Spionage

Deutschland ist Hauptziel von Prism in Europa

02.07.2013 | 09:16 Uhr | Benjamin Schischka

Das umstrittene Überwachungsprogramm aus den USA hat sich offenbar Deutschland als Lauschposten Nr. 1 auserkoren. Zugleich wird bekannt, dass Prism in Echtzeit überwachen kann.

Die NSA überwacht im Rahmen von Prism Deutschland wohl weit intensiver als bislang angenommen. Informationen des Spiegels zufolge werden jeden Monat rund 500 Millionen Telefonate, E-Mails, SMS und Chat-Einträge überwacht. Die gesammelten Meta-Daten ("wer wann mit wem") sollen in Fort Meade nahe Washington gespeichert werden. An durchschnittlichen Tagen sollen rund 20 Millionen Telefonverbindungen und 10 Millionen Internetkommunikationen von der NSA ausspioniert werden, berichtet der Spiegel nach Durchsicht von Geheimdokumenten. An Weihnachten 2012 seien es 13 Millionen Telefonate und knapp 6 Millionen Mails und Chat-Beiträge gewesen. Eine Spitze sei am 7. Januar 2013 erreicht worden: 60 Millionen ausgespähte Telefonate.

Deutschland soll damit das Top-Ziel der NSA-Spione innerhalb Europas sein. In Frankreich beispielsweise seien angeblich nur 2 Millionen Verbindungsdaten pro Tag betroffen. Besonders interessant findet die NSA offenbar Süd- und Wesdeutschland. Vor allem Frankfurt haben die Geheimdienstler im Blick. Den Dokumenten sei zu entnehmen, sagt der Spiegel, dass die NSA Deutschland als Partner und gleichzeitig als Angriffsziel einstufe. Damit gehöre Deutschland zu den Partnern dritter Klasse. Nicht ausspioniert würden lediglich Kanada, Australien, Großbritannien und Neuseeland.

Gleichzeitig zum Spiegel-Bericht hat die Washington Post neue Folien über Prism veröffentlicht. Ihnen zufolge überwacht Prism die Internetnutzer in Echtzeit. Sobald sich ein User beispielsweise in einen Chat einloggt, erhält das Spionageprogramm sofort eine Nachricht - und auf Wunsch beginnt automatisch die Aufzeichnung. Wird ein neues Überwachungsziel ausgemacht, müsse der Vorgesetzte mit wenigstens 51 Prozent Sicherheit bestimmen, dass es kein US-Bürger ist. Erst dann wird mitgeschnitten. Die Daten landen anschließend beim FBI, der CIA oder NSA - je nachdem, wer die Daten benötigt. Eine letzte (neue) Folie zeigt, dass am 5. April fast 120.000 Menschen überwacht wurden.

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