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Deutscher Phonoverband: Jobs-Vorstoß ist "scheinheilig"

08.02.2007 | 12:54 Uhr |

Der deutsche Phonoverband kritisierte den Vorstoß von Apple-Chef Steve Jobs zum Digitalen Rechtemanagement von Musik als "durchsichtig" und "scheinheilig".

"Apple versucht, seine Probleme mit dem eigenen Kopierschutz zum Problem der Musikindustrie zu machen", sagte Michael Haentjes, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, in Berlin. Für Apple sei die Strategie, ein für andere Anbieter geschlossenes DRM-System einzusetzen, der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Wie von der Musikindustrie mehrfach gefordert, solle Apple "Fairplay" auch für andere Anbieter lizenzieren. Solange es ein krasses Missverhältnis zwischen illegalen und legalen Downloads gebe, könne man es niemandem verdenken, sein geistiges Eigentum zu schützen. So seien 2005 allein in Deutschland die illegalen Downloads von Musik mit 420 Millionen Songs rund 20 Mal höher als die Zahl der legal über das Internet verkauften Titel gewesen.

Sprecher von Musikfirmen sagten am Mittwoch, es sei noch zu früh zu sagen, ob und wie die Branche auf den Vorschlag von Steve Jobs antworten werde. «Die fehlende Kompatibilität zwischen den verschiedenen Online-Plattformen und den Endgeräten wird aber mehr und mehr zu einer echten Frage für die Musikkäufer», sagte EMI- Sprecherin Jeanne Meyer dem «Wall Street Journal». EMI hat im Herbst mit DRM-frier Musik experimentiert und einige Tracks von Norah Jones und Relient K über Yahoo verkauft. "Das Feedback war sehr positiv," erklärte EMI-Sprecher Adam Grossberg.

Terry McBride, Chef des unabhängigen Labels Nettwerk Music Group («Barenaked Ladies»), begrüßte die Initiative von Jobs. «Wenn einer das schafften kann, dann Steve.»

Unterdessen ist die Konkurrenz von Apples iTunes Store überzeugt davon, dass die Zukunft des Online-Vertriebs von Musik DRM-frei sein wird. "Wir denken, es ist nur eine Frage der zeit," meint Dan Sheeran, Senior Vice President von Real Networks Rhapsody. Real Networks bemühe sich seit Jahren, die Musikindustrie zum Verzicht auf DRM zu bewegen. Erst vor zwei Wochen auf der internationalen Musikkonferenz habe man den letzten Vorstoß gewagt, bestätigt Real-CEO Rob Glaser.

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