkopf ist wenig aufgeregt. Dix bewerte die Meinungsfreiheit zu gering, findet der Bremer Rechtsdozent. "Was die Studenten eingeben, ist deren Meinung, keine Tatsachenbehauptung." Er als Dozent finde das Projekt toll - und vertrete die Studenten deshalb kostenlos.

Dass Studenten regelmäßig die Profs bewerten, ist noch gar nicht so lange Usus. Eine regelmäßige Qualitätskontrolle für die Lehre wurde erst bei der Neuauflage des Hochschulrahmengesetzes 1997 diskutiert. Inzwischen ist sie in vielen Bundesländern gesetzlich verankert. Und die Diskussion, ob Studenten über die Lehre überhaupt qualifiziert urteilen können, dauert an.

Evaluierung sei grundsätzlich sinnvoll, findet Regina Weber vom Vorstand der Studentenvertretung FZS. Die Online-Variante auf eigene Faust aber diene wohl eher dazu, Professoren an den Pranger zu stellen. Eine Bewertung sei nur sinnvoll, wenn es die Möglichkeit gebe, Verbesserungsvorschläge zu diskutieren, findet sie.

Dass dies durchaus per Internet geht, zeigen Online-Evaluierungen wie sie etwa die Universität Potsdam anbietet. Seit 2003 gäben Studenten dort per Maus und Tastatur ihr Urteil über Kurse ab, erklärt Phillip Polenz von der Servicestelle Lehrevaluation. Passwörter verhinderten einen öffentlichen Pranger. Zudem behalte der Dozent die Kontrolle. "Wir benutzen das als Kommunikationsinstrument zwischen Lehrenden und Studenten."

Meinprof.de wolle in erster Linie den Austausch zwischen Studenten verkürzen, sagt Pannhorst. Zudem könne es einfach nicht sein, dass im Zeitalter von Studiengebühren, Eliteunis und allgemeinem Wettbewerbsdruck unmotivierte Dozenten unterrichteten. Die Studenten halten es für legitim, den Wettbewerb, dem sie sich zunehmend ausgesetzt sehen, auf die Professoren auszudehnen. (dpa/tc)

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