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Deutsche Zeitungsverleger sehen kein Ende der Krise

04.07.2002 | 16:39 Uhr |

Die deutschen Zeitungsverleger sehen noch kein Ende der Talfahrt beim Anzeigengeschäft und dem Verkauf ihrer Blätter. "Die anhaltend schlechte Konjunktur trifft uns in voller Härte", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Volker Schulze, am Donnerstag in Berlin. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres seien die Anzeigenumfänge um 14 Prozent und die verkaufte Auflage um 2,6 Prozent gesunken.

"Es zeichnet sich definitiv keine Erholung ab", sagte Schulze. Nach dem Boomjahr 2000 seien die Werbemärkte im vergangenen Jahr eingebrochen. Bei Anzeigen/Beilagen und dem Vertrieb habe es ein Umsatzminus von 8,2 Prozent gegeben. Die Erlöse seien von 10,8 Milliarden (2000) auf 10,0 Milliarden Euro zurückgegangen.

Allein im Mai dieses Jahres sei der Umfang der Anzeigen im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent gesunken. Die größten Einbrüche gab es in den ersten fünf Monaten dieses Jahres beim Stellenmarkt mit einem Minus von 43 Prozent und den Immobilienanzeigen mit minus 15 Prozent. Im Durchschnitt ist die Branche nach Angaben des Verbandes bei kontinuierlich steigenden Kosten auf das Niveau von 1997 gefallen. Den Verlagen sei es nicht gelungen, den enormen Einbruch der vergangenen 18 Monate abzufangen.

Als Besorgnis erregend bezeichnen die Zeitungsverleger den rückläufigen Verkauf an den Kiosken. Immer mehr Leser teilten sich heute ein Exemplar. Mit einer Gesamtauflage von täglich 23,4 Millionen Exemplaren seien aber die Zeitungen weiterhin der wichtigste Werbeträger in Deutschland.

Die schwierige Lage treffe die Verlage in einer Zeit des Strukturwandels, sagte BDZV-Geschäftsführer Jörg Laskowski. Die Zeitungshäuser seien dabei, sich in umfangreichen Investitionen in große Medienunternehmen zu verwandeln. Hierbei spiele das Internet eine wichtige Rolle. Allerdings gebe es noch keine Geschäftsmodelle, um mit dem Internet auch Geld zu verdienen. Nur für 20 Prozent des Angebotes könnte heute Geld verlangt werden.

"Es hat sich im Internet eine Gratiskultur entwickelt", sagte Hans-Joachim Fuhrmann, beim BDZV für Multimedia zuständig. Kritisch äußerten sich die Zeitungsverleger über das wachsende Online-Angebot der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Mit ihren Internet- Auftritten gingen ARD und ZDF mit Spielen und Ratgebern weit über das gesetzlich erlaubte begleitende Informationsangebot zu ihrem Programm hinaus.

BDZV-Präsident Helmut Heinen hatte zuvor im DeutschlandRadio gesagt, Redaktionen seien von Kürzungen am wenigsten betroffen. Die Verleger wüssten, dass sie ihre Einnahmen langfristig nur stabilisieren könnten, wenn sie weiterhin ein Qualitätsprodukt auf den Markt brächten. "Es wäre völlig falsch, die Qualität kaputt zu sparen." Der BDZV-Präsident räumte aber ein, dass journalistische Experimente und besonders hochwertige Leistungen als erstes wegfielen. dpa

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